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U-Bahn-Baustelle : Köln flutet doch noch nicht

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Geflutet wird später: Stefan Roth, Geschäftsführer der Kölner Arge-Nord-Süd-Stadtbah Bild: dpa

Die instabile U-Bahn-Baustelle in Köln wird doch nicht geflutet. In den letzten Stunden sei der Rheinpegel nur so wenig gestiegen, dass die gefährdete Baustelle Heumarkt vorerst nicht geflutet werden müsse, sagte ein Sprecher der Verkehrsbetriebe.

          In Köln wird die Sicherung einer durch Baupfusch gefährdeten U-Bahn-Baustelle zu einem Wettlauf mit der Zeit. Eine geplante Flutung der Baugrube wurde am Samstag zunächst abgesagt, weil sich der Anstieg des Rheinpegels und damit des Grundwassers deutlich verlangsamte. Nun soll ganz schnell eine Zwischendecke aus Beton eingezogen werden, was die Stabilität der Baustelle deutlich verstärken würde. Bis Mittwochabend wäre die Decke ausgehärtet. Solange allerdings darf der Grundwasserstand in der Baugrube nicht auf 39,5 Meter steigen - denn dann müsste doch noch geflutet werden.

          Am Samstagmittag lag der Grundwasserstand in der Baustelle Heumarkt bei 38,59 Metern. Man habe also noch 91 Zentimeter Luft, sagte Stadtdirektor Guido Kahlen am Samstag bei einer Pressekonferenz im Rathaus. „Die Natur gibt uns Zeit - ohne Abstriche an der Sicherheit. Eine Gefahr für die Anwohner, Gewerbetreibenden und Verkehrsteilnehmer kann ausgeschlossen werden.“

          Ein Vollpumpen der Baugrube könnte erforderlich werden, um den Druck des steigenden Grundwassers auszugleichen. Das Grundwasser drückt von außen auf die Baustellenwände. Eigentlich müssten sie das aushalten, aber in den Betonwänden der Skandalbaustelle fehlen mehr als 80 Prozent der stabilisierenden Eisenbügel. Am Samstag stieg das Grundwasser nur noch um einen Zentimeter pro Stunde. Sollte das so bleiben, würde sich eine Flutung erübrigen. Für Sonntag waren jedoch starke Regenfälle angesagt.

          Nach „Spiegel“-Informationen war der Pfusch beim Kölner U-Bahn-Bau möglicherweise von höherer Stelle einkalkuliert, um Geld zu sparen. Für die Ermittler verdichteten sich die Hinweise, dass der Baupfusch nicht nur das Werk einzelner Mitarbeiter gewesen sein könne, berichtet das Magazin in seiner neuen Ausgabe. Inzwischen seien auch gefälschte Protokolle von einer Baustelle aufgetaucht, auf der die bisher verdächtigten Arbeiter gar nicht tätig gewesen seien. Flächendeckende Schlamperei bei der Bauausführung könne nach Expertenmeinung ein Hinweis darauf sein, dass hier „systematisch mit Rückendeckung“ gehandelt worden sei. Der federführende Baukonzern Bilfinger Berger bestreitet dies.

          Auch IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel glaubt, dass für die gravierenden Mängel beim Kölner U-Bahn-Bau nicht nur einzelne Arbeiter verantwortlich gewesen sein können. In einem Interview mit dem „Mannheimer Morgen“ sagte der Gewerkschaftschef, ein solcher Pfusch wie in Köln sei nur denkbar, „wenn ein ganzes System beteiligt ist“.

          Die skandalumwitterte Nord-Süd-Stadtbahn wird seit 2003 parallel zum Rhein unter der 2000 Jahre alten Kölner Altstadt gebaut. An der Baustelle Waidmarkt stürzte vor einem Jahr das Historische Stadtarchiv ein, zwei junge Anwohner starben.

          Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) sind Bauherr des Projekts, das sich inzwischen auf gut eine Milliarde Euro verteuert hat. Im Zusammenhang mit dem Pfusch ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft in drei Verfahren gegen insgesamt zwölf Verdächtige.

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