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Tsunami-Forschung Frühwarnung bei Beben und Stürmen

13.01.2005 ·  Deutsche Forscher sind federführend mit ihrem Frühwarnsystem für Tsunamis. Die Bundesregierung will für sie auf der bevorstehenden UN-Weltkonferenz werben, um Aufträge aus der Krisenregion zu erhalten.

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Die Bundesregierung will bei der UN-Weltkonferenz zur Flutkatastrophe in Südostasien in der kommenden Woche im japanischen Kobe das von deutschen Wissenschaftlern entwickelte Konzept für ein Tsunami-Frühwarnsystem vorstellen. "Wir sind hier weltweit technolgisch führend", sagte Forschungsministerin Edelgard Bulmahn am Donnerstag in Berlin, nachdem Bundeskanzler Gerhard Schröder und andere Mitglieder des Kabinetts mit Fachleuten über die zügige Verwirklichung des Konzepts beraten hatten.

Das vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ), von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften entwickelte Konzept baut auf den bereits bestehenden Beobachtungsnetzen auf. Bulmahn sagte, das deutsche System sei offen für die Kombination mit entsprechenden Systemen in Japan und in den Vereinigten Staaten. "Es geht nicht um Konkurrenz, sondern wir wollen eine schnelle Hilfe für die Menschen", sagte die Ministerin. Die deutsche Geoforschung sei führend und verfüge über die modernste Technik.

Das amerikanische System gilt als veraltet

Über Satelliten, die die Meeresoberfläche beobachten, und über Sensoren am Meeresboden wird ein Seebeben in Echtzeit, also etwa zwei bis drei Minuten nach dem Ereignis, erfaßt. Bei einem Beben würde in wenigen Minuten automatisch eine Erdbebenmeldung im Internet veröffentlicht. Gleichzeitig würden an die angeschlossenen Nutzer des Warnsystems automatisch E-Mails und SMS-Meldungen verschickt. Noch in diesem Jahr soll entschieden werden, welches System im Indischen Ozean eingerichtet wird. "Wir wollen mit den betroffenen Ländern kooperieren", sagte Bulmahn.

Die Bundesregierung plant, den Aufbau des Frühwarnsystems in einem ersten Schritt auf Indonesien und Sri Lanka zu konzentrieren. Im Oktober wird das deutsche Forschungsschiff "Sonne" in den Indischen Ozean fahren, um dort herauszufinden, wo Drucksensoren am Meeresboden angebracht werden müssen, berichtete Peter Herzig vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften. Bei der Entwicklung solcher Bojen und der Satelliten-Kommunikation sei Deutschland führend. Das amerikanische Frühwarnsystem sei dagegen veraltet.

Auch an ein Warnsystem im Mittelmeer gedacht

Das geplante Frühwarnsystem kann nach Angaben des GFZ-Vorstandschefs Rolf Emmermann auch für Erdbeben, Vulkanausbrüche und Wirbelstürme eingesetzt werden. Es sei zudem auf andere Ozeane erweiterbar. So bestehe rund um das Mittelmeer eine hohe Wahrscheinlichkeit für Vulkanausbrüche. Bulmahn sagte, sie wolle dem EU-Forschungskommissar auf der Grundlage des deutschen Konzepts die Einrichtung eines Frühwarnsystems für das Mittelmeer vorschlagen.

Das System könnte nach Angaben Emmermanns in zwei Stufen aufgebaut werden. Binnen einem bis drei Jahren könne zunächst das eigentliche Frühwarnsystem mit den neu entwickelten Drucksensoren am Meeresboden und GPS-gesteuerten Bojen sowie moderner Auswertungssoftware an Land errichtet werden. Das würde nach seinen Angaben etwa 25 Millionen Euro kosten. In einem zweiten Schritt müßte dann in den betroffenen Ländern eine eigene Katastrophenvorsorge aufgebaut werden. Nur dann könne bei Gefahr schnell reagiert werden. Bulmahn kündigte an, einen Teil der 25 Millionen Euro wolle die Bundesregierung aus dem Geld finanzieren, das für die Fluthilfe zur Verfügung gestellt werden soll.

Quelle: cag. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2005, Nr. 11 / Seite 7
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