16.05.2010 · Echte Entwarnung klingt anders: Bis Dienstag könne zwar weiterhin von Deutschland aus geflogen werden, danach sind aber Flugverbote wegen des weiterhin aktiven Vulkans in Island möglich. In Irland und Großbritannien wurden am Sonntag Teile des Luftraums geschlossen.
Trotz des unverändert aktiven Vulkans auf Island gibt die Deutsche Flugsicherung (DFS) für den Himmel über Deutschland vorerst Entwarnung. „Bis auf weiteres kann uneingeschränkt geflogen werden, wahrscheinlich mindestens bis Dienstag“, sagte eine DFS-Sprecherin am Sonntag. In Irland und Großbritannien wurden am Sonntag dagegen Teile des Luftraums wegen der Aschewolke geschlossen. Die Flughäfen in London blieben aber offen. Die Lufthansa startete einen eigenen Messflug. Zudem wurde bekannt, dass ihr Sicherheitspilot sein Amt aufgibt.
Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften erklärte am Sonntag: „Die deutschen Fluggesellschaften führen ihren Flugbetrieb ganz normal weiter.“ Noch am Freitag hatte es so ausgesehen, als ob ab Montag mit Einschränkungen zu rechnen sei. Der Wind über dem Vulkan Eyjafjallajökull in Island hatte gedreht und trieb die Aschewolke wieder auf den Kontinent zu. „Derzeit gibt es keine Anzeichen, dass die Eruptionen beendet werden könnten“, hieß es in der Mitteilung des Meteorologischen Instituts in Reykjavik.
Vorhersagen derzeit sehr schwierig
Die britische Flugsicherung Nats verbot Starts und Landungen am Sonntag in Manchester, Liverpool, Doncaster und Prestwick bis mindestens 20.00 Uhr (MESZ). Ob die Asche nach London weiterzieht, hänge vom Wetter ab und sei noch nicht klar. Wenn überhaupt, werde dort aber erst von Dienstag an mit Problemen gerechnet, hieß es. Die Deutsche Flugsicherung nannte Vorhersagen derzeit sehr schwierig.
Die Lufthansa startete am Sonntag einen eigenen Messflug, um die Aschekonzentration zu erfassen. Die Maschine sollte sieben Stunden in der Luft sein und Deutschland, Skandinavien, die Britischen Inseln und Teile des Nordatlantiks überfliegen. Ergebnisse erwartet die Lufthansa Anfang der Woche. Während der Forschungscontainer „Caribic“ sonst bei regulären Passagierflügen mit an Bord ist, flog die Maschine diesmal leer. Sie war bereits im April in der Luft. Damals wurden nur geringe Konzentrationen an Aschepartikeln gemessen.
Ryanair muss Strafe zahlen
Nach seiner Kritik an den Sichtflügen während der Luftraumsperre im April scheidet der Lufthansa-Sicherheitspilot Jürgen Steinberg am 1. August aus seiner Funktion aus. Dies geschehe in beiderseitigem Einvernehmen, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Steinberg hatte sein Ja zu Sichtflügen bedauert und gesagt, dies dürfe sich nicht wiederholen. Er bleibt aber Pilot.
Der Billigflieger Ryanair soll in Italien drei Millionen Euro Strafe zahlen, weil er im Vulkanasche-Chaos gestrandeten Passagieren nicht genug geholfen hat. Das italienische Amt für Flugsicherheit (ENAC) verdonnerte Ryanair zu der Geldstrafe. (siehe auch: Millionenstrafe für Ryanair)
Mitte April waren weite Teile des Luftraums über Europa tagelang gesperrt worden. Zehntausende Flüge fielen wegen der Aschewolke über Europa aus. Hunderttausende Fluggäste strandeten an den Flughäfen.