14.10.2011 · Warum sich immer entscheiden müssen? Fußballgolf verbindet gleich zwei Lieblingssportarten der Deutschen und soll schon bald zum Volkssport werden.
Von Lucia SchmidtWenn vom runden Leder und dem Welt- und Europameister die Rede ist, denken die meisten sofort an Spanien. Anders sieht das in Dirmstein aus. In dem kleinen Ort mitten im pfälzischen Weinanbaugebiet fällt in diesem Zusammenhang der Name Alex Kober. Er darf sich auch mit beiden Titeln schmücken, allerdings in einer Sportart, in welcher der Ball zum Kicken nicht ins Eckige, sondern ins Runde muss: Fußballgolf.
Das klingt, als hätte man sich nicht entscheiden können. Kober lacht: „Nein, es ist aus der Idee entstanden, Fußball einmal mit etwas anderem zu kombinieren.“ Früher hat Kober in der Modebranche gearbeitet und in der Freizeit viel Fußball gespielt. Vor der Weltmeisterschaft 2006 hat er dann gemeinsam mit Freunden den Entschluss gefasst, einen Fußballgolfplatz zu eröffnen.
Entstanden ist eine sechs Hektar große Rasenfläche, die auf den ersten Blick aussieht wie ein überdimensionaler Minigolfplatz. Die sportlichen Bewegungsabläufe sind dabei am Fußball orientiert - was die Fachbenennung angeht, hat man sich hingegen einiges von Tiger Woods und seinen Kollegen abgeguckt. So gibt es 18 gemähte Bahnen, teilweise mit Rohren oder Hügeln als Hindernisse, auf denen der Fußball entlang laufen muss. Jeweils am Ende einer Bahn befindet sich ein Loch von „Grün“ umgeben, das mit einer roten Fahne gekennzeichnet ist; hier muss der Fußball „eingelocht“ werden. Gewonnen hat, wer den Ball vom „Abschlag“ an mit den wenigsten „Schlägen“ im Loch versenkt. Um seine Leistung einordnen zu können, gibt es für jeden Platz eine Par-Vorgabe. In Dirmstein sind es 72 Schläge.
Kober war der erste, der in Deutschland einen solchen Platz eröffnet hat. Mittlerweile gibt es vier von der „World Footballgolf Association“ lizenzierte Plätze, bis zum Frühjahr sollen es sieben sein. „Das Interesse in Deutschland ist groß“, sagt Kober, „aber der bürokratische Aufwand, eine Fläche zu finden, schwierig.“
Anders sieht das in Schweden oder Dänemark aus, wo Fußballgolf schon weit verbreitet ist. „Die skandinavischen Länder sind, was die Professionalität betrifft, am fortschrittlichsten. In Dänemark gibt es seit diesem Jahr die erste Fußballgolfliga und für Wettkampfsieger sogar Preisgelder. Hier in Deutschland geht es bisher nur um Ruhm und Ehre“, sagt Kober. „Um insgesamt professioneller zu arbeiten, brauchen wir mehr festgeschriebene Standards.“ Noch seien nicht einmal die Lochgröße oder die Festigkeit des Balls genau definiert.
Fest steht allerdings, dass die Gemeinde der aktiven Fußballgolfer rapide wächst. „An der ersten Weltmeisterschaft 2007 in Dirmstein haben rund 50 Sportler teilgenommen. Dabei kam die eine Hälfte aus Schweden und die andere aus Dirmstein. In diesem Jahr mussten wir aufgrund des großen Andrangs die Teilnehmerzahl auf 240 beschränken“, erzählt der Vierzigjährige. Unter ihnen waren 100 ausländische Sportler aus 20 verschiedenen Ländern.
Den passionierten Fußballgolfer überrascht das wachsende Interesse nicht. Die Welle sei nicht mehr aufzuhalten. „Ehrlich gesagt, wundert es mich, dass es überhaupt so lange gedauert hat.“ Fußballgolf kombiniere alles, was eine gute Breitensportart mitbringen muss: „Man ist an der frischen Luft, alte und junge Menschen können problemlos zusammen spielen, man braucht keine teure Ausrüstung, und bei geringster Verletzungsgefahr ergeben sich schnell Erfolgerlebnisse.“
Man dürfe aber nicht davon ausgehen, dass ein Fußballspieler zwangsläufig einen Vorteil habe. Denn neben Ballgefühl käme es beim Fußballgolfen vor allem auf eine kontinuierliche Konzentration über die ganze Runde und die richtige Taktik an. Gerade beim langsamen Annähern ans Loch und beim Putten auf den letzten Metern seien Nicht-Fußballspieler meist erfolgreich.
Da derzeit Fußballgolf aber als Sportart noch nicht geschützt sei, und jeder einfach 18 Löcher in die Erde hauen und nach seinen Regeln spielen kann, wünscht sich Kober, dass sich der Sport sinnvoll und in einem einheitlichen Konzept unter der Koordination der „World Footballgolf Association“ weiter entwickelt. Wie das funktionieren könnte? „Beispielsweise geht unsere Saison von April bis November. In diese Zeit fällt auch die Fußball-Bundesliga-Pause. Die könnte man mit einer Fußballgolf-Liga füllen.“
Kober muss schmunzeln bei seinem Satz. Ihm ist klar, dass sein Sport in den Startlöchern steht, aber zum Durchstarten fehlen noch Geld, Sponsoren und standardisierte Richtlinien. Für seine Ideen und sein Engagement ist Kober und sein Fußballgolfplatz in Dirmstein im Jahr 2009 sogar von Alt-Bundespräsident Horst Köhler und der Initiative „Deutschland - Land der Ideen“ ausgezeichnet worden. Ein solcher Preis motiviere natürlich, sagt der gebürtige Dirmsteiner.
Sein nächstes Ziel ist nun erst einmal ein rein sportliches. Am 22. und 23. Oktober finden in Dirmstein die German Open statt, das letzte große Turnier für diese Saison. „Die würde ich natürlich gerne gewinnen“, sagt Kober. Denn er ist zwar schon Welt-, Europa- und Deutscher Meister im Einzel und im Doppel geworden, aber die German Open konnte er noch nicht gewinnen. Auch wenn er den Heimvorteil habe, letztlich sei ein Sieg eben doch von der Tagesform abhängig. Extra Trainingseinheiten muss Kober dafür nicht absolvieren. Er spielt abends eine Runde, wenn der Platz offiziell geschlossen ist. Denn das wichtigste bei dem Sport sei, dass man kontinuierlich in Übung bleibe und Spaß habe.
Die Frage, ob Fußballgolf Spaß macht, beantworten die Spieler auf dem Dirmsteiner Platz mit einem klaren Ja. Ob das aber reicht, um aus einem Fun- einen Volkssport werden zu lassen, wird sich zeigen.