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Treffen von Naidoo und OB : Mannheim kommt nicht von seinen Söhnen los

Fühlt sich mit seinen Texten missverstanden: Xavier Naidoo, der Mannheim zu zweifelhafter Berühmtheit verhilft. Ein Treffen mit dem Oberbürgermeister ändert daran nichts. Bild: dpa

Nach der Kritik an ihrem Lied „Marionetten“ haben sich Xavier Naidoo und die „Söhne Mannheims“ mit dem Oberbürgermeister der Stadt getroffen. Die Statements danach lassen viele Fragen offen.

          Von seinen berühmten Söhnen kommt Mannheim nicht los. Am Montagabend hat sich Oberbürgermeister Peter Kurz mit der Band „Söhne Mannheims“ und ihrem berühmtesten Mitglied Xavier Naidoo getroffen. Es ging um ein Lied auf deren neuem Album „MannHeim“. So viel Liebe und kostenloses Marketing wie Mannheim bekommt wohl keine andere Stadt. Langsam wird das der Quadratestadt aber unangenehm, deshalb das Treffen.

          Vergangene Woche wurde bekannt, dass Xavier Naidoo und seine Band-Kollegen in dem Lied mit dem Titel „Marionetten“ davon singen, volksverräterische Politiker in Fetzen zu reißen. Daher forderte der Bürgermeister die Band zu einer Erklärung für die „antistaatlichen Aussagen“ im Liedtext auf. Die „Söhne Mannheims“ boten ihm daraufhin ein persönliches Gespräch an.

          In der Mitteilung der Stadt zu dem Treffen heißt es, dieses sei offen, intensiv und ernsthaft gewesen. Herausgekommen ist dennoch nicht viel. „Marionetten“ sei ein Lied, „dessen Inhalt in den Medien wie in dem gesamten politischen Spektrum inklusive der Rechtsextremen nahezu einheitlich bewertet und verstanden wird“, heißt es in der Mitteilung. „Es wird in Anspruch genommen von Bewegungen wie den Reichsbürgern, die die Existenz unseres Staates verneinen oder solchen, die sich gegen die Werte des Grundgesetzes stellen.“

          „Zugespitzte Zustandsbeschreibung gesellschaftlicher Strömungen“?

          Auch die Band hat nach dem Treffen eine offizielle Erklärung abgegeben. Darin heißt es unter anderem: „Wir verurteilen insbesondere die Vereinnahmung unserer Musik durch Feinde der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit und bekräftigen die Freiheit der Kunst und Meinungsäußerung.“ Xavier Naidoo erklärte am Dienstagmorgen in einem langen Eintrag auf seiner Facebook-Seite, bei dem Liedtext handele es sich um eine „zugespitzte Zustandsbeschreibung gesellschaftlicher Strömungen, also um die Beobachtung bestimmter Stimmungen, Auffassungen und Entwicklungen“. Diese Beschreibung sei „bewusst überzeichnet“ und „mag missverständlich gewesen sein“.

          Also alles nur ein Missverständnis? Nur eine Vereinnahmung durch Rechtsextreme? Nur die falsche Wahrnehmung linksdrehender Lügenpresse?

          Henning Wehland, Dominic Sanz, Rolf Stahlhofen und Tino Oac (von links nach rechts) von den „Söhne Mannheims“ am 25. April in Mannheim bei einer Bandprobe

          Bei der Eindeutigkeit des Liedtextes ist das doch eher unwahrscheinlich. Zitat: „Als Volks-in-die-Fresse-Treter stoßt ihr an eure Grenzen (...) Wenn ich so ein’ in die Finger krieg’, dann reiß ich ihn in Fetzen – da hilft auch kein Verstecken hinter Paragraphen und Gesetzen“. Vielen Facebook-Nutzern scheint genau diese Eindeutigkeit zu gefallen. Unter Naidoos Statement schreiben sie zum Beispiel: „Ganz ehrlich du hast alles richtig gesagt / gesungen... leider gibt es noch viel zu viele Menschen die mit dem Wort Wahrheit nichts anfangen können. Ich finde den Text große Klasse!“ Andere kritisieren Naidoos Erklärung heftig. Einer schreibt zum Beispiel, die Taktik, mit rechtspopulistischen Statements zu provozieren und dann zurückzurudern, komme ihm bekannt vor – von der AfD.

          Das Lied nimmt Bezug auf Verschwörungstheorien

          Ein anderer meint, Naidoo sei zwar vielleicht kein Nazi, aber definitiv ein Verfechter abgedrehter Verschwörungstheorien. In „Marionetten“ geht es unter anderem um „Pizzagate“, also eine Falschmeldung, nach der im Keller einer Pizzeria in Washington prominente Politiker wie Hillary Clinton einen Kinderpornoring organisieren. Und ein anderer fragt ganz einfach: „Der Text ist in der Ich-Form geschrieben – Du bist also der Protagonist. Wenn Du nicht zur Gewalt aufrufen möchtest, warum bedienst Du Dich des Aufrufs zur Gewalt?“

          Der Stadt Mannheim scheinen so einfache Fragen nicht in den Sinn gekommen zu sein. Ihr scheint es schwer zu fallen, sich zu distanzieren. Weiter unten in der Pressemitteilung zum Treffen steht, die Stadt begrüße die Erklärung der Söhne Mannheims. Ob weitere Kooperationen mit der Band oder ihrem berühmtesten Mitglied geplant sind, wollte ein Sprecher nicht sagen. Zu früheren Kooperationen wollte er sich aus Zeitgründen nicht äußern. Ein aktuelles Beispiel ist leicht zu finden: Erst im Februar wurde ein Lied der Söhne Mannheims, gesungen von Naidoo, als offizieller Titel der städtischen Kampagne „Monnem Bike“ zum Jubiläum der Erfindung des Fahrrads präsentiert. Es ist nach wie vor auf der Website zum Jubiläum verlinkt.

          Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz findet keine klaren Worte zu Naidoo und den Söhnen Mannheims (Archivaufnahme von 2007).

          Dabei hatte sich Bürgermeister Kurz schon 2014 von Naidoo distanziert, nachdem der Sänger bei einer Kundgebung von sogenannten Reichsbürgern aufgetreten war, die behaupten, Deutschland existiere als Staat überhaupt nicht. Eine Kooperation mit Naidoo sei derzeit undenkbar, erklärte er damals. Auf diese Erklärung verwies die Stadt auch, als es Wirbel um „Marionetten“ gab – ohne die aktuelle Kooperation zu erwähnen.

          Der Sprecher erklärte nun auf Nachfrage, man müsse unterscheiden zwischen Naidoo und seiner Band, der Naidoo zwischen 2011 und 2015 nicht angehört hatte. Einige seiner extremsten Texte, in denen er etwa von „Baron Totschild“ sang (eine antisemitische Anspielung auf die jüdische Bankiersfamilie Rothschild), schrieb er als Solo-Künstler – allerdings in seiner aktiven Zeit bei den Söhnen Mannheims. Die Unterscheidung zwischen Band und Sänger wirkt da etwas gewollt – vor allem von einem SPD-Bürgermeister, der sich in der Vergangenheit immer wieder deutlich gegen die AfD positioniert hat, die bei den Landtagswahlen in einigen Gegenden Mannheims gut 30 Prozent der Stimmen geholt hatte. Von ihren berühmtesten Söhnen will die Stadt offenbar nicht so ohne weiteres lassen.

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