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Trauer um Transrapid-Opfer Niemals an der Sicherheit gezweifelt

27.09.2006 ·  Auch Tage danach bleibt das Transrapid-Unglück unfaßbar. „Man weiß nicht, was man fühlt“, sagt ein Mann vor der Lathener Kirche. 1600 Menschen vor und in dem Gotteshaus gedenken bei einem Trauergottesdienst der 23 Todesopfer.

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Genau 23 Kerzen stehen in der Lathener Kirche St. Vitus zwischen den zahlreichen Trauerkränzen. Ihre Flammen sind erloschen. Sie stehen bei der zentralen Trauerfeier für die 23 Opfer der Transrapid-Katastrophe vom vergangenen Freitag. Die nahen Hinterbliebenen werden am Mittwoch vormittag von Mitarbeitern der niedersächsischen Staatskanzlei durch die Sakristei in das neugotische Gotteshaus geführt. Der Weg vorbei an den vor dem Haupteingang postierten Kameraleuten sollte ihnen erspart werden.

Ein älterer Mann muß dennoch gestützt werden, bevor er die Kirche betritt. Zuvor hatte Bundespräsident Horst Köhler ihm und den anderen Angehörigen in einem Nebengebäude der Kirche sein Beileid ausgesprochen. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) führten Trauergespräche. „Sie gingen von Tisch zu Tisch und kondolierten“, berichtet ein Sprecher der Staatskanzlei später. Laut Wulff hoffen auch die Angehörigen, daß das Unglück nicht das Ende des Transrapids bedeutet. „Auch das ist ein Signal von Lathen“, sagt der Ministerpräsident, nachdem er die Namen der Toten verlesen hatte.

Nur scheinbar perfekte Welt

Die Inschriften auf den Schleifen der Trauerkränze in der Kirche lesen sich wie das „Who ist Who“ der deutschen Hochtechnologie-Industrie. Namen wie Siemens, ThyssenKrupp, und Dornier sind vor dem Altarraum zu lesen. Alle hatten an der Entwicklung des technischen Wunderwerks Transrapid mitgewirkt. Das Unglück von Lathen, bei dem der Transrapid mit Tempo 170 in einen 60 Tonnen schweren Werkstattwagen raste, wies sie in den Schranken. „Menschliche und technische Grenzen in unserer immer perfekter erscheinenden Welt“ seien aufgezeigt worden, sagt Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode in seiner Predigt. Die evangelische Regionalbischöfin Doris Janssen-Reschke mahnt: Wenn Menschen die Zukunft planten, dürfe es nicht nur um Wirtschaftlichkeit sowie neue und bessere Technik gehen, sondern auch um die Frage, „wie wir dem gewachsen sind, was machbar ist. Denn wir können ja nicht einfach nur weitermachen wie bisher.“

Rund 600 Menschen haben sich in der St.-Vitus-Kirche versammelt. Neben dem Bundespräsidenten und seiner Ehefrau Eva Luise, Tiefensee und Wulff auch zahlreiche Politiker des niedersächsischen Landeskabinetts. Auch hochrangige Vertreter der am Transrapid beteiligten Industrieunternehmen trauerten in Lathen, darunter ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz und der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Klaus Kleinfeld. Zwischen der Prominenz und den Angehörigen sind die Uniformen vieler Feuerwehrleute und Sanitäter zu sehen, die bei der Bergung der Opfer traumatische Momente erlebten.

„Man weiß nicht, was man fühlt“

Vor der vollbesetzten Kirche nehmen noch etwa 1000 Trauergäste an dem über Lautsprecher übertragenen Gottesdienst teil. Vielen von ihnen ist anzusehen, daß sie in den vergangenen Tagen oft geweint hatten. Ein 55 Jahre alter Mann aus einem Nachbarort von Lathen sieht äußerlich gefaßt aus. „Man weiß nicht, was man fühlt“, sagt er. Dann steigen ihm doch Tränen in die Augen. Seine beiden Töchter sind Mitglied im örtlichen Karateclub. Sie haben ihren Trainer bei dem Unglück verloren. Er hatte Sportfreunden aus den Vereinigten Staaten eine Fahrt in dem superschnellen Magnetschwebezug ermöglicht. Wie seine Gäste und seine Lebensgefährtin mußte er diese Fahrt mit dem Leben bezahlen.

Ein 60 Jahre alter Nachrichtentechniker aus Oldenburg hatte erst vor drei Wochen eine Fahrt im Transrapid unternommen. „Man hat sich über die Sicherheit gar keine Gedanken gemacht“, sagt er rückblickend. Es sei vollkommen unverständlich, weshalb der Zug trotz eines Hindernisses auf der Strecke fahren durfte.

Ermittlungen werden noch Monate dauern

Diese Frage treibt nicht nur den Trauergast aus Oldenburg um. Auch die Betreiber der Strecke und die ermittelnden Staatsanwälte stellen sie immer wieder. Ob es jemals eine Antwort geben wird, ist fraglich. „Wir haben einen Riesenhaufen Arbeit vor uns“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück, Alexander Retemeyer. Die Ermittlungen werden noch Wochen, wenn nicht Monate dauern.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP, dpa
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