Home
http://www.faz.net/-gum-38ay
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Transplantation Herz von Klon-Schwein soll Menschenleben retten

04.01.2002 ·  Amerikanische Wissenschaftler hoffen, Herzen von genetisch veränderten Schweinen in Menschen implantieren zu können. Erste Forschungsergebnisse liegen vor.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Ein Durchbruch in der Transplantationsforschung rückt näher: Fast zeitgleich ist es amerikanischen und schottischen Forschern gelungen, bei geklonten Schweinen ein Gen (GGTA1) zu entfernen, das es bisher unmöglich gemacht hat, ein Schweineherz in einen Menschen zu implantieren.

Das Gen überzieht die Oberfläche der Schweinezellen mit einem Zucker, der im menschlichen Körper Abwehrreaktionen auslöst. Mit klinischen Tests können die Forscher jedoch erst beginnen, wenn sie ein zweites Gen mit ähnlichen Eigenschaften entfernt haben. "Wir müssen noch einige Modifikationen vornehmen, um das perfekte Schwein zu schaffen", sagt David Ayares, Vizepräsident der Forschungsfirma PPL.

Männlicher Nachwuchs fehlt

Die Wissenschaftler hoffen, dass sie durch Züchtung der geklonten Schweine auch das zweite störende Gen entfernen können. Das Problem dabei: Alle bislang geborenen Klon-Schweine sind weiblich. Auf männlichen Nachwuchs hoffen die Forscher in diesem Jahr. Wenn bei beiden Elternteilen ein Gen fehle, so David Ayares, bestehe eine Chance von eins zu vier, dass bei einem der Nachkommen beide Abwehr-Gene fehlen.

Die Firma PPL hofft, Ende 2005 mit klinischen Tests beginnen zu können. Dabei soll nicht nur das Herz, sondern auch Schweinenieren, -lebern und -zellen verpflanzt werden. Einen Rückschlag erlitt die Firma am Freitag: Das bekannte Schaf Dolly, das von der PPL-Wissenschaftlern 1996 geklont wurde, leidet unter Arthritis. Dolly Schöpfer Professor Ian Wilmut schließt nicht aus, dass die Krankheit auf das Klonen zurückzuführen ist. "Dass Dolly in vergleichsweise geringem Alter Arthritis hat, legt die Vermutung nahe, dass es Probleme geben könnte", sagt Wilmut.

Ergebnisse mit Vorsicht genießen

Auch deutsche Forscher warnen davor die Ergebnisse überzubewerten. Michael Schmoeckel von der Universitätsklinik München schätzt, dass frühestens in fünf Jahren mit Transplantationen begonnen werden kann. Schmoeckel betont, dass der amerikanische Forschungszweig, der versucht beide Abwehr-Gene zu entfernen, nicht der Einzige sei. Deutsche Wissenschaftler versuchen zur Zeit Wege zu finden, das Immunsystem des Menschen so zu beeinflussen, dass es implantierte Organe nicht abstößt.

Bevor die neuen Techniken jedoch beim Menschen zu Einsatz kommen, müsse anhand von Versuchen mit Primaten sichergestellt sein, dass mindestens 60 Prozent der Versuchstiere die ersten drei Monate nach der Operation überleben. Außerdem sei das Risiko einer Virusübertragung auf den Menschen noch nicht komplett ausgeschlossen, so Schmoeckel weiter. Da sich die Herzmuskelzellen von Mensch und Schwein kaum unterscheiden, gelten Schweine als die idealen Spender.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen