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„Träumen nicht verboten“ Unternehmer plant Wiedervereinigung Helgolands

10.04.2008 ·  Helgoland soll größer werden: Ein Hamburger Unternehmer will die einzige deutsche Hochseeinsel, die eine Flutwelle vor knapp 300 Jahren zweiteilte, mit einer vorgelagerten Düne verbinden - und damit auch den Tourismus ankurbeln. Der Bürgermeister hält die Vision für „von der Idee her nicht falsch“.

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Der Hamburger Unternehmer Arne Weber will Helgoland mit einer vorgelagerten Düne verbinden und so die Größe der Nordseeinsel fast verdoppeln. Mit einer in den Meeresgrund gerammten Stahlwand sowie Sandaufspülungen sollten hundert Hektar Land gewonnen und so die beiden Teile des „Hochsee-Juwels“ nach knapp 300 Jahren wieder verbunden werden, sagte ein Sprecher von Webers Unternehmen H.C. Hagemann und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Allerdings sei die Finanzierung des mit 80 Millionen Euro veranschlagten Vorhabens noch unklar. Gedacht ist nach Angaben des Unternehmenssprechers an einen „Helgoland-Fonds“.

Die einzige deutsche Hochseeinsel ist zweigeteilt, seitdem in der letzten Nacht des Jahres 1720 eine risige Flutwelle über sie hinweg schwappte. Bis heute trennt eine einen Kilometer breite Meeresstraße den Hauptteil von der vorgelagerten Düne. So sind Badegäste und Naturliebhaber, die dort das von Kegelrobben bevölkerte Naturschutzgebiet und den einzigen Südstrand der Republik besuchen wollen, auf ein Übersetzen mit der „Dünenfähre“ angewiesen. Das könnte sich, wenn es nach den Plänen Webers geht, bald ändern.

Rückgang der Besucherzahlen

Eine vorgelagerte Düne würde nicht nur die Fähre überflüssig machen - sondern nach dem Willen des Unternehmers, dessen Mutter von der Insel stammt und dessen Unternehmen heute als einzige Baufirma dort eine Niederlassung hat, den Helgoland-Tourismus insgesamt wieder ankurbeln. Auf dem gewonnen Land könnten neue Häuser und Hotels entstehen, ein Golfplatz und Liegeplätze für Kreuzfahrtschiffe. Zudem ließe sich die Landebahn des Flughafens verlängern, so dass größere Maschinen landen und der Insel neue Besucherströme bescheren könnten. Bisher können Helgoland-Gäste nur mit Kleinflugzeugen oder per Schiff anreisen. Für Helgolands Tourismusdirektor Klaus Furtmeyer ist Webers Vorhaben „ein kühner Plan“, aber schließlich sei „Träumen nicht verboten“.

Helgoland bemüht sich seit Jahren, den Rückgang der Besucherzahlen zu stoppen. Zuletzt flossen Millionen etwa in ein neues Schwimmbad - doch angesichts des schlechten Wetters und ganzer 138 „Ausfalltage“ ohne Schiffsverbindung kamen 2007 nur gut 330.000 Tagesausflügler und Urlaubsgäste, fast ein Viertel weniger als im Vorjahr. In den 70er Jahren besuchten noch mehr als 800.000 Touristen jährlich die Insel mit dem mächtigen roten Buntsandsteinfelsen, während eines Zwischenhochs nach der Wende immerhin bis zu 725.000. Die Insel sei nun dabei, sich „für die touristische Zukunft neu zu rüsten“, sagt Furtmeyer.

In größeren Dimensionen denken

Auch Bürgermeister Frank Botter (SPD) ist aufgeschlossen für Zukunftsvisionen. Die Vision sei „von der Idee her nicht falsch“, sagte er. „Ich kann mir das vorstellen. Die Natur hat uns die Düne vor rund 300 Jahren genommen. Vielleicht können wir das korrigieren. Weber habe „sich sicher etwas dabei gedacht“. Bislang habe die Insel bei der Entwicklung eines Tourismuskonzepts allenfalls über eine Brücke als Verbindung zwischen Hauptteil und Düne nachgedacht - „vielleicht muss man ruhig einmal in größeren Dimensionen denken“.

Bei der Bevölkerung, vor allem bei den älteren Bewohnern, stoßen die Pläne jedoch nach Botters erstem Eindruck auf Skepsis. Auch die Jüngeren beurteilten die Idee im ersten Moment vielfach als „aberwitzig“, sähen darin allerdings zugleich eine mögliche „gute Chance“. Die Gemeinde werde Webers Vorschlag nun eingehend prüfen und dabei unter anderem den Naturschutz zu berücksichtigen haben.

Zurückhaltung in Kiel

Das Landwirtschafts- und Umweltministerium in Kiel äußerte sich zurückhaltend. Um die Vision umzusetzen, wären vielfältige Genehmigungen erforderlich, hieß es. Dies gelte für eine Überbauung der Wasserflächen ebenso wie für die Entnahme des nötigen Sandes und vermutlich auch für einen Ausbau des Flugplatzes. Außerdem sei das Naturschutzrecht berührt.

Helgoland hat nicht zuletzt eine symbolische Bedeutung für die Bundesrepublik. Die seit 1890 zu Deutschland gehörige Insel wurde nach dem Zweiten Weltkrieg noch mehrere Jahre lang von den Briten als Bombenabwurfgebiet genutzt. Nach jahrelangen Protesten der früheren Bewohner und der Rückgabe an Deutschland 1952 begann die Wiederbesiedelung und eine laut Botter „beispiellose Wiederaufbauleistung“. Nicht zuletzt war Helgoland der Ort, an dem Heinrich Hoffmann von Fallersleben im Jahr 1841 im - damals britischen - Exil das „Lied der Deutschen“ schrieb, dessen dritte Strophe die heutige Nationalhymne ist.

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