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Tod einer Klinik : Helfen, heilen, hoffen, schließen

Mit einem modernen Herzkatheterlabor versuchten die Betreiber, das Krankenhaus profitabel zu machen. Ohne Erfolg. Nun wird der Saal geräumt. Bild: Schmitt, Tobias

Deutschen Kliniken geht es miserabel. Viele schließen. Es ist ein Abschied auf Raten. Zu Besuch in einem Krankenhaus, dessen letzte Tage gekommen sind.

          Schon der erste Eindruck während der Visite verrät, dass es dem Schwerkranken nicht gutgeht: Keine Warteschlange am Empfang, kein Arzt, der durch die Gänge eilt, kein klingelndes Telefon. Nur auf einer Station im obersten Stockwerk liegen noch sieben Patienten in ihren Betten. Der Aufenthaltsraum mit Blick über Nabburg ist leer, genauso wie die restlichen Zweibettzimmer mit Bad, Flachbildfernseher und Holzkreuz an der Wand. Der Boden blitzt blank, die gemachten Betten sind mit Folie abgedeckt. Das Krankenhaus Nabburg ist sein eigener Patient. Der Zustand seit längerem kritisch, das Haus hängt am Tropf, und heute Abend, am Ostersonntag, werden die Schläuche gezogen. Ab morgen ist die Klinik zu. Für immer.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          “Das ist ein Schlag, keine Frage“, sagt Nabburgs Bürgermeister Armin Schärtl. Vor 55 Jahren wurden er und sein Zwillingsbruder in dem damals neugebauten Krankenhaus geboren. Jahrzehntelang gehörte der vierstöckige Riegel nicht nur zum Stadtbild, er war auch eine Institution. „Brüche, Schnittwunden, Magenschmerzen - was auch war, man ging da hin“, sagt Schärtl. „Die Grundversorgung war abgedeckt.“ Doch die Zeiten änderten sich, seit vielen Jahren schon verringerte sich das Angebot der Klinik, erst schlossen Geburtshilfe und Gynäkologie, dann die Chirurgie, schließlich war noch eine Rumpfversorgung da für Notfälle und Nabburger ohne Auto.

          Die Zahl der Kliniken schrumpft

          Die Gründe für das Ende des Krankenhauses sind vielfältig. Die Schließung fügt sich in einen klaren Trend: Die Zahl der Kliniken schrumpft. 1980 gab es 3234 Kliniken in der Bundesrepublik, zehn Jahre später waren es noch 2447 in ganz Deutschland. Im kommenden Jahr werden es wohl weniger als 2000 sein. Die Zahl der Betten verringerte sich in den vergangenen 20 Jahren um rund 200 000 auf 500 000.

          Glaubt man dem Krankenhaus-experten der Union im Bundestag, Lothar Riebsamen, ist das immer noch zu viel. Ein Fünftel der Kliniken könnte schließen, ohne dass dies Auswirkung auf die Patienten hätte, sagt er. Die Strukturen seien schlicht zu teuer. Die Verweildauer hat sich stark verringert - innerhalb von 20 Jahren im Durchschnitt von zwei Wochen auf eine Woche. „Das hat mit dem medizinisch-technischen Fortschritt zu tun“, sagt Holger Mages von der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Andererseits trieben auch Budgetkürzungen, Preisbegrenzungen und steigende Personalkosten viele Krankenhäuser in den Ruin. Ein Drittel der Kliniken mache heutzutage Verlust. Tendenz steigend.

          Einst ein Symbol der Moderne und Geborgenheit

          Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr verkündete vor kurzem, eine Milliarde Euro für finanziell angeschlagene Krankenhäuser zur Verfügung zu stellen. Würde das Geld gleichmäßig verteilt, wäre das eine halbe Million für Nabburg gewesen. Doch auch die hätte das Krankenhaus wohl nicht gerettet. „Sie hätte das Leiden nur verlängert“, sagt Boris Rapp vom Betreiber Asklepios.

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