17.03.2006 · Ausgerechnet ein Service, das Dekorelemente des Biedermeier aufgreift, ist in den vergangenen Jahren wieder besonders beliebt geworden: Maria Weiss. Dabei hat sich die Form in den vergangenen fast 100 Jahren so gut wie nicht geändert.
Ausgerechnet ein Service, das Dekorelemente des Biedermeier aufgreift, ist in den vergangenen Jahren wieder besonders beliebt geworden: Maria Weiss. Dabei hat sich die Form in den vergangenen fast 100 Jahren so gut wie nicht geändert. Nur einige kleine Verbesserungen am Design wurden vorgenommen, um Maria an die heutige Geschirrspülmaschinen-Generation anzupassen. Und es gibt natürlich mittlerweile auch viele Ergänzungen, zum Beispiel Pastateller und eckige Platten, die sich für Sushi eignen. Oft erben die Enkel einige wenige Tassen und Teller von ihren Großmüttern, und sie ergänzen das Service dann, weil es ihnen so gut gefällt.
Vor einigen Jahren noch galt Maria als spießig. Inzwischen ist es eines der erfolgreichsten und zugleich bekanntesten Service, die es überhaupt gibt. Bei Rosenthal ist es das meistverkaufte innerhalb der Classic-Linie. Auffällig ist, daß sich unsere Kunden nicht mehr wie früher gleich ein komplettes zwölfteiliges Service zulegen. Sie möchten aber zu ihren neuen Tellern und Tassen auch immer gleich die passende Vase und den passenden Leuchter. Und da ist Maria unschlagbar: Es gibt wohl kaum ein Service mit mehr Spezial- und Zusatzteilen. Auch Platzteller sind seit einigen Jahren wieder sehr beliebt.
Große Kaffeebecher statt kleiner Tassen
Das spricht eigentlich dafür, daß gerne wieder mehrgängige Menüs zubereitet werden. Dafür wird der Tisch bis ins Detail richtig eingedeckt, auch mit mehreren Gläsern, denn zu jedem Gang wird ein anderer Wein serviert. Beim Frühstücksgeschirr allerdings halten sich unsere Kunden eher zurück. Weil die Familien kleiner geworden sind, reicht ein vierteiliges Service, das ruhig auch bunt zusammengewürfelt sein darf. Vor allem muß es große Kaffeebecher haben, aus Tassen trinkt man heute nur noch ungern.
Ich glaube allerdings nicht, daß die junge Generation insgesamt wieder mehr Wert auf Tischkultur legt. Viele kommen einfach zu uns, weil sie nach dem Studium die Nase voll von Ikea haben und sich endlich mal ein edles Service leisten möchten. Doch am Geld scheitert es oft genug. Wir wären froh, wenn wir noch die Umsätze hätten wie in den achtziger oder neunziger Jahren. Noch spüren wir nichts vom sogenannten Aufschwung.