Die meinen es alle gut mit ihm, sagt Uwe Dempewolf, aber er will keinen Ersatz. Schon vier Kaninchenzüchter riefen bei dem Leiter des Tierparks von Limbach-Oberfrohna an: Sie hätten auch ein ohrenloses Kaninchen und würden es ihm gern vermachen. Dempewolf aber lehnt alle Angebote ab. „Wir wollen kein Ersatztier in den Stall setzen“, sagt er. Er hätte schon gern ein bisschen Aufmerksamkeit auf seinen Tierpark gelenkt, aber nicht um jeden Preis.
Der Tierpark ist recht klein: Auf zweieinhalb Hektar leben 250 Tiere von 70 unterschiedlichen Arten. Dempewolf wurde in dieser Woche berühmt, weil das Kaninchen, mit dem er eigentlich berühmt werden wollte, kurz vor seinem Durchbruch als nationaler Tierstar von einem Kameramann totgetreten wurde. Es sollte das erste lebendige Keinohrkaninchen werden, wie in dem Film von Til Schweiger. Es sollte sogar Til heißen. Dann filmte der Kameramann im Stall und trat beim Rückwärtsgehen auf das Tier. So jedenfalls ist es Uwe Dempewolf berichtet worden, er war selbst gerade unterwegs, als es unter die Schuhe des Kameramanns geriet. Der will sich erst einmal nicht in der Öffentlichkeit äußern: Zu groß ist ihm die Aufregung um den toten Til geworden.
Keinohrkaninchen keine Seltenheit
Tatsächlich ist das Kaninchen schon das zweite Tier aus Sachsen, das mit seinem Handycap berühmt wird: Erst schaffte es das schielende Leipziger Opossum Heidi in die internationale Presse, nun wird das Kaninchen Til postum zum Liebling. Wenn Uwe Dempewolf wollte, dann könnte er die Öffentlichkeit noch etwas länger bespaßen. Er will aber nicht. Offensichtlich sind Keinohrhasen nicht so selten wie er dachte
Allein die örtliche Regionalzeitung „Freie Presse“ machte in dieser Woche zwei Züchter ausfindig. Einer von ihnen briet sein Keinohrkaninchen nach einer Kleintierschau leider schon in der Pfanne. Ein anderer, Werner Kunstmann, wunderte sich vor ein paar Tagen, „was da für einer über die Wiese hoppelte“. Wahrscheinlich habe die Mutter die Ohren abgebissen. Drei Junge seien sehr wenig für Kaninchen, sagt Kunstmann, sie wurden wohl zu kräftig im Mutterbauch und waren dann schlicht zu dick für der Geburt. Um dem Kleinen zu helfen, habe die Mutter an den Ohren gebissen. So jedenfalls erklärt er sich das Handycap seines Tieres.
Journalisten wollen es sehen
Kunstmann kennt sich aus mit Kaninchen, sein Sohn wurde im vergangenen Jahr zum besten Züchter Deutschlands gekürt. Er überzeugte die Jury damals mit einem weißen Schlappohrkaninchen. In seiner Kaninchenzüchterkarriere ist aber auch Kunstmann noch nie ein Tier ohne Ohren unter- und auch nicht unter die Schuhe gekommen.
Als Wurst oder Braten soll der „Blaue Wiener“, wie die Rasse heißt, vorerst nicht enden. Vielleicht werde er auch verkauft. 40 bis 50 Euro koste so ein Rassekaninchen normalerweise. Doch ob er diesen Preis auch für sein Keinohrkaninchen bekommt? Kunstmann weiß es nicht. Der Tierpark in Limbach-Oberfrohna jedenfalls möchte es nicht haben, nur Journalisten rufen ständig bei ihm an: Sie wollen berichten, sie wollen es sehen. Vielleicht wollen das bald noch mehr. Kunstmann wiegelt ab, er will erst einmal mit der Familie reden: Vielleicht möchten die Enkel das Tier behalten.
Einen Termin aber hat das Keinohrkaninchen schon. An Ostern wird es zum ersten Mal ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt: Dann können es die Kinder im örtlichen Kindergarten angucken und streicheln.
... Telefonmütze?
Klaus Mueller (Jeeves3)
- 17.03.2012, 13:00 Uhr
Hier stimmt was nicht
Ronny Schaffer (RonSchaffer)
- 17.03.2012, 11:23 Uhr