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Typologie am See : Zeig mir dein Floaty und ich sag dir, wer du bist

Wenn das Gummi-Einhorn doch nur von allein ins Wasser galoppieren könnte. Bild: dpa

Gefühlt sind im See mehr aufblasbare Tiere als Menschen. Ob Einhorn oder Flamingo, Donut-Schwimmreifen oder Kack-Emoji: Was sagen die „Floaties“ eigentlich über ihre Besitzer aus?

          Als ganz normaler Schwimmer hat man es diesen Sommer schwer. Aufblasbare Gummitiere und riesige Schwimmreifen haben die Herrschaft über die Seen übernommen, man kann kaum noch erkennen, welche Farbe das Wasser hat. Beim Schwimmen, was ohnehin nur noch im Slalom möglich ist, stößt einem permanent eines der Tiere gegen den Kopf, weil die Besitzer „sich einfach mal entspannt treiben lassen wollen“. Wer ein Stück taucht, muss befürchten, nie wieder eine freie Fläche zum Auftauchen zu finden – die Gummiviecher sind überall.

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Früher waren die aufblasbaren Tiere und Schwimmreifen was für Kinder. Heute schleppt jeder 30-Jährige, der etwas auf sich hält, einen Flamingo oder ein Einhorn mit an den See, um dann auf dem Wasser den billigen Prosecco aus der Dose zu saufen. Einfach nur ein Radler auf der Picknickdecke im Schatten zu trinken, sieht auf Instagram nämlich nicht mal halb so gut aus. Dass am Ende des Tages die Hälfte der Dinger mit Löchern im Müll landet, fotografiert übrigens niemand.

          Unterscheiden lassen sich die „Floaty“-Anhänger höchstens durch die Form ihres mitgebrachten Gummigetiers. Zeit für eine kleine Typologie:

          Das Einhorn

          Wenn das Gummi-Einhorn doch nur von allein ins Wasser galoppieren könnte.

          Dem Einhorn wurde von Trendexperten in diesem Jahr der Tod vorausgesagt. Doch das ist dir egal. Du LIEBST Glitzer, und genauso schreibst du das auch auf Instagram: in Großbuchstaben, am besten noch mit Sternchen und dem Einhorn-Emoji hintendran. Du duschst mit Einhorn-Duschbad und trägst einen Einhorn-Pyjama. Den würdest du auch im Büro anziehen, aber dafür hat deine Chefin dann doch kein Verständnis. Also versteckst du deine Vorliebe hinter ironischen Hipster-Klamotten und flüchtest dich hinterm Rechner in eskapistische Tagträume vom Wochenende am See. Denn dort ist das alles egal, dort kannst du mit dem aufblasbaren Rieseneinhorn unterm Arm über den Strand galoppieren und von einer Zeit träumen, in der es noch keine Probleme im Leben gab, in der mit Wünschen alles zu lösen war und in der niemand sagte, was du wann zu tun hast.

          Der Kack-Emoji

          Der Emoji selbst ist ja schon, nun ja, Geschmackssache. Aber auf überdimensionierten Gummifäkalien dann auch noch über den Badesee zu schwimmen? Dafür braucht es schon einiges an Selbstironie, und die hast du natürlich. Mit dem Emoji versteht das dann auch jeder sofort. Einhörner und Flamingos? Die sind doch was für eitle Selbstdarsteller. Du bist lässig, witzig, und auffallend unauffällig. Blöd nur, dass Model-Mama Heidi Klum auch einen hat. 

          Der Flamingo

          Belastungstest für einen schwimmenden Flamingo in Ulm

          Du hattest Sehnsucht nach Wärme und Meer, als du deinen Flamingo im Februar geordert hast. Da konnte ja noch niemand ahnen, was das für ein Sommer werden würde. Und nun hast du den großen pinkfarbenen Plastikvogel eben am Hals – und obendrein scheint sich jeder Fünfte an diesem Strand im Februar wohl dasselbe gedacht zu haben. Da dir aber nicht nur die pinke Sommerfarbe gefiel, sondern der Vogel dir auch aufgrund seines stolzen Ganges imponierte, paddelst du nun erhobenen Hauptes auf dem Rücken deines Flamingos durchs Wasser, mit dem ruhigen Gewissen, dass der auch voll gut zu deinen Ananas-Shorts und dem Palmenprint deiner Handyhülle passt.  

          Das Krokodil

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