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Wuppertal : Als Elefantenkuh Tuffi aus der Schwebebahn sprang

Weil die mitgereisten Reporter vor lauter Schreck kein Foto machten, erinnern nur noch Montagen an den Wuppertaler Fenstersturz. Bild: Ullstein

Vor 65 Jahren begab sich in Wuppertal ein denkwürdiges Ereignis: Ein Elefant durchbrach die Wand der berühmten Schwebebahn und landete in der Wupper.

          Für was, wenn nicht für die Schwebebahn, ist Wuppertal in der Welt berühmt? Die 114 Jahre alte Einschienenhängebahn steht als Pionierleistung der Ingenieurskunst neben dem Eiffelturm. Einmalig, ja atemraubend ist sie bis heute. Wie gewaltige Spinnenbeine spannen sich die Stützen ihrer Trägerschienen über die Wupper. Unbeschwert, überlegen, enthoben sausen ihre Kabinen durch Wuppertal. Die Bewohner der bergischen Stadt lieben ihre Schwebebahn, die immer als sicheres Verkehrsmittel galt. Nur einen großen Unfall gab es bislang: Am Morgen des 12. April 1999 sprangen zwei vollbesetzte Waggons des ersten Zugs des Tages aus den Führungsschienen und stürzten in die Wupper. Fünf Passagiere kamen ums Leben, 45 wurden verletzt.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          An einen glimpflicheren Sturz in den Fluss erinnerten sich die Wuppertaler am Dienstag. Um für seinen Zirkus zu werben, ließ Franz Althoff am 21. Juli 1950 das Elefantenweibchen Tuffi mit der Schwebebahn fahren. Althoff machte regelmäßig mit Tuffi Zirkusmarketing. In Oberhausen war der Zirkusdirektor mit dem Elefanten wenige Tage zuvor in der Straßenbahn bis zum Rathaus gefahren. Dort kam es nur zu harmlosen bis unterhaltsamen Zwischenfällen – der Elefant ließ sich eine Zimmerpflanze sowie zum Nachtisch einen Blumenstrauß schmecken und urinierte auf die Auslegeware.

          Tuffi wurde es zu viel

          In der Wuppertaler Schwebebahn wurde der sonst so ausgeglichenen Tuffi vor 65 Jahren vermutlich das Gedränge in der mit Reportern und Fotografen überfüllten Gondel zu viel. Nach nicht einmal zwei Minuten Fahrt durchbrach sie die Wand des Schwebebahnwagens und stürzte zehn Meter tief in die Wupper. Das Tier blieb fast unverletzt, weil es zum Glück an einer schlammigen Stelle aufgeschlagen war.

          Vor lauter Schreck vergaßen die Fotografen Bilder von Tuffis Absturz zu machen. In Wuppertal behalf man sich auf den Ansichtskarten mit Fotomontagen. An der Unglückstelle selbst erinnert auf einer Wand ein Elefant an das Ereignis vor 65 Jahren. Tuffi verendete im Jahr 1989 im Alter von 43 Jahren in der Obhut eines anderen Zirkus. Aber in Wuppertal lebt sie auf Tassen, Seifen und Vesperbrettchen weiter. Sogar als Daumenkino gibt’s die Geschichte vom Elefantensturz.

          Und Tuffi-Bilderbücher liegen mittlerweile auch in chinesischer Ausgabe vor. Denn immer mehr Touristen aus China kommen nach Wuppertal – allerdings weniger wegen der Schwebebahn und der taumelnden Elefantin, sondern vor allem wegen Friedrich Engels, dem kommunistischen Revolutionär, der 1820 an der Wupper zur Welt kam.

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