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Raubtier in Gefahr : Der Leopard macht sich rar

Schon bisher ein seltenes Fotomotiv: Ein Leopard am Soutansberg in Südafrika Bild: AFP

Wissenschaftler in Südafrika warnen vor einem schnellen Schwund der scheuen Wildkatzen. Doch wieso sind sie so gefährdet? Nicht nur Hobby-Jäger haben es auf die Tiere abgesehen.

          Er versteckt sich hoch in den Bäumen, ist meist nachts und allein unterwegs: Wenn Touristen auf einer Safari in Afrika einen Leoparden erspähen, können sie ihr Glück oft kaum fassen. Unter den berühmten „Big Five“ genannten Wildtieren in Afrika (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard) ist die gefleckte Katze am schwierigsten aufzustöbern.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Wie Wissenschaftler in einer Studie der britischen Durham-Universität jetzt herausgefunden haben, könnten solche Erlebnisse bald noch seltener werden. Die Zahl der Leoparden schrumpft demnach rasant. Am Soutpansberg im Nordosten Südafrikas, einem normalerweise relativ dicht mit Leoparden bevölkerten Gebiet, habe sich die Population innerhalb von knapp zehn Jahren um zwei Drittel verringert, berichten sie in dem Magazin „Royal Society Open Science“. „Wenn sich nichts ändert, könnten Leoparden bis 2020 ganz aus der Gegend verschwunden sein“, prophezeit Sam Williams, der Leiter des Forscherteams in Südafrika.

          Großwildjagd als Wirtschaftszweig

          Die Wissenschaftler hatten vier Dutzend Kameras mit Bewegungsmeldern an verschiedenen Orten in den Bergen aufgestellt und die Region über vier Jahre hinweg beobachtet. In dieser Zeit fanden sie 16 ausgewachsene männliche, 28 weibliche und 21 jüngere Katzen. Die Verbreitung der Tiere sei im Verlauf der Studie um 44 Prozent zurückgegangen, gegenüber 2008 sogar um 66Prozent, hieß es. Außerdem statteten die Wissenschaftler acht Leoparden mit Peilsendern aus. Von ihnen überlebten nur zwei. Drei verfingen sich in Fallen, einer wurde von einem Bauern erschossen, als er Vieh reißen wollte, und zwei verschwanden.

          Weil Leoparden so schwer zu entdecken sind, ist auch ihre Erforschung extrem schwer. Die Wissenschaftler setzen Spezialkameras ein, können damit aber keine riesigen Flächen überwachen. Das ist auch der Grund, weshalb keine verlässlichen Statistiken vorliegen. Wegen der Ungewissheit hat die südafrikanische Regierung im vergangenen Jahr vorsorglich die Leoparden-Jagd für eine begrenzte Zeit verboten. Die Weltnaturschutzunion stuft die Wildkatzen als gefährdet ein. Wenn bessere Daten vorliegen, könnte die Jagd wieder freigegeben werden.

          Auch das GPS-Halsband konnte diese südafrikanische Raubkatze nicht vor dem Tod retten.
          Auch das GPS-Halsband konnte diese südafrikanische Raubkatze nicht vor dem Tod retten. : Bild: AFP

          Tierschutzorganisationen in Südafrika feierten das Verbot als Erfolg. Die Großwildjagd in Afrika ist schwer in Verruf geraten, nachdem ein Amerikaner vor ein paar Jahren Cecil, einen berühmten Löwen in Zimbabwe, getötet und dadurch international Empörung hervorgerufen hatte. Andererseits ist die Branche ein wichtiger Wirtschaftszweig in Südafrika, der jedes Jahr Einnahmen von Hunderten Millionen Euro einbringt. Jäger argumentieren, dass die Tiere in privaten Wildparks gejagt werden und die Bestände nicht gefährdet seien, wenn man sich an die Regeln und Quoten halte.

          „Ein immenser Verlust für Fauna und menschliche Kultur“

          Doch nicht nur Hobby-Großwildjäger haben es auf Leoparden abgesehen. In einigen afrikanischen Stämmen – beispielsweise bei den südafrikanischen Zulus – gelten Leopardenfelle als Statussymbol. Früher wurden sie nur von den Stammesführern getragen, jetzt tauchen sie auf Festen oder religiösen Zeremonien auch bei anderen Mitgliedern auf. Das kurbelt die Nachfrage nach den Fellen an.

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          Wie allen Wildtieren in Afrika macht der Mensch dem Leoparden auch den Lebensraum zunehmend streitig. Früher streiften Leoparden auf dem ganzen Kontinent und in Asien durch Savannen und Regenwälder. Heute sind sie zur Rarität geworden. Die meisten finden sich in Afrika noch südlich der Sahara.

          Die Forschungsergebnisse in den Soutpansbergen haben zumindest schon geholfen, Geld zu sammeln, um die örtliche Bevölkerung mit Kampagnen auf die prekäre Lage der Leoparden aufmerksam zu machen. Über Hunderte Jahre hinweg galten sie als Schädlinge, weil sie Vieh rissen. Diese Sicht hält sich bei vielen Bauern bis heute. Doch statt die Tiere zu erschießen, könnten sie auch Wachhunde einsetzen, sagt Williams. Man müsse alles unternehmen, um ein Aussterben dieser Spezies zu verhindern. „Es wäre ein immenser Verlust für die Fauna und für die menschliche Kultur.“

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