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Veröffentlicht: 13.04.2017, 08:04 Uhr

Elefantin im Zoo von Caracas Die Letzte ihrer Art

Im Zoo von Caracas ist Elefantin Ruperta völlig abgemagert. Nach einer Welle der Empörung mischt sich Präsident Maduro ein. Die meisten Venezolaner haben nicht so viel Glück.

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© dpa Die abgemagerte Elefantin Ruperta aus dem Zoo in Venezuelas Hauptstadt Caracas.

Ruperta ist die Veteranin schlechthin. Sie war schon dabei, als der Zoologische Garten Caricuao im Südwesten von Caracas am 31.Juli 1977 mit großem Pomp und im Beisein von Präsident Carlos Andrés Pérez eröffnet wurde. Damals war der Afrikanische Elefant noch ein Kind, gerade einmal sieben Jahre alt. Und neben Ruperta gab es viele weitere Attraktionen für die Kinder und Liebhaber exotischer Tiere: die Giraffe Napoleón etwa oder Margarita, Rupertas beste Freundin im Elefantengehege.

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Sie sind alle nicht mehr. Napoleón verendete 1999, vermutlich an Altersschwäche. 2006 stürzte Margarita, brach sich das linke Hinterbein und starb nach einem Herzinfarkt. Weitere Lieblinge der Zoobesucher ereilte das Schicksal gleichfalls unglücklich. Das Nilpferd Safari verschlang im Dezember 2014 einen Gummiball, den offenbar ein Besucher in das Gehege geworfen hatte. Veterinäre sind der Ansicht, mit einem raschen medizinischen Eingriff hätte man Safari retten können. Der Tapir Marcia ging im Februar 2015 an einem Darmverschluss ein. Im Februar dieses Jahres verendete ein Puma, der in einem Kampf mit einem Artgenossen schwer verletzt worden war, nachdem man ihm ein Betäubungsmittel mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum verabreicht hatte.

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Die Todesfälle sind auch Folgen der allgemeinen Vernachlässigung im Zoo von Caracas. Hinzu kommt die Dürre. Das 630 Hektar große Gelände des Zoos von Caracas ist vertrocknet, das Gras ist braun, die Bäume sind entlaubt. Seit drei Jahren steckt Venezuela, einst das reichste Land Lateinamerikas, in einer katastrophalen Wirtschafts- und Versorgungskrise. Den Tieren im Zoo geht es auch nicht besser als den Menschen draußen, die vor den staatlichen Supermärkten stundenlang nach Nahrungsmitteln anstehen müssen. In diesem Jahr wird mit einer vierstelligen Inflationsquote gerechnet.

45838758 © dpa Vergrößern Alex Fergusson, Biologe und Professor an der Universität Central in Caracas: Er sieht klare Hinweise auf eine eklatante Mangelernährung bei der Elefantin „Ruperta“.

Auch der Veteranin Ruperta, inzwischen 47 Jahre alt, geht es nicht gut. Fotos der ausgemergelten Elefantenkuh, die apathisch in ihrem Gehege stand, erregten jüngst in den sozialen Netzwerken Aufsehen. Paris Jackson, die Tochter des verstorbenen Popstars Michael Jackson, forderte Hilfe für Ruperta: „Das ist unmenschlich“, schrieb sie im Kurznachrichtendienst Twitter.

Ruperta braucht täglich bis zu 70 Kilogramm Futter

Für Veterinäre sind die Folgen der Mangelernährung unübersehbar. Geschätzte zwei Tonnen Gewicht hat Ruperta verloren. Von besorgten Bürgern gesammelte Lebensmittel für die letzte Elefantenkuh von Caracas wies der Zoo zurück: Futter unbekannter und ungeprüfter Herkunft könne man den Tieren des Zoos grundsätzlich nicht zum Fressen geben, hieß es. Um gesund zu bleiben, braucht Ruperta täglich bis zu 70 Kilogramm Futter, bestehend aus Kürbis und Papaya, Obst und Heu oder Gras. Im vergangenen Jahr sollen 50 Tiere im Zoo von Caracas verhungert sein.

 
In Venezuela kümmert sich Maduro nun um eine Elefantin, seine Landsmenschen sind dagegen weiter auf Diät.

Sogar Präsident Nicolás Maduro hat sich jetzt der „Affäre Ruperta“ in seiner wöchentlich im Staatsfernsehen ausgestrahlten Propagandashow angenommen. Er wies Berichte über die Unterernährung von Ruperta als „Märchen und Show“ der sozialen Netzwerke zurück, mit welchen einzig das Ziel verfolgt werde, das venezolanische Volk und die Kinder von Caracas zu demoralisieren. „Unsere liebe Elefantin Ruperta ist eben in einem fortgeschrittenen Alter“, sagte er. Diese Einschätzung wiesen Veterinäre zurück. Elefanten könnten 80 Jahre alt werden. Mit ihren 47 Jahren sei Ruperta noch viel zu jung, um dürr wie eine Elefantengreisin zu sein.

45838762 © dpa Vergrößern Auch dieser Affe sieht abgemagert aus.

Offenbar wird Ruperta nun wieder besser gefüttert. Zwei Biologen wurden eigens dafür abgestellt, sie aufzupäppeln. Dies sei auf Geheiß des Präsidentenpalasts geschehen, wird in Caracas gemunkelt. Jedenfalls stand Ruperta zuletzt wieder besser auf den noch immer wackeligen Beinen.

So viel Glück haben die meisten Venezolaner nicht. Sie sind weiter auf der sogenannten „Maduro-Diät“. Nach einer Umfrage der drei wichtigsten Universitäten des Landes haben drei Viertel der Venezolaner im vergangenen Jahr mindestens acht Kilogramm an Gewicht verloren. In diesem Jahr hat sich die Versorgungslage abermals verschlechtert.

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