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Tierschutz : Fische dürfen Hornhaut wegknabbern

Es darf weiter genagt werden. Bild: dpa

Unter gewissen Auflagen dürfen die kleinen Fische aus der Türkei fröhlich weiter knabbern. Einen Verstoß gegen geltendes Recht sieht das Freiburger Verwaltungsgericht nicht.

          Kangalfische in Kosmetik-Studios zum Abknabbern von Fußhornhaut einzusetzen verstößt nicht gegen das Tierschutzgesetz und auch nicht gegen den im Grundgesetz verankerten Gedanken der Mitgeschöpflichkeit (Artikel 20a). Zu dieser Auffassung ist das Verwaltungsgericht Freiburg gelangt. In zahlreichen Städten werden die aus der Region Kangal in der Türkei stammenden „Knabberfische“ eingesetzt, damit sie Kunden die Hornhaut an den Füßen wegfressen. Das Landratsamt Lörrach in Südbaden hatte sich geweigert, einer Betreiberin eines Wellness-Studios die Genehmigung für diese kosmetische Dienstleistung zu erteilen. Die Fische im „Hornhaut-Business“ einzusetzen, so das Landratsamt, sei für die Tiere zu stressig, die Fische würden die Füße der Kunden als „Dauerbedrohung“ eines potentiellen Fressfeindes wahrnehmen.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Die Wasserqualität in den Fußbecken sei durch Seifenreste, Parfümrückstände, Schweiß- und Talgpartikel stark gemindert. Zudem würden die Fische für kosmetische Luxusbedürfnisse missbraucht und „chronisch“ unter Stress gesetzt; Hornhaut an den Füßen lasse sich zum Beispiel auch durch Bimssteine entfernen.

          Die Freiburger Verwaltungsrichter kamen zu einer anderen Auffassung: Es sei zulässig, die Fische als lebendige Hautreiniger einzusetzen, wenn auf die Wasserqualität sowie den Sauerstoffgehalt der Bassins geachtet werde. Ferner sei es möglich, den Fischen Rückzugsräume einzurichten, und zur Minderung des Arbeitsstresses könne man den Fischen Ruhezeiten zugestehen.

          Unbenanntes Dokument

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          Weil den Fischen ein artfremdes Verhalten nicht antrainiert, sondern lediglich ihr natürliches Verhalten ausgenutzt werde, könne keine Rede davon sein, dass ihre Mitgeschöpflichkeit missachtet werde. Das Urteil ist rechtskräftig, weil das Landratsamt auf eine Berufung verzichtet hat. (4K1758/16-)

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