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Seltener Vogel auf Helgoland : Er ist wieder da

  • -Aktualisiert am

Der Schwarzbrauenalbatros ist auf Helgoland gelandet. Bild: Jochen Dierschke

Seit zwei Wochen haben Vogelkundler auf diese Nachricht gewartet. Jetzt hat sich der erwartete Schwarzbrauenalbatros endlich wieder auf Helgoland blicken lassen.

          Den ersehnten Anruf eines Inselfotografen erhielt der Helgoländer Biologe Jochen Dierschke am Wochenende beim Frühstück. Ein seltener Schwarzbrauenalbatros habe es sich am Lummenfelsen bequem gemacht! Sofort brachen Dierschke und ein Kollege von der Vogelwarte Helgoland zu den Vogelklippen auf. Auch viele Vogelbeobachter mit Kameras und Stativen kamen. Seit knapp zwei Wochen hatten die Vogelkundler auf diese Nachricht gewartet. Zuvor war der Albatros schon zweimal vor der französischen Atlantikinsel Noirmoutier auf dem Weg in Richtung Nordsee beobachtet worden.

          Als die Forscher an den Klippen eintrafen, hatte sich das imposante Tier mit dem grauweißen Gefieder und einer Flügelspannweite von 2,40 Metern schon neben brütenden Basstölpeln, Dreizehenmöwen und Trottellummen auf den Felsen aus Buntsandstein niedergelassen. „Von dem Trubel hat er sich gar nicht beeindrucken lassen“, sagt Jochen Dierschke. „Er sonnte sich, reinigte sein Gefieder und nahm ab und zu ein Bad.“

          Außerdem suchte er die Nähe zur Basstölpel-Kolonie, „was allerdings nicht gerade auf Gegenliebe stößt“. Die Basstölpel piekten hin und wieder nach dem Gast, wenn er sich ihren Brutplätzen näherte, sagt Dierschke. Für den Biologen ist der Besuch des Schwarzbrauenalbatros ein besonderes Ereignis. Das Tier ist auf der Nordhalbkugel ein Irrflieger und eigentlich in südlichen Breiten beheimatet, beliebte Brutplätze sind die Falklandinseln oder die Campbell-Insel vor Neuseeland. „In den vergangenen 30 Jahren gab es nur rund 122 Sichtungen dieser Art in Europa“, sagt Dierschke.

          Vogelbeobachter sollten eine Woche bleiben

          Der Helgoländer Albatros hält der Insel nun schon seit drei Jahren die Treue. Dierschke vermutet, dass ihn die zahlreichen Klippen, die isolierte Lage der Insel in der Deutschen Bucht und die vielen Vogelkolonien anlocken. Helgoland sei mit mehr als 420 Vogelarten, von der Aztekenmöwe bis zum Zwergschwan, einer der artenreichsten Orte in Europa. „Im vergangenen Jahr blieb der Schwarzbrauenalbatros sogar von Ende April bis Mitte Juli – allerdings immer mit Unterbrechung.“

          Nach seinen Ruhepausen auf den Felsen zog es den Vogel immer wieder für einige Zeit zur Nahrungssuche aufs offene Meer hinaus. Schwarzbrauenalbatrosse halten sich nur zur Brut längere Zeit am Boden auf. Sonst gleiten sie über die Meere – und stellen dabei Rekorde auf: Zehn Stunden lang können die Vögel eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 120 Kilometern je Stunde konstant aufrechterhalten.

          So war es für die Ornithologen dann auch nicht verwunderlich, dass der Stammplatz des Vogels schon etwas später wieder verwaist war. „Die Besuche und ihre Dauer lassen sich nicht vorhersagen.“ Doch Dierschke ist optimistisch: „Der kommt in den nächsten Tagen wieder, das hat die Erfahrung der vergangenen Besuche gezeigt.“

          Vogelbeobachter, die sich jetzt erst auf den Weg zur Insel machten, sollten am besten eine Woche Aufenthalt auf Helgoland einplanen, rät der Vogelforscher. „Dann sind die Chancen größer, ihn noch mal zu Gesicht zu bekommen.“ Und falls das in diesem Jahr doch nicht mehr klappen sollte, hat Jochen Dierschke einen Trost: „Es gibt Albatrosse, die 40 Jahre lang an denselben Ort zurückkehren. Es wird gewiss nicht sein letzter Besuch bei uns gewesen sein.“

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