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Veröffentlicht: 13.04.2017, 14:00 Uhr

Italien streitet über Lämmer „Rette zu Ostern einen Schäfer, iss ein Lamm“

Silvio Berlusconi hat kurz vor Ostern fünf Lämmer adoptiert und ist dafür im Video einer Tierschutzorganisation aufgetreten. Das Lämmerkuscheln sahen nicht alle Politiker gern. Nun diskutiert Italien über den Osterbraten.

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© Reuters Silvio Berlusconi ist unter die Tierschützer gegangen.

Alles begann mal wieder mit Silvio Berlusconi. Italiens ehemaliger Ministerpräsident hatte sich im Video einer Tierschutzorganisation gegen das Schlachten von Osterlämmchen eingesetzt. In idyllischem Grün füttert er ein Lämmchen mit der Flasche und streichelt es. Auch seine Partnerin Francesca Pascale herzt ein Lamm. Darunter steht das Motto: „Zu Ostern, entscheide dich für das Leben.“ Das nahm Berlusconi so ernst, dass er gleich fünf Lämmchen adoptierte. Das berichtete die Organisation „Lega Italiana per la Difesa degli Animali e dell'Ambiente“. Das Video verbreitete sich im Netz und machte das Osterlamm zum Politikum in Italien.

Maria Wiesner Folgen:

Der italienische Industrie- und Handelsverband für Fleisch und Tierzucht „Assocarni“ erklärte, es sei „unglaublich“, dass ausgerechnet der Unternehmer Berlusconi dazu beitrage, der Fleischindustrie zu schaden, um sich an tierfreundliche Wähler heranzuwerfen. „Für eine Hand voll Wählerstimmen spuckt man in den Teller, von dem man isst.“ Die rechtsextreme Partei Lega Nord kritisierte, dass Berlusconi mit einer „pseudo-veganen Kampagne“ einer so wichtigen Branche Schaden zufüge. Und der rechte Politiker Gianni Alemanno postete auf seinem Facebook-Account gar einen Aufruf zum Lamm-Essen: „Als ehemaliger Landwirtschaftsminister und Mann, der sich der Tradition verpflichtet fühlt, bin ich auf der Seite der Schäfer. Zu Ostern wird es auf meinem Tisch Lamm geben, so wie bei vielen Italienern.“ Dazu stellte Alemanno ein Bild mit der Aufschrift: „Rette zu Ostern einen Schäfer, iss ein Lamm.“

45852348 © Reuters Vergrößern Alles nur für die Wählerstimmen? Berlusconis Lämmer-Liebe wird von Italiens Politikern angezweifelt.

Auch der ehemalige Ministerpräsident Matteo Renzi verkündete, dass er zu Ostern Lamm essen werde, denn es sei eine Familientradition. „Wenn jemand Vegetarier oder Veganer ist, muss man das respektieren. Aber man darf diese persönliche Entscheidung nicht instrumentalisieren. Ich werde niemals eine solche Kampagne machen“, sagte Renzi laut der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera. 

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Parlamentspräsidentin Laura Boldrini positionierte sich klar gegen Renzis Statement: „Jeder kann machen, was er will, wir sind eine Demokratie. Ich denke jedoch, dass der Respekt vor Traditionen nicht dazu verpflichtet, andere Lebewesen zu töten. Ich habe noch nie Lamm gegessen und bin dennoch keine Vegetarierin.“ Boldrini, die als Kandidatin der linksgerichteten ökologischen Partei „Sinistra Ecologia Libertà“ 2013 in die italienische Abgeordnetenkammer gewählt wurde, hatte am Mittwoch die Tierschutzorganisation im Parlament empfangen. Die brachte auch zwei Lämmchen mit, welche Boldrini umgehend adoptierte. Im Gegensatz zu denen von Berlusconi seien ihre Lämmchen Gaia und Gioia jedoch nicht vorab gecastet worden, so Boldrini.

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