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Nachwuchs im Delfinarium : Ist das noch Flipper?

  • -Aktualisiert am

Glücklich oder nicht? Die beiden verbliebenen Delfinarien in Deutschland werden von Kritikern scharf angegriffen. Bild: Philip Lisowski

Das in Nürnberg geborene Delfinkalb Nami wird gehegt und gepflegt – und überlebt. Trotzdem sind Tierschützer weiter dagegen, Tiere in Gefangenschaft zu halten.

          Mittlerweile kann Daniel Zieger wieder gut schlafen. Abends verlässt er die Delfinlagune im Nürnberger Tierpark entspannt. Und morgens, wenn er aufwacht, weiß er, dass er auch an diesem Tag keine Angst mehr um Nami haben muss. Zieger ist seit fast 20 Jahren Tierpfleger im Delfinarium. Seit 1998 überlebte kein Delfinkalb mehr – bis im November Nami auf die Welt kam.

          Daniel Ziegers lange schwarze Haare und sein Bart werden langsam grau, vielleicht auch deshalb, weil ihm die sieben toten Delfinbabys in den vergangen Jahren zugesetzt haben. Nicht weil er sich Fehler vorzuwerfen hat, sondern weil ihm die Tiere wichtig sind. Und weil er und seine Kollegen immer wieder von Tierschützern angefeindet werden.

          Die beiden verbliebenen Delfinarien in Deutschland, im Duisburger Zoo und in Nürnberg, sehen sich steter Kritik ausgesetzt: Sie schadeten den Delfinen massiv und stopften sie systematisch mit Medikamenten voll. Manche Tierschützer wollten sogar am Neugeborenen Nami ihre These festmachen, dass die Zeit der Delfinarien nun endgültig vorbei sei.

          Mittlerweile wiegt Nami 50 Kilogramm

          Wie es aussieht, hat Nami es aber geschafft. Zumindest dem Vorwurf, dass Zucht in Gefangenschaft nicht möglich sei, kann der Tiergarten jetzt etwas entgegenhalten. Ziegers Chef Dag Encke, der Direktor des Nürnberger Tiergartens, hat manchmal das Gefühl, dass die Kritiker umso lauter werden, je besser der Zoo die Bedingungen für die Delfine gestaltet.

          Mit 31 Millionen Euro wurden statt nur einem gleich mehrere Becken in dem Delfinarium angelegt. Alles wurde modernisiert und für eine erfolgreiche Zucht ausgerüstet. Dazu gehört zum Beispiel ein Boden in einem der Becken, der nach oben gefahren werden kann, sodass neugeborene Tiere untersucht werden und trotzdem im Wasser bleiben können. Vielleicht ist gerade diese Vorrichtung der Grund dafür, dass es Nami geschafft hat und die Kälber in den Jahren zuvor nicht.

          Auf gutem Weg zum großen Delfin: Nami schaut in einem Becken des Nürnberger Delfinariums seiner Mutter beim Ballspiel zu.
          Auf gutem Weg zum großen Delfin: Nami schaut in einem Becken des Nürnberger Delfinariums seiner Mutter beim Ballspiel zu. : Bild: Philip Lisowski

          Mittlerweile wiegt Nami gut 50 Kilogramm, 40 Kilogramm mehr als bei der Geburt. Er entwickelt sich gut. Die Eingewöhnung in die Gruppe der Delfine läuft nach Plan. Jeden Nachmittag wird Nami in einem Innenbecken kleinen Zoobesuchern in dicken Jacken und Mützen vorgeführt. Nami huscht dann mit ihrer Mutter Sunny von einem Ende des Beckens zum anderen. Ein Pfleger erzählt derweil etwas darüber, dass Delfine über die Fische, die sie fressen, Wasser zu sich nehmen. Oder dass immer nur eine Gehirnhälfte schläft und die andere wach ist und darauf aufpasst, dass regelmäßig aufgetaucht wird zum Atmen. Kurz: leichte Aufklärung über das Tier Delfin.

          Absurder Kampf der Gleichgesinnten

          Wenig später, bei der eigentlich Delfin-Show in einem der Außenbecken, gehen die Erklärungen weiter, mit Aufrufen zum Tierschutz: „Esst keinen Thunfisch mehr, beim Fang sterben auch immer Delfine“, sagt einer der Pfleger über ein Mikrofon zu den etwa 30 Interessierten, die sich eingefunden haben.

          Genau diese Aufklärung fehle aber eigentlich in Delfinarien, bemängelt die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS mit ihrem Deutschlandsitz in München. Sie versucht anhand der offiziellen EU-Richtlinie zur Zoohaltung zu zeigen, dass sich Delfinarien nicht an diese Vorgaben halten. In einem Bericht aus dem Jahr 2011 heißt es dazu etwa, in kaum einer Delfinshow werde über den Lebensraum der Delfine berichtet, dass Delfine Säugetiere seien oder wie es um den Erhalt der Art in der Natur aussehe.

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