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Kälte im Zoo : Wenn Elefanten Husten bekommen

Asiatische Elefantenkuh im Tierpark Hellabrunn: „Elefanten lieben den Schnee, obwohl sie aus Gegenden kommen, in denen es keinen gibt.“ Bild: Jan Roeder

Für Zootiere und ihre Pfleger ist dieser Winter kein Vergnügen. Eine Mitarbeiterin des Münchener Tierparks berichtet im Interview, für wen die Rekordkälte besonders hart ist.

          Frau Waldinger, Sie sind als Tierpflegerin für die Hälfte des Tierparks Hellabrunn in München verantwortlich. In der Nacht zum Dienstag war es bei Ihnen bis zu minus 18 Grad kalt. Welche Tiere leiden darunter am meisten?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Für alle Tiere aus den Tropen ist das hart, egal ob sie aus Afrika oder Asien kommen. Ein Löwe, der hier aufwächst, akklimatisiert sich zwar schon ein bisschen. Aber selbst wenn er noch nie in Afrika war, ist er auf solch eine extreme Kälte nicht eingestellt. Unsere Löwen dürfen deswegen auch nur für ein Stündchen in den Außenbereich, um sich die Beine zu vertreten – damit sie sich nicht erkälten.

          Welche Gefahren gibt es noch?

          Wir haben so einen gefährlich kalten Ostwind, dass man auch aufpassen muss, dass sich die Tiere keine Erfrierungen zuziehen. Elefanten lieben den Schnee zum Beispiel, obwohl sie aus Gegenden kommen, in denen es keinen gibt. Sie würden am liebsten ewig darin spielen. Aber sie haben so dünne Ohren, dass sie sich schnell Erfrierungen holen. Wenn es ein paar Grad plus hat und die Sonne scheint, kann man sie schon mal eine Weile draußen rumtoben lassen. Aber jetzt geht das kaum noch. Sonst sind Erkältungen unvermeidlich.

          Wie äußern die sich bei Elefanten?

          Nicht viel anders als bei Menschen: Sie haben zwar keine Schniefnase, aber sind sehr schlapp, haben Husten und wahrscheinlich auch Gliederschmerzen. Sagen können sie das ja nicht.

          Wie laut hustet ein Elefant?

          Gar nicht so laut, eher dumpf.

          Anja Waldinger kümmert sich um eine vor drei Tagen geborene Girgentana-Ziege. Bald macht dem Tier die Kälte nichts mehr aus – der Pflegerin aber schon.

          Besteht bei anderen Tieren die Gefahr, dass sie ausrutschen – bei Flamingos zum Beispiel?

          Das ist eher bei Giraffen, Zebras und Antilopen ein Thema. In den Gehegen achten wir besonders darauf, vereiste Stellen mit Sand zu streuen, oder wir lassen die Tiere ganz in der Innenanlage. Die Flamingos stehen draußen im Wasser, das wir in Bewegung halten müssen, damit es eisfrei bleibt. Wichtig ist außerdem, dass überall bei den Tränken die Heizungen funktionieren, sonst müssten wir das Wasser in Eimern durch den ganzen Zoo schleppen. Und innen müssen die Heizungen auch immer wieder kontrolliert werden. Für uns sind das anstrengende Tage, die ganz normale Arbeit muss ja auch erledigt werden. Und wir sind fast den ganzen Tag draußen unterwegs.

          Besteht die Gefahr, dass Tiere über zugefrorene Wassergräben entkommen?

          Die haben wir zum Teil komplett abgelassen, zum Beispiel bei den Wasserschweinen. Das hat zwei Gründe: Wenn das Wasser friert und das Eis stark genug ist, könnten die Tiere aufs Eis laufen, einbrechen und plötzlich im eiskalten Wasser liegen. Außerdem bestünde eben die Gefahr, dass sie das Eis als Brücke nutzen, um so aus dem Gehege zu kommen. Wenn kein Wasser mehr in den Gräben ist, kommen sie nicht raus.

          Welche Tiere dürfen gar nicht mehr ins Freie?

          Tropische Vögel. Die sind aber sowieso den ganzen Winter drinnen. Sonst versuchen wir, fast alle Tiere wenigstens mal ein paar Stunden rauszulassen. Viele lieben die Kälte ja auch: Sibirische Tiger, Eisbären, Luchse und Elche liegen im Schnee und lassen es sich gutgehen. Für die muss man dann im Sommer Maßnahmen ergreifen.

          Kann man von Tieren etwas lernen für den Umgang mit der Kälte?

          Alle Tiere haben da ihre Strategien, aber das ist eher nichts, was man sich abschauen kann. Sie sind evolutionär angepasst, wir müssen uns selbst anpassen. Viele haben ein dickes Fell und kleine Ohren, Polarfüchse zum Beispiel. Alles, was groß ist und vom Körper absteht, bietet potentiell Gefahr für Erfrierungen. Und selbst wenn große Ohren sich nur abkühlen, verliert der ganze Körper dadurch Wärme.

          Haben Sie manchmal Mitleid mit den Tieren aus den Tropen, die sich mit der Kälte herumschlagen müssen und nicht in der Savanne in der Sonne liegen?

          Eigentlich nicht. Wir können es für sie ja so gestalten, dass sie es warm und kuschelig haben. Ich habe manchmal eher Mitleid mit mir, wenn ich sehe, wie die Zebras und Antilopen im dicken Strohlager eng beieinander liegen – und wir den ganzen Tag durch die Kälte rennen. Wir machen alles, damit es den Tieren auch jetzt gut geht.

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