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In der Hühnervilla : Wo meine launischen Damen wohnen

  • -Aktualisiert am

In der Hühnervilla fühlen sich alle wohl: Elvira, Emma und Martha (von links nach rechts) Bild: Cornelia Sick

Manche Leute mieten sich für teures Geld Hühner, um mal ein bisschen Landleben in ihren Garten zu holen und frische Bioeier zu haben. Nicht so unsere Autorin. Sie hat vier eigene – und versteht sich manchmal selbst nicht mehr.

          Elvira kreischt. Es ist 6.30 Uhr, die Sonne scheint, es könnte ein so schöner Sommermorgen sein. Es könnte, wenn Elvira nicht so einen Krach machen würde. Daher beginnt mein Tag mit der Sorge, dass sich die Nachbarn heute ganz bestimmt über Elvira beschweren werden. Denn sie kreischt oft und reagiert nicht auf meine – nicht wirklich ernst gemeinte – Drohung: „Elvira, wenn du so weitermachst, kommst du in den Kochtopf!“

          Elvira ist nämlich ein Huhn – ein unglückliches Huhn. Was wiederum seine Gründe hat: Sie ist eins von meinen vier Zwergfederfüßlern und die einzige Henne mit weißen Federn. Die anderen drei sind schwarz und grenzen Elvira aus. Darunter leidet sie und beklagt sich laut. Hühner sind nämlich Rassisten. Das weiß ich von der Geflügelforscherin Mareike Fellmin. Ich musste schlucken, als ich das hörte. Ich weiß, wie es ist, ausgegrenzt zu werden, und habe Mitgefühl für Elvira. Daher bekommt sie demnächst Verstärkung von zwei Mitbewohnern. Damit das Gleichgewicht im Stall hergestellt wird.

          Die Zwergfederfüßler heißen so, weil sie bis zu den Krallen befiedert und klein sind. Abgekauft habe ich die Tiere einem Züchter aus der Umgebung – alle zusammen für zehn Euro. Sie hatten nicht das Aussehen, um als Rasse-Geflügel prämiert zu werden, und wären als Hundefutter im Napf gelandet, wenn ich mir nicht just zu der Zeit einen langgehegten Wunsch hätte erfüllen wollen: Hühner im Garten unseres Hauses zu halten. Dieser Wunsch geht auf meine Kindheit in der Türkei zurück. Auf dem Bauernhof meiner Großeltern beobachtete ich Küken beim Schlüpfen. Dass sich ein Häufchen feuchtes Etwas, das ziemlich eklig aussah, zu einem niedlichen Tierchen mit gelbem Flaum entwickelt, faszinierte mich. Und auch, dass diese Küken zu Hähnen und Hennen wurden, mit denen ich kuscheln konnte.

          Nur das Beste für die Schnuckis

          Die Entscheidung für Hühner fiel im vergangenen Sommer auf einer Wanderung in Cornwall, wo ich in sehr vielen Hausgärten mobile Hühnerställe mit integriertem Auslauf sah. Warum nicht auch bei uns, dachte ich und fotografierte ein Modell, das mir besonders gut gefiel. Ich wollte es daheim nachbauen lassen, aber das war gar nicht nötig, denn im Internet entdeckte ich fertige Bausätze. Und so residieren meine Schnuckis in einer Holzvilla, die aus England geliefert wurde. Schnuckis – so spreche ich die Hühner eigentlich nur dann an, wenn wir unter uns sind. Keine Ahnung, wie ich dazu gekommen bin, denn das Wort gehört sonst nicht zu meinem Vokabular. Wenn ich anderen von Elvira, Emma, Magda und Martha erzähle, nenne ich sie meistens „meine Damen“.

          Die Lebenserwartung von Zwergfederfüßlern soll bei acht Jahren liegen. Wenn alles gutgeht, dann haben wir zusammen noch sechs gemeinsame Jahre. Ich gebe mir Mühe, damit es ihnen gutgeht und sie ein glückliches und gesundes Leben führen können. „Hühnerhaltung ist sehr einfach“, sagt die Geflügelforscherin Fellmin. Meine Erfahrung ist da eine andere. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass meine Damen besonders launenhaft und anfällig für Krankheiten sind. Mal ist der Stall von Milben befallen und muss komplett gereinigt werden. Mal plagt Durchfall, mal Legenot oder eine Erkältung mit ständigem Niesen und laufender „Nase“ die kleinen Lebewesen.

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