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Zählung in Deutschland : Wintervögel zeigt euch!

Bestandsaufnahme: Eine Schar Stare fliegt von einem Baum im Garten von Ruth Ortwein im hessischen Ort Mörfelden-Walldorf auf. Bild: Frank Röth

Den Vögeln geht es in Deutschland schlecht – das bestätigen die ersten Ergebnisse der diesjährigen Zählung. Ein zentraler Grund dafür liegt an der Landwirtschaft.

          Ein lärmendes Grüppchen von Staren sitzt eng beisammen auf dem Ast der Weinrebe. Ruth Ortwein schaut durch das Fernglas und sieht, welcher Vogel da, mit etwas Abstand, noch im Geäst hängt. Den Kopf neigt er leicht zur Seite, mit winzigen Zehen umklammert er den gefrorenen Zweig. „Es ist ein Haussperling, der da ruft“, sagt Ortwein. Ihr Vater Helmut nickt, nimmt einen Stift zur Hand und macht ein Kreuz auf dem Papier. Wie der Star, hat es auch der Spatz gern häuslich. Beide sind dem Menschen dicht auf den Fersen und als Kulturfolger oft anzutreffen in Gärten.

          Matthias Hertle

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die „Stunde der Wintervögel“ hat bei Familie Ortwein in Mörfelden-Walldorf Einzug gehalten. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat in ganz Deutschland für das vergangene Wochenende zur großen Vogelzählung aufgerufen. Beim letzten Mal waren dem Aufruf 93.000 Menschen gefolgt. Jahr für Jahr werden es mehr. Das ist gut für die Forschung: Über mehr als 2,5 Millionen Vögel hat der Nabu so 2016 wertvolle Informationen gewonnen. „Die Daten geben uns Hinweise auf die langfristige Bestandsentwicklung“, sagt der Vogelkundler Bernd Petri vom Nabu-Kreisverband Groß-Gerau. Die Aktion sei ein sinnvolles Frühwarnsystem, sagt der Münsteraner Landschaftsökologe Johannes Kamp – die auch helfe, „die Menschen für den dramatischen Artenschwund zu sensibilisieren“.

          Der vollzieht sich zwar schleichend, ist aber schon weit fortgeschritten. Die Zahl der Vögel in ganz Europa ist in den vergangenen 30 Jahren um 421 Millionen gesunken, hat ein britisches Forschungsteam der Universität Exeter herausgefunden. „In Hessen geht es den Vögeln schlecht“, sagt Petri. Der Kiebitz und der Große Brachvogel seien dort etwa sehr selten geworden.

          Schau mal da: Ruth Ortwein (rechts) weist Bernd Petri die Richtung bei der Vogelbeobachtung. Bilderstrecke

          Teilweise bedenklich stark sind in ganz Deutschland auch die Populationen der Rebhühner und Wachteln geschrumpft. Sie sind vom Aussterben bedroht. Auch um die Haubenlerche steht es schlimm. Im Nachkriegsdeutschland wurde sie im Volksmund noch „Trümmervogel“ genannt, weil sie die Häuserruinen als Lebensräume annahm und sich in den zerstörten Städten in großer Zahl breitmachte. Heute steht sie auf der roten Liste. „Wir haben in Hessen gerade einmal 40 Brutpaare“, sagt Petri. In Bayern sind es kaum mehr.

          Die Landwirtschaft raubt der Natur ihre wilden Orte

          In diesem Winter kommt hinzu, dass häufige Vogelarten wie die Blau- und Kohlmeise oder der Buch- und Grünfink an den Vogelschutzstellen weniger oft gesichtet wurden als in den Vorjahren. Nur selten, berichten Vogelbeobachter, flogen die Gartenvögel die Futterstellen in den Wohnsiedlungen an. Der Verlauf der aktuellen Vogelzählung bestätigte zunächst diese Beobachtung. Bei den Sichtungen der Blau- und Kohlmeise zeichnete sich am Sonntagabend ein Rückgang von 30 bis 40 Prozent gegenüber 2016 ab. Für den Grünfink hat ein Zwischenstand von Samstagabend ein ähnliches Bild ergeben. Im Südwesten soll die Zahl der Kohlmeisen sogar um 50 Prozent nachgegeben haben. Ein Grund könnte sein, dass die Vögel in den Wäldern noch reichlich Nahrung finden und die Futterstellen nicht aufsuchen, weil ihnen etwa die Samen der Buchen und Erlen noch als Futter dienen. Außerdem wird vermutet, dass die Gartenvögel im Frühjahr einen geringen Bruterfolg hatten und so nur wenige Küken großzogen. Aber es gibt noch andere Gründe.

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