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Tierart auf Galapagos entdeckt : Godzilla muss gerettet werden

  • -Aktualisiert am

Gerade entdeckt – und schon vom Aussterben bedroht: Unterart der Godzilla-Meerechsen Bild: Sebastian Steinfartz

Auf Galapagos wurden fünf Meerechsen-Unterarten entdeckt – armlange Tiere, die an kleine Drachen ohne Flügel erinnern. Einige von ihnen könnten schon bald wieder aussterben.

          Auf dem Weg zum Fischmarkt in Puerto Ayora, dem Hauptort der Galapagos-Inseln, liegen manchmal Meerechsen auf dem Gehweg am Ufer. Die armlangen Tiere, die frappierend an einen kleinen Drachen ohne Flügel aus alten Sagen erinnern, lassen sich bei Ihrem Sonnenbad von den Fußgängern kaum stören. Das friedliche Zusammenleben von Mensch und Tier scheint auf den Galapagos-Inseln tatsächlich noch zu funktionieren. Und doch warnt Sebastian Steinfartz vom Zoologischen Institut der Technischen Universität Braunschweig davor, dass einige dieser Meerechsen aussterben könnten.

          Dabei scheint es den Mini-Drachen auf dem ersten Blick gut zu gehen: Sie liegen auf den Lavafelsen an sehr vielen Küsten der 13 größeren und mehr als 100 kleineren Vulkaninseln des Galapagos-Archipels, das 1000 Kilometer westlich der Küste Südamerikas direkt am Äquator im Pazifik liegt. An Land wärmen die Tiere sich nur auf, um später im Meer die Algen von den Felsen abzuweiden.

          Da 97 Prozent der Landflächen und der größte Teil der umliegenden Meeresgebiete mit den reichlich wachsenden Wasserpflanzen unter strengem Naturschutz stehen, sollten sie auch in Zukunft beim Sonnenbaden und Fressen sicher sein. Beim alle paar Jahre auftretenden Klimaphänomen El Niño können zwar viele Tiere verhungern. Von solchen Einbrüchen haben sich die Bestände aber immer wieder erholt. Auch erwischen verwilderte Hauskatzen und manchmal auch Hunde ab und zu eine junge Meerechse. Die Weltnaturschutzorganisation IUCN listet die Art aber nur als „gefährdet“ und schätzt die Situation für die einzige Echse, die sich ihren Lebensunterhalt im Wasser verdient, daher nicht als allzu brenzlig ein.

          Alle Inseln sind als Vulkane entstanden

          Allerdings stammt diese Einordnung aus dem Jahr 2004. Seither haben Sebastian Steinfartz und seine Kollegen die Küsten der Inseln auf mehreren Expeditionen abgefahren, um dort ähnlich wie der Vater der Evolutionstheorie, Charles Darwin, die Entwicklung der Arten zu beobachten. Konkret möchte der Forscher wissen, ob die Meerechsen auf den Inseln schon eigene Wege gehen und sich dabei zu unterschiedlichen Arten und Unterarten entwickelt haben. Viel Zeit hatten sie dazu nicht, sind doch einige der Inseln wie Fernandina und Isabela mit einem Alter von rund einer halben Million Jahren für Geologen und Evolutionsbiologen sozusagen noch im Säuglingsalter.

          Alle Inseln sind als Vulkane entstanden, von denen sieben noch heute immer wieder Lava und Asche spucken. Die Brandung donnert an den Küsten oft auf große Blöcke aus erkalteter Lava. „An etlichen Stellen ist es daher recht riskant, an Land zu gehen“, sagt Steinfartz. Genau dort aber sonnen sich die Meerechsen gerne. Sind die Forscher sicher an Land, wirft ein Expeditionsteilnehmer den Mini-Drachen ein Lasso über den Kopf und hält sie dann fest.

          „Meerechsen sind zwar recht friedlich, können aber auch sehr schmerzhaft zubeißen“, sagt Steinfartz. Ein Tierarzt entnimmt der Schwanzvene der Tiere eine Blutprobe. Danach ist die Prozedur für die Meerechse auch schon überstanden.

          Die Vielfalt ist größer ist als angenommen

          In Deutschland entnehmen die Forscher aus den Blutproben das Erbgut und analysieren es. „Kleine Unterschiede zeigen uns, wie weit sich verschiedene Gruppen der Meerechsen bereits auseinander entwickelt haben“, sagt Steinfartz.

          Am Ende wusste der Evolutionsbiologe, dass die Vielfalt größer ist als bisher angenommen: Statt bisher sechs listen die Forscher nun im „Zoological Journal of the Linnean Society“ gleich elf Unterarten bei den Meerechsen auf, die alle nur an den Küsten der Galapagos-Inseln leben. „Wobei die Unterschiede zum Teil so groß sind, dass man schon fast von eigenen Arten sprechen könnte“, meint Steinfartz. Einzelne Unterarten sind ähnlich verschieden wie Menschen und Schimpansen.

          Dabei leben diese Unterarten bisweilen nicht einmal auf weit voneinander entfernten Inseln, sondern sonnen sich zum Beispiel auf der Insel San Cristóbal nur ein paar Kilometer entfernt an der gleichen Küste. Da ein Entdecker solcher Unterarten diese auch taufen darf, heißt die Gruppe im Nordosten von San Cristóbal inzwischen nach dem Kino-Monster Amblyrhynchus cristatus godzilla.

          Gerade erst entdeckte Gruppen könnten verschwinden

          Genau dieser Mini-Drache aber scheint mehr als nur „gefährdet“ zu sein. „Von dieser Unterart gibt es vermutlich nur noch ein paar hundert Tiere“, sagt Steinfartz. Die zweite Unterart, ein paar Kilometer weiter im Süden, ist auch nicht viel häufiger. Wildern Katzen dort weiterhin die jungen Meerechsen oder vertreiben Hotelneubauten die Tiere von ihren sonnigen Felsen, könnten solche gerade erst entdeckten Gruppen unter Umständen verschwinden.

          Seit die Forscher aus Braunschweig Godzilla und seine Kollegen als eigene Unterarten identifiziert haben, wissen Naturschützer, dass damit eine einmalige Variante dieser Mini-Drachen verloren ginge. Die IUCN sollte ihre roten Listen also bald anpassen. „Vom Aussterben bedroht“ – das trifft den Status der Tiere besser.

          Quelle: F.A.Z.

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