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Zur Esoterikmesse in Berlin : Die mit Tieren spricht

  • -Aktualisiert am

Die Tierflüsterin: Kerstin Heck Bild: Barbara Klein

An diesem Wochenende findet in Berlin wieder die Esoterikmesse statt. Engelheilung, Jenseitskontakte und UFOs – meinen diese Leute das ernst? Kerstin Heck sagt, sie könne sich mit Tieren unterhalten. Ein Interview.

          Frau Heck, Sie sagen, Sie können mit Tieren reden. Wie muss ich mir das vorstellen?

          Wenn ich mit Tieren spreche, dann ist das nicht so direkt, wie wenn ich jetzt mit Ihnen spreche. Ich schreibe mir vorher die Fragen auf, die ich habe, und sende sie dann an das Tier. Ohne zu sprechen. Die Tiere antworten mir dann. Sie schicken mir manchmal Worte oder ganze Sätze zurück. Manchmal empfange ich aber auch nur ein Gefühl oder ein Bild.

          Wenn Tiere ganze Sätze formulieren können, dann hätten sie ja ein Bewusstsein, so wie wir.

          Ja, selbstverständlich haben sie das!

          Was wollen Ihre Kunden denn in der Regel von ihren Tieren wissen?

          Viele kommen mit einem Tier zu mir, das Verhaltensauffälligkeiten aufweist. Wenn ein Tier zum Beispiel plötzlich unsauber wird, dann frage ich das Tier einfach, was denn los ist. Häufig werden Katzen übrigens wegen eines Umzugs unsauber oder weil der Halter unbewusst ein Streu kauft, das dem Tier nicht passt. Dann sind die Körnchen zu groß, oder es riecht nicht gut. Das Tier kann mir das dann sagen, so dass der Halter ein anderes Streu kaufen kann.

          Das klingt sehr pragmatisch. Kommen denn auch Leute zu Ihnen, um einfach mal mit ihrem Tier zu plaudern?

          Die meisten haben schon ein konkretes Anliegen. Gelegentlich wollen sich Klienten aber einfach nur mit ihrem Tier unterhalten. Die erste Frage ist dann aber trotzdem meistens: Geht’s meinem Tier gut? Aber klar, man kann mit einem Tier auch Smalltalk halten.

          Und was denken die Tiere so über uns Menschen?

          Im Gegensatz zu uns, leben Tiere mehr im Moment. Die sehen, dass wir Menschen immer viel zu tun haben, zu viel arbeiten und von Termin zu Termin hetzen. Tiere wünschen sich von uns, dass wir etwas bewusster leben. Viele wollen auch, dass wir mehr zu Hause sind und mehr Zeit mit ihnen verbringen.

          Reden Sie denn manchmal auch mit Tieren, die in Freiheit leben?

          Meistens rede ich mit Tieren, wenn ich einen Auftrag habe. Aber wenn ich so im Wald unterwegs bin, dann habe ich manchmal das Gefühl, ein Tier will mir etwas mitteilen. Ich halte dann inne, nehme mir Zeit und spreche mit dem Tier.

          Das erinnert mich ein wenig an den Film „Was Frauen wollen“, in dem Mel Gibson alles hört, was Frauen um ihn herum denken. Mel Gibson geht das irgendwann auf die Nerven. Können Sie denn überhaupt noch in Ruhe durch den Wald gehen?

          Es ist nicht ganz so wie in dem Film. Dann könnte ich ja gar nicht mehr abschalten, wenn ich jeden Käfer und jede Ameise sprechen hören würde. Wenn ein Tier mit mir reden will, dann muss ich erst meinen Kanal zu dem Tier öffnen.

          Tiere können also nicht Sie anreden, sondern Sie reden die Tiere an?

          Ja, meistens geht die Kontaktaufnahme von mir aus. Manchmal spüre ich, dass beispielsweise ein Pferd mir etwas sagen will. Aber natürlich wollen sich auch nicht alle Tiere immer und überall unterhalten. Stellen Sie sich das wie in einer Fußgängerzone vor: Da quatsche ich schließlich auch nicht alle Menschen an, die an mir vorbeigehen.

          Vielen wird das seltsam vorkommen. Was sagen Sie Kritikern?

          Die Fähigkeit mit Tieren zu kommunizieren, wird von der Wissenschaft schon länger erforscht. Ich selbst arbeite viel mit meinem sechsten Sinn, den beispielsweise Rupert Sheldrake erforscht. Aber auch die Quantenphysik hat herausgefunden, dass es da spezielle Felder gibt, über die wir kommunizieren können.

          Haben Sie die Quantenphysik denn verstanden?

          Ich denke schon, auch wenn ich darin jetzt nicht ganz sattelfest bin. Aber tatsächlich ist für die meisten Leute die Selbsterfahrung wichtiger.

          Wie meinen Sie das?

          Wenn Leute skeptisch sind, beweise ich ihnen meine Fähigkeit: Ich frage dann Dinge, die nur die Halter und das Tier selbst wissen können. Zum Beispiel frage ich das Tier, was sein Lieblingsessen ist oder welche Pellets es am besten findet. Wenn ich dann richtig liege, sind die meisten Menschen ziemlich verwundert.

          An diesem Wochenende findet in Berlin wieder eine Esoterikmesse statt. Sind Sie denn selbst noch kritisch, wenn Sie dorthin gehen?

          Früher ja, da kam mir auch einiges seltsam vor. Mittlerweile ist das nicht mehr so. Da gehe ich einfach hin und schaue mir alles an und gucke, was für mich passen könnte. Es gibt Methoden, die sagen einem mehr zu, und manche weniger. Deswegen sind Esoterikmessen auch immer ganz schön: Man kann in alles mal reinschnuppern.

          Esoterik ist also so etwas wie ein Selbstbedienungsladen, in dem jeder sich das rauspickt, was ihm gerade passt?

          Ja, eigentlich schon. Man muss der Sache mit offenen Augen und vor allem mit offenem Herzen begegnen und sich von dem ansprechen lassen, was einem zusagt.

          Wie geht es denn zu auf einer Esoterikmesse?

          Es gibt allerhand Stände, Vorträge und Seminare. Man kann sich alles mal angucken und überall mal reinschnuppern. Die meisten Leute, die da sind, hatten schon vorher Kontakt zur esoterischen Szene oder sind auf der Suche nach ihrer Berufung. Aber es sind auch immer ein paar Neugierige dabei, die sich das mal angucken wollen.

          Was für ein Typ Mensch treibt sich denn in der esoterischen Szene rum?

          Ich glaube, die meisten esoterischen Menschen suchen nach einem Weg, um ihr Leben schöner zu gestalten und bewusster zu genießen. Ich habe den Eindruck, dass Esoteriker vor allem Liebe und Freude ins Leben bringen wollen.

          Quelle: F.A.Z.

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