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Veröffentlicht: 28.11.2016, 20:18 Uhr

Fund einer Falkenmumie Ein Hausmeister entdeckt im Keller eine Vogelmumie

Im Nebenfach einer Truhe im Suermond-Ludwig-Museum in Aachen wurde die Mumie eines ägyptischen Falken gefunden. Der Vogel wurde vermutlich von Gläubigen gestiftet.

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© dpa Bei der Falkenmumie soll es sich um ein typisches Produkt der ägyptischen Spätzeit um 800 v. Chr. handeln.

Als der Hausmeister des Aachener Suermondt-Ludwig-Museums in den Keller ging, um eine alte Truhe aus dem Jahr 1520 für die bevorstehende Ausstellung „Wundern und Staunen“ zu entstauben, machte er eine seltsame Entdeckung: In einem Nebenfach der Truhe, der sogenannten „hohen Kante“, befand sich eine kleine Vogelmumie.

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„Witzigerweise hat der Hausmeister sofort erkannt, dass das eine Mumie ist – mir kam sie eher vor wie ein gebogener alter Holzstab“, sagte Stadtsprecherin Jutta Göricke am Montag. Umgehend wurden der Kurator und ein Ägyptologe zu Rate gezogen, und schnell war klar: Bei der Mumie handelt es sich um einen ägyptischen Falken. Wie aber gelangt eine Vogelmumie aus der ägyptischen Spätzeit, die von 800 vor Christus bis in die nachchristliche römische Zeit dauerte, in ein Museum, das sich sonst Exponaten aus viel späteren Epochen widmet?

Nach Auskunft von Jutta Göricke reicht die Geschichte wahrscheinlich zurück bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Suermondt-Museum habe damals stark unter Beschuss gestanden, weshalb große Bestände in eine Fabrikhalle in der Eifel ausgelagert worden seien. Darunter befanden sich auch zwei Mumien – sie waren Teil der bürgerlichen Stiftungen und Sammlerstücke aus dem 19. Jahrhundert, auf denen das Museum basiert. Kunstgewerbliche Gegenstände dieser Art ruhen hauptsächlich im Depot.

Die Freude über den kuriosen Fund ist groß

Als der Krieg vorbei war und die Bestände zurücktransportiert wurden, sei protokolliert worden, dass auch zwei Mumien zurückgeschickt wurden. „Es tauchte jedoch nur eine große menschliche Mumie auf, die jahrzehntelang im hiesigen Stadtmuseum ausgestellt wurde“, erzählt Jutta Göricke. „Die andere Mumie blieb verschwunden, und man machte sich darüber keine großen Gedanken, weil das in den Nachkriegswirren häufig passiert ist.“ Es habe wohl auch niemand vermutet, dass es sich bei der zweiten Mumie um eine kleine Vogelmumie handelte, bloß etwa 30 Zentimeter groß. Schließlich sei sie wahrscheinlich in der alten Truhe schlichtweg vergessen worden.

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Die Freude über den kuriosen Fund in Aachen ist groß. Die Fachleute sind sich sicher, dass es sich bei der Mumie um einen echten Falken handelt und nicht um eine Fälschung, was in den Sammlungen des 19. Jahrhunderts nicht selten der Fall war. Dass es ein Original-Falke sei, sei mit bloßem Auge zu erkennen, sagt Jutta Göricke: „Das Schnäbelchen guckt heraus, wenn man es sich von nah anschaut.“

Der mumifizierte Falke, der im Alten Ägypten den Gott Horus symbolisierte, wurde vermutlich von Gläubigen als Weihegabe gestiftet. Damals wurden im Rahmen von Tierkulten viele Mumien gefertigt, die einer Gottheit gestiftet und rituell bestattet wurden. Beliebte Tiere dafür waren Ibisse, Katzen, Hunde, Krokodile – und eben Falken. Nun wird die Vogelmumie zusammen mit der großen Menschenmumie in der Schau der „Bürgerlichen Kunstkammer“ ausgestellt, die am 7. Dezember eröffnet wird.

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