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Virenforschung : Warum bricht die Geflügelpest heute noch so oft aus?

Auf der Insel Riems befindet sich das Friedrich-Loeffler-Institut. Bild: Gordon Welters/laif

Auf der Insel Riems ergründen Forscher, wie sich die Viren hochgefährlicher Tierkrankheiten verbreiten. Sie haben eine Vermutung, weshalb es t immer häufiger Geflügelpestausbrüche gibt.

          Noch nie hat sich die Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt, so stark ausgebreitet wie in den vergangenen Monaten. Zumindest nicht, seit darüber Statistiken geführt werden, und das seit 1878. Alle Bundesländer waren betroffen. Seit November hauste das Virus in mehr als hundert deutschen Geflügelbetrieben, mehr als die Hälfte davon in Niedersachsen. Besonders betroffen war der Kreis Cloppenburg. Das muss nicht verwundern, denn dort ist eine Hochburg der Massentierhaltung und die Gefahr der Übertragung entsprechend groß. Das alles hat eine direkte Auswirkung auf unsere Lebensqualität: Es mangelte zu Ostern an Freilandeiern. Auch bei mehr als tausend Wildvögeln wurde das Virus H5N8 festgestellt, darunter sogar bei mehreren Seeadlern. Derzeit scheint die Epidemie abzuklingen. In den vergangenen Wochen wurden nur noch wenige Fälle gemeldet, ausschließlich bei Wildvögeln. Die Stallpflicht ist überall aufgehoben. Sogar die Alsterschwäne in Hamburg durften nun endlich ihr Winterquartier verlassen.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Erstaunlich ist, dass trotz des noch nie dagewesenen Ausbruchs so wenig von der Vogelgrippe zu hören war. Wie anders war das vor zehn Jahren, als die Krankheit auf Rügen ausgebrochen und wochenlang das wichtigste Thema war. Jeden Abend zur besten Sendezeit hatte damals Thomas Mettenleiter, der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, im Fernsehen über den Stand der Epidemie zu berichten. Sein Bundesinstitut für Tiergesundheit ist auf der Insel Riems. Derzeit ist Mettenleiter nur ab und zu mal gefragt. Dabei war, rein quantitativ gesehen, der Seuchenzug von vor einem Jahrzehnt nichts gegenüber dem jetzigen. Qualitativ war die Sache damals allerdings insofern gefährlicher, als das Virus H5N1 grassierte. Und das kann auch den Menschen krank machen, ja töten. Bei H5N8 gab es noch keine Übertragung auf den Menschen. Dennoch wird das Virus genau beobachtet. Denn es kann sich rasch in eine andere seiner vielen Spielarten verändern.

          Die gefährliche Geflügelpest ist nicht verschwunden

          H steht für Haemagglutinin, ein Protein, das in sechzehn Varianten beobachtet wurde. N steht für Neuraminidase, da sind neun Varianten bekannt. Einige der HN-Viren sind ungefährlich. Dagegen können alle, deren Namen mit H5 oder H7 beginnen, Krankheiten erregen. H5N1, das auch für Menschen gefährliche Geflügelpestvirus, ist keineswegs verschwunden, nur weil Deutschland derzeit nichts damit zu tun hat. Er zeigt sich gegenwärtig mehr südlich und östlich. Und es ist auch nicht die einzige für den Menschen gefährliche Form. Für H5N6 gilt das auch.

          Die Stallpflicht wurde aufgehoben, die Gefahr bleibt jedoch bestehen.

          Überwacht wird das Seuchengeschehen in Deutschland von den Veterinärämtern in den Kommunen, die in allen praktischen Fragen zu entscheiden haben, also etwa, wenn es um eine Stallpflicht für die Haustiere geht. Wissenschaftlich beobachtet wird die Seuche vom Bundesfoschungsinstitut für Tiergesundheit. Proben von allen N5N8-Verdachtsfällen, ob sie nun vom Bodensee stammen oder vom Plöner See, ob von der Ente oder vom Adler, landen auf Riems nahe Greifswald im Greifswalder Bodden. Benannt ist das Institut nach Friedrich Loeffler, dem Begründer der Virenforschung, der von 1852 bis 1915 lebte. Loeffler entdeckte den Erreger der Maul- und Klauenseuche und beschrieb ihn als etwas, das viel kleiner als Bakterien sei. Zutreffend. Zunächst machte Loeffler Versuche an der Universität Greifswald, wo er Professor war. Die Experimente hatten böse Folgen für die Bauern der Gegend: Das Virus breitete sich auf die Höfe aus. So zog Loeffler mit seinem Institut auf die Insel Riems, um dem Erreger möglichst wenig Chance zu geben, auf das Festland überzuspringen. Das war 1910. Seitdem ist die Insel Riems oder der Riems, wie die Einheimischen sagen, deutsches Zentrum der Tierseuchenforschung.

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