http://www.faz.net/-gum-91prc

Schädlich für heimische Arten : Mehr als 3000 Sumpfkrebse im Berliner Tiergarten eingefangen

  • Aktualisiert am

Die Krebse kamen wohl auch wegen des vielen Regens aus ihren Verstecken. Bild: dpa

Der Sumpfkrebs steht auf einer Liste der EU-Kommission mit eingewanderten Arten, die potenziell schädlich sind. Innerhalb von zwei Wochen wurden jetzt Tausende in Berlin eingefangen. „Wir sind mehr als überrascht über die Menge“, sagt ein Wildtierexperte.

          Im Berliner Tiergarten leben wesentlich mehr Sumpfkrebse als bislang angenommen. Die Tiere sind in Deutschland eigentlich nicht heimisch. Innerhalb der vergangenen zwei Wochen seien bereits mehr als 3000 Rote Amerikanische Sumpfkrebse am Neuen See in dem Park gefangen worden, sagte Wildtierexperte Derk Ehlert von der Umweltverwaltung auf Anfrage. „Wir sind mehr als überrascht über die Menge.“ Ehlert hatte den Bestand ursprünglich auf etwa 200 Exemplare geschätzt. Zuerst hatte der Sender Radio Berlin 88,8 auf Twitter davon berichtet.

          Das Fischereiamt hatte Ende August mit Fangaktionen begonnen, da eine Abwanderung der Krebse in andere Gewässer befürchtet worden war. Dies zu verhindern, ist auch die Vorgabe: Der Sumpfkrebs steht auf einer Liste der EU-Kommission mit eingewanderten Arten, die potenziell schädlich sind - etwa für einheimische Arten und Ökosysteme. Der hiesige Bestand geht vermutlich auf Aussetzungen zurück.

          Die bisher gefangenen Tiere seien zwischen einem und vier Jahren alt, so Ehlert. Sie würden in kochendem Wasser getötet und anschließend geschreddert. Eine Fachfirma kümmere sich um die Entsorgung. Die Tiere sind prinzipiell essbar und werden anderswo als Nahrungs- und Futtermittel verwendet, wie Ehlert erklärt. Sollten sich die Krebse in Berlin etablieren, könnte man darüber nachdenken, sie beispielsweise ins Fischereirecht aufzunehmen.

          Ein Fahrradfahrer beobachtet im August im Tiergarten in Berlin einen roten amerikanischen Sumpfkrebs.
          Ein Fahrradfahrer beobachtet im August im Tiergarten in Berlin einen roten amerikanischen Sumpfkrebs. : Bild: dpa

          Der Experte rechnet aber damit, dass die roten Krebse im Tiergarten lediglich dezimiert werden können: „Wir gehen davon aus, dass wir nicht alle rausholen können“, sagte Ehlert auch mit Blick auf das bevorstehende Ende der Fangaktion in einigen Tagen. Grund ist die kühlere Witterung, mit der auch die Aktivität der Tiere zurückgehen werde.

          In Berlin erregen die Krebse seit Mitte August Aufmerksamkeit. Sie kamen wohl auch wegen des vielen Regens aus ihren Verstecken und krabbelten sogar auf Straßen.

          Quelle: dpa

          Weitere Themen

          Ratten auf dem Teller der Ärmsten Video-Seite öffnen

          Indien : Ratten auf dem Teller der Ärmsten

          Rattenfleisch vom offenen Feuer - den Angehörigen der Volksgruppe der Musahar in Indien bleibt nichts anderes übrig, als ihren Hunger mit den Nagern oder selbst gefangenen Fröschen zu stillen. Im indischen Kasten-Wesen stehen sie ganz unten, die Gesellschaft behandelt sie wie Aussätzige.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Flaggen der Europäischen Union wehen vor dem Gebäude der EU-Kommission in Brüssel

          Brexit-Verhandlungen : Mogelpackung oder neue Variante von britischem Pragmatismus

          Die neue Grundsatzdiskussion über Visionen und Grenzen der europäischen Einigung ist sinnvoll. Statt mit Schadenfreude auf die Folgen des Brexits für die britische Wirtschaft zu blicken, sollten die 27 EU-Partner lieber über ihre eigene Zukunft nachdenken. Ein Kommentar.
          Der russische Präsident Wladimir Putin beim Besuch einer Flüssiggasanlage Anfang Dezember im Hafen von Sabetta

          Russischer Militäreinsatz : Putin ordnet Teilabzug aus Syrien an

          Der Kremlchef hat zum ersten Mal seit Beginn des russischen Militäreinsatzes in Syrien die Luftwaffenbasis Hamaimim besucht – und sich dort mit dem syrischen Präsidenten Assad getroffen. Dabei machte Putin offenbar eine weitreichende Ankündigung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.