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Ärzte konnten nicht helfen : Berliner Eisbärbaby Fritz ist tot

  • Aktualisiert am

Der Eisbär Mitte Januar Bild: dpa

Er war der ganze Stolz des Tierparks, doch bevor ihn die Öffentlichkeit überhaupt zu Gesicht bekam, erkrankte das Eisbärbaby Fritz schwer. In der Nacht auf Dienstag ist das Tier verendet. Tierschützer fordern einen Zuchtstopp für Eisbären in Zoos.

          Schock für den Berliner Tierpark: Nur gut vier Monate nach seiner Geburt ist das Eisbärenbaby Fritz gestorben. Das Jungtier erlag einer Leberentzündung, wie Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem am Dienstag mitteilte. „Wir sind fassungslos, sehr traurig und deprimiert“, sagte er. „Es ist unglaublich, wie schnell uns dieser kleine Eisbär ans Herz gewachsen ist.“

          Die genaue Todesursache des Eisbärenjungen Fritz ist noch unbekannt. Bis zu einer endgültigen Diagnose werde es möglicherweise länger dauern, sagte Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem am Dienstag. Bisher stehe nur fest, dass das Jungtier am Montag eine massiv entzündete und vergrößerte Leber hatte. Wodurch die Entzündung entstand, sollen jetzt umfangreiche Untersuchungen und Analysen von Gewebe- und Blutproben klären. „Wir können derzeit nicht sagen, woher das stammt“, sagte Knieriem. Für ihn als Tierarzt sei am Montag nichts schlimmer gewesen, als nicht zu wissen, was genau das Problem ist.

          Fritz, Sohn der siebenjährigen Tonja und des fünfjährigen Wolodja, war das erste Eisbärenjunge im Tierpark Berlin seit 22 Jahren. Seine Geburt am 3. November sowie die ersten Fotos und Filmaufnahmen hatten die Berliner begeistert. Mutter Tonja kümmerte sich liebevoll um den Kleinen, der den Stall bislang noch nicht verlassen hatte.

          Erste Anzeichen für gesundheitliche Probleme am Wochenende

          Am Wochenende gab es dann erste Anzeichen für gesundheitliche Probleme, Fritz verhielt sich auffällig ruhig. Am Montag lag er apathisch im Stall. Nach einem Krisentreffen von Tierärzten, Kuratoren und Pflegern trennten die Tierwärter den Kleinen von seiner Mutter und schafften ihn in das benachbarte Leibniz-Institut. Stundenlange Untersuchungen mit Ultraschall, CT und Röntgengerät brachten zunächst keinen konkreten Befund. Gegen die schlechten Leberwerte bekam Fritz ein spezielles Antibiotikum und Schmerzmittel.

          Eisbär Fritz am Montag beim Ultraschall im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung.
          Eisbär Fritz am Montag beim Ultraschall im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. : Bild: dpa

          Am Montagabend gegen 19.30 Uhr wurde sein Atem unregelmäßig, wie der Tierpark berichtete. Notmaßnahmen halfen nicht mehr, so dass der kleine Eisbär gegen 20.00 Uhr starb. Nun gelte es, die Ergebnisse der Obduktion abzuwarten, um Klarheit über die plötzliche Todesursache zu erhalten, sagte Knieriem. Über den Tod von Fritz hatte am Dienstag zunächst der RBB berichtet.

          Schon 2006 hatte die Geburt eines Eisbären Berlin und ganz Europa elektrisiert: Im Zoologischen Garten kam Knut zur Welt. Erstmals bei einem Eisbärjungen in Deutschland begleiteten damals die Medien die Aufzucht des Bären. Doch auch in dem Fall endete die Geschichte dramatisch: 2011 starb Knut im Alter von nur vier Jahren. In freier Wildbahn werden Eisbären deutlich älter als 20 Jahre. Sowohl Fritz als auch Knut waren als Zwillinge zur Welt gekommen, ihre Geschwister starben kurz darauf.

          Die Tierschutzorganisation Peta hat als Reaktion auf den Tod von Fritz einen Zuchtstopp für Eisbären in Zoos gefordert. „Die Haltungsbedingungen in Zoos sind derart unnatürlich, dass ein großer Teil der Eisbärenbabys die ersten Monate nicht überlebt“, erklärte Peta am Dienstag. Dies geschehe teils aufgrund mangelhafter Haltungsbedingungen, teils aufgrund schwerer Verhaltensstörungen der Muttertiere.

          Alle Eisbären in deutschen Zoos litten an Verhaltensauffälligkeiten, weil sie zu wenig Bewegungsmöglichkeiten hätten, stellte Peta fest. Eisbärenbabys würden „rein aus Marketing- und Profitgründen“ gezüchtet. „Auf das Wohl der Tiere wird dabei keine Rücksicht genommen.“

          Quelle: dpa

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