14.10.2003 · Ungewöhnlicher Fund im Hamburger Hafen: Ein 15 Meter langer Finnwal ist dort am Dienstag angespült worden. Das tote Tier ist eine Woche lang elbaufwärts getrieben.
Ein 15 Meter langer toter Finnwal ist am Dienstag im Hamburger Hafen angespült worden. Das Tier ist schon längere Zeit tot gewesen und hat schwere Verletzungen von Schiffsschrauben. Der Kadaver wiegt 13,5 Tonnen.
„Bei dem Tier handelt es sich um einen jungen männlicher Finnwal“, sagte Biologin Iris Menn von der Umweltorganisation „Greenpeace“, die den Kadaver untersuchte. Wie das große Tier in den Hafen gelangen konnte, war zunächst unklar. Finnwale gelten als scheu und meiden nach Möglichkeit Küstengewässer. Wegen des starken Flutstroms der Elbe ist es möglich, daß der Kadaver über viele Kilometer tot in Richtung Hamburg getrieben wurde.
Die Bergung des Tieres scheiterte zunächst an dem Verwesungsgrad des Kadavers. „Wir brauchen ein Netz, denn wenn wir den Wal an Seilen herausziehen, könnte er auseinander brechen“, befürchtete Einsatzleiter Günter Cords. Da der Hafen inzwischen fast ausschließlich mit Containern arbeitet, sind große Netze, die früher zum Verladen von Baumwolle benötigt wurden, sogar in der Hafenstadt schwer zu finden.
Der Finnwal wird obduziert
„Die Bauchverletzungen deuten an, daß der Wal schon zu Lebzeiten verletzt wurde“, lautete die erste Einschätzung von Tierarzt Dietrich Zander-Schmidt vom Institut für Hygiene und Umwelt der Hansestadt. „Deshalb wird er obduziert.“ Auch die Greenpeace-Mitarbeiter interessierte das Innenleben des Säugetiers. „In der Speckschicht lagern sich Dauergifte ab. So erfahren wir etwas über die Umweltbelastung der Meere“, erklärte Iris Menn. „Allerdings müssen Walkadaver oft als Sondermüll deklariert werden, weil die Giftstoffanteile in ihrem Körper zu hoch sind.“
An den Nord- und Ostseeküsten stranden immer wieder große Wale. Zuletzt wurde im Juli in der Ostsee erstmals seit zwei Jahrzehnten ein Buckelwal gesichtet. Das tote, sieben Meter lange Tier war nahe Wismar angespült worden. Im Januar 2002 strandeten drei elf Meter lange Pottwale auf einer Sandbank im schleswig-holsteinischen Wattenmeer vor Friedrichskoog. Insgesamt 20 Pottwal-Kadaver lockten im Dezember 1997 zahlreiche Schaulustige an die dänische, deutsche und holländische Nordseeküste.