19.06.2002 · Wo der Mensch mit Schallwellen misst, stört er mit den so genannten Sonargeräten das Liebesspiel des Finnwals.
Mit Schall arbeitende Sonargeräte vermasseln so manches Mal das Liebesspiel des Finnwals und bedrohen damit die seltenen Riesen-Meeressäuger in ihrer Existenz. Die von Schiffen zur Navigation und für Forschungszwecke eingesetzten Geräte übertönten oft den Minnesang der männlichen Wale und verhinderten Paarungen der weit entfernt lebenden Tiere, stellten die Autoren einer US-mexikanischen Studie im Wissenschaftsmagazin „Nature“ fest. An Tieren aus der Loreto-Bucht im Golf von Kalifornien vor der Küste Mexikos fanden die Forscher zudem heraus, dass die rätselhaften tiefen Gesänge nur von den männlichen Walen stammen - es handelt sich offenbar um Liebesrufe.
In der von den Forschern untersuchten Finnwal-Population befanden sich 21 männliche und 22 weibliche Tiere. Nur neun der bis zu 20 Meter großen Wal-Männchen stießen die mysteriösen tiefen Töne aus, die Weibchen blieben stumm. Der Belcanto der Finnwale (Balaenoptera physalus) umfasst eine ganze Klang-Palette zwischen Grunzen, Pfeifen, Rasseln und Schnarchen.
Verständigung unter Wasser
Ungehindert können die für das menschliche Ohr hörbaren Töne bis zu 200 Kilometer weit durchs Meer wandern - noch tieferer und ohne technische Hilfsmittel unhörbarer Infra-Schall sogar mehrere tausend Kilometer, so dass sich Tiere von einem zum anderen Ozean verständigen.
Die sehr tiefen Töne zwischen 15 und 30 Hertz werden mit der großen Lautstärke von 184 bis 186 Dezibel ausgestoßen. Auch nach langen Strecken können sie das Gehör einer Finnwal-Dame erreichen, wenn sie nicht unterwegs gestört werden, etwa durch die Sonare von U-Booten, Kriegs-, Handels- oder Forschungsschiffen.
Beben-Forscher etwa setzen 190 bis 250 Dezibel kräftige Schallwellen ein. Ist der Gesang der Wale leiser als dieses Störgeräusch, können weibliche Finnwale die Männchen nicht mehr orten - und die Chancen für ein Treffen auf hoher See schwinden. Durch die Sonare bedroht sind der Studie zufolge auch die noch riesigeren Blauwale, die größten lebenden Säugetiere der Welt.