19.05.2010 · Mit nur einer Stimme mehr als nötig haben SPD, Linke und Grüne im Europa-Parlament die Zulassung des Fleischklebers Thrombin am Mittwoch gestoppt und damit verhindert, dass Verbraucher mit wiederhergestellten Fleischprodukten irregeführt werden.
Das EU-Parlament hat die Zulassung des Fleischklebers Thrombin am Mittwoch gestoppt und damit den Anspruch der Verbraucher auf „ein echtes Steak“ gewahrt. Sozialdemokraten, Linke und Grüne brachten eine knappe Mehrheit von 370 Stimmen für die Resolution zustande. Die EU-Kommission wollte das umstrittene Schweine- oder Rinderthrombin auf die Liste der zugelassenen Zusatzstoffe setzen.
Das Enzym wird verwendet, um aus mehreren Fleischresten ein einzelnes Fleischprodukt zusammenzukleben - als Schinken oder Steak. Solche „wiederhergestellten Fleischprodukte“ trügen „ein unvertretbar hohes Risiko einer Irreführung der Verbraucher“, heißt es in der Resolution.
Die europäischen Konservativen und Liberalen wollten dagegen lediglich eine Kennzeichnungspflicht für Fleischkleber. „Metzger stellen mit den gleichen Zutaten seit Jahrhunderten Blut- und Leberwurst her“, sagte der umweltpolitische Sprecher der FDP, Holger Krahmer. Beim Klebeschicken gehe es um Geschmacksfragen, „die nicht von Politikern sondern an der Ladentheke entschieden werden“ sollten.
Nutzen für Verbraucher unklar
Der Klebeprozess ist als gesundheitlich unbedenklich eingestuft und wird bereits in mehreren Ländern angewendet. Neben Thrombin kommt auch Transglutaminase zum Einsatz. Für die Zulassung in der EU hätte der Nutzen für die Verbraucher klargestellt werden müssen. Zudem dürfte keine Gefahr bestehen, dass Konsumenten mit Thrombin in die Irre geführt werden.
Die von der Kommission vorgeschlagene Kennzeichnungspflicht, sowie das geplante Verbot für Klebefleischgerichte in Restaurants reichte den Abgeordneten aber nicht, um vor Irreführung zu schützen. „Die Verbraucher in Europa müssen darauf vertrauen können, dass sie ein echtes Steak oder einen echten Schinken kaufen, und nicht zusammengeklebte Fleischstücke“, sagte der SPD-Abgeordnete Jo Leinen.
Für das Veto waren 369 Ja-Stimmen nötig - nur eine weniger, als die Fleischkleber-Gegner zustandebekamen.