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„The Shard“ für Besucher geöffnet : Upper Class

Eine halbe Stunde für umgerechnet 30 Euro: Die ersten Besucher genießen am Freitag die Aussicht von „The Shard“ Bild: dpa

Sie ragt wie eine gläserne Rakete 310 Meter hoch in den Himmel über London: die Scherbe, wie das neue Londoner Hochhaus „The Shard“ übersetzt heißt. Jetzt dürfen die ersten Besucher hinauf.

          Feucht ist es, ganz oben auf dem höchsten Hochhaus der Europäischen Union und ziemlich klamm. Wir sind hier eben in London. „The Shard“ (die Scherbe) schießt wie eine gläserne Rakete 310 Meter hoch in den Himmel über der britischen Hauptstadt und die Aussichtsplattform an der Spitze des Gebäudes ist nur teilweise überdacht. Selbst die Kuppel der Kathedrale von St. Paul’s verschwindet von hier aus betrachtet im silbergrauen Londoner Häusermeer. Tief unten winden sich wie auf der Märklin-Eisenbahn die Nahverkehrszüge in den Bahnhof von London Bridge. 40 Meilen, also mehr als 60 Kilometer weit könne man sehen, sagt Andy Nyberg, der Manager der Aussichtsplattform, der eine Million zahlende Besucher im Jahr anlocken will. Am Freitag war Eröffnungstag.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          „Na ja, heute reicht die Sicht wohl nur sechs oder sieben Meilen weit“ räumt Nyberg ein. Es herrscht Nieselregen, die Wolken hängen tief - das Wetter meint es an diesem Morgen nicht gut mit dem Shard und seinen stolzen Erbauern. Gut, dass die Festtagslaune von Londons Bürgermeister Boris Johnson wasserdicht ist wie eine Barbour-Jacke: Einem „intergalaktischen Speer“ gleiche der neue Glasturm, findet der Bürgermeister, der um kühne Sprüche selten verlegen ist. Er soll hier gleich zur Eröffnung mit einer riesigen Schere ein rotes Band durchschneiden.

          Es sieht so aus, als höre der Shard nie auf zu wachsen, als werde er von gewaltigen unterirdischen Kräften immer weiter nach oben geschoben“, schwadroniert Johnson weiter. Die ihn umlagernden Fotografen und Journalisten wiehern vor Lachen. Neben dem Politiker steht ein hagerer älterer Herr mit Krawatte unter dem Strickpulli und einem leicht verlegenen Lächeln auf den Lippen. Es ist der Erbauer des Turms, der italienische Architekt Renzo Piano. So blumig hat noch keiner über seine - an der Themse durchaus umstrittene - Glasscherbe fabuliert.

          Bereits 135.000 Tickets verkauft

          Die ersten Besucher, die für die Aussicht bezahlt haben, sind auch schon da. Wer ohne Vorbuchung und Wartezeit in den Aufzug steigen will, bezahlt dafür schwindelerregende 100 Pfund (knapp 120 Euro). Standardtickets, die man via Internet vorab bestellt, kosten umgerechnet rund 30 Euro. Man darf eine halbe Stunde oben bleiben. „Das ist nicht überteuert“, findet Philip Ashford. Der Rentner ist mit seiner Frau Margaret extra aus Bristol angereist, um heute hier zu sein. Ihre Eintrittskarten haben sie sich gleich beim Verkaufsstart im vergangenen Juli gesichert.

          Insgesamt 135.000 Tickets hat der Plattform-Manager Nyberg bisher abgesetzt. „Ab heute können Sie auch Karten für den Juni kaufen“, sagt er. Und was ist, wenn man Pech hat und die Spitze des Shard in den englischen Regenwolken hängt, wenn man dran ist? „Falls Sie wirklich gar nichts sehen, dann dürfen Sie an einem anderen Tag noch mal rauf“, versichert Nyberg.

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