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Terror an der Côte d’Azur : Warum ausgerechnet Nizza?

Trauer unter Palmen: Auf der Promenade des Anglais gedenken Überlebende der Opfer des Anschlags. Bild: dpa

Wieder ein Terrorangriff in Frankreich, doch diesmal trifft es nicht die Hauptstadt Paris, sondern den Süden. Dass sich der Täter die Stadt an der Côte d’Azur ausgesucht hat, kann nur auf den ersten Blick überraschen.

          Frankreich ist wieder zum Ziel eines Terrorangriffs geworden. Mehr als 80 Menschen wurden bei dem Angriff mit einem Lastwagen in Südfrankreich getötet. Doch warum traf es dieses Mal ausgerechnet Nizza?

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Für seinen Angriff hat der Attentäter von Nizza ein Aushängeschild der Stadt ausgewählt: die Promenade des Anglais. Von Palmen gesäumt ist die breite Strandpromenade das Wahrzeichen der südfranzösischen Stadt. Hier schlendern die Familien, baden die Einheimischen und flanieren die Touristen. Zudem ist die kilometerlange Promenade seit dem vergangenen Jahrhundert ein Ort der Luxushotels, Boutiquen, Casinos und Nachtclubs. Luxus, Dekadenz und französische Leichtigkeit treffen hier zusammen. Kunst und Geschichte sind allgegenwärtig. Einige der Gebäude sind als historische Bauten Frankreichs gelistet und stehen unter Denkmalschutz, so etwa der Palais de la Méditerranée mit seiner Art-Deco-Fassade oder das kuppelgekrönte Negresco-Hotel. Eben jenes Hotel, dessen Räume in der Nacht nach dem Anschlag kurzfristig zum Lazarett umfunktioniert werden mussten.

          Doch nicht allein wegen dieser Prachtstraße ist Nizza das Symbol der Côte d'Azur. Wer an Südfrankreichs Küste Urlaub machen will, landet auf dem Flughafen in Nizza. Viele Urlauber verbringen einige Tage in der Stadt mit dem mediterranen Flair, bevor sie weiter die Küste erkunden. Fünf Millionen Besucher zieht es jährlich in die Stadt, damit ist Nizza nach Paris die bedeutendste Touristenstadt Frankreichs. Der Terror trifft hier also auch ein wirtschaftlich wertvolles Ziel in der Region. Allein am Freitag berichteten nach Agenturangaben Hoteliers in der Küstenstadt bereits von zahlreichen Stornierungen. 

          Bild: DPA

          Für Nizza ist das keine gute Nachricht, denn wenige Straßenzüge hinter der glitzernden Strandpromenade beginnen schon die gesellschaftlichen Unterschiede sichtbar zu werden. Die Arbeitslosigkeit liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt. Der rechtsextreme Front National holte bei der Regionalwahl im vergangenen Jahr immerhin 45,2 Prozent der Stimmen. In Nizza unterlag die 26 Jahre alte Marion Maréchal-Le Pen, Enkelin des Parteigründers Jean-Marie Le Pen, nur knapp dem konservativen Bürgermeister der Stadt, Christian Estrosi.

          Hotspot radikaler Islamisten

          In französischen Medien zeigte man sich am Freitag denn auch nicht überrascht, dass ein Anschlag ausgerechnet hier stattfinden konnte. Die französische Zeitung „Le Monde„ etwa bezeichnete die Region Alpes-Maritimes als „Hotspot der islamistischen Radikalisation“. Es sei nicht das erste Mal, dass Nizza im Zusammenhang mit islamistischen Terroristen erwähnt werde. So stamme beispielsweise Omar Diaby, einer der führenden Rekrutierer und Dschihad-Propagandisten Frankreichs, aus Nizza.

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          Zudem gelten Nizza und seine Umgebung als eine Gegend, aus der viele junge Leute zum Dschihad-Training in den Nahen Osten aufgebrochen sind. Mehr als 200 Personen aus der Region seien „markiert“ und unter Beobachtung, schreibt die Zeitung. Zudem berichtete der Bezirksrat von mehr als 120 Fällen, in denen Minderjährige Gefahr liefen, radikalisiert zu werden. Wie Le Monde weiter schreibt, stammen zehn Prozent der französischen Dschihadisten, die nach Syrien, Irak oder Libyen gegangen seien, aus der Region Alpes-Maritimes.

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          Dass nach Paris jetzt offenbar das weit entfernte Nizza zum Anschlagsziel wurde, kann also nur auf den ersten Blick überraschen. Auf den zweiten Blick belegt Nizza, wie genau der mutmaßliche Attentäter sein Ziel auswählte. Mit der Stadt an der Côte d’Azur hat er ein Symbol der französischen Leichtigkeit und westlicher Dekadenz ins Mark getroffen , das schon vor dem Angriff unter seiner explosiven Mischung aus sozialen Spannungen, einer weit verzweigten Islamistenszene und einem überaus fruchtbaren Nährboden für die Parolen des rechtsextremen Front National gelitten hat. Jetzt, nach dem Angriff, droht dieses Pulverfass noch gefährlicher zu werden.

          Quelle: FAZ.NET

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