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Sonntag, 12. Februar 2012
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Taten möglicherweise verjährt Priester soll vor 30 Jahren Schüler missbraucht haben

09.10.2008 ·  Ein katholischer Priester soll als Mitglied eines Ordens zwischen 1972 und 1976 Schüler eines Internats in Bad Neustadt in Bayern sexuell missbraucht haben. Der heute 71 Jahre alte Mann wurde von seinem Amt als Seelsorger in einem Altenheim in Nordrhein-Westfalen enthoben.

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Ein katholischer Priester soll vor mehr als 30 Jahren Schüler eines Internats in Bad Neustadt/Saale (Bayern) sexuell missbraucht haben. Der heute 71-Jährige von der Ordensgemeinschaft Missionare von der Heiligen Familie sei seines Amtes als Seelsorger in einem Altenheim in Nordrhein-Westfalen enthoben worden. Das sagte der für diesen Fall zuständige Pater Michael Baumbach am Donnerstag am deutschen Provinzsitz des Ordens in Mainz und bestätigte damit einen Bericht der „Main-Post“. Ende August hatte sich ein heute 50 Jahre alter Theologe aus dem Raum Nürnberg an das Bistum Würzburg gewandt und die Vorwürfe gegen den Missionspater erhoben.

Noch am selben Tag, dem 27. August, habe das Bistum den Orden informiert, sagte ein Sprecher der Diözese Würzburg. Die Übergriffe auf die minderjährigen Jungen sollen zwischen 1972 und 1976 erfolgt sein, sagte Baumbach. Der Zeitung zufolge soll der Geistliche regelmäßig abends oder nachts im Schlafsaal aufgetaucht sein und sich an den Jungen vergangen haben. Details wollte Baumbach nicht nennen. „Wir sind dem Opferschutz verpflichtet.“

Kommission beauftragt

Der Orden habe nach den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz zum Umgang mit sexuellem Missbrauch von Kindern eine Kommission mit der kirchenrechtlichen Voruntersuchung beauftragt. Eine ehemalige Kriminalhauptkommissarin und eine Kirchenrechtlerin hätten dann am 1. September den Beschuldigten vernommen. Ob der Pater die Taten zugegeben hat, wollte Baumbach nicht sagen. Der 71-Jährige habe das Altenheim sofort verlassen müssen und lebe nun bis zum Abschluss der Untersuchung, wahrscheinlich am 21. Oktober, in einem Ordenskloster.

Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Würzburg könnten die möglichen Taten bereits verjährt sein. Im Falle von schwerem sexuellen Missbrauch sei dies nach 20 Jahren der Fall, beginnend mit der Vollendung des 18. Lebensjahres des Opfers. Baumbach sagte, der Orden habe bereits eine Staatsanwaltschaft über den Fall informiert, die nun die Verjährungsfrage prüfe.

Bundesweit noch 67 Patres

Zu der Ordensgemeinschaft, die früher Missionare ausbildete, gehören bundesweit noch 67 Patres. In Bad Neustadt sind die Priester seit 1919. „Wir sind immer noch da“, sagte Baumbach. Drei arbeiteten als Seelsorger, vier weitere seien im Ruhestand. Das Internat und eine Schule des Ordens seien aber 1978 geschlossen worden. Der Beschuldigte habe danach als Seelsorger in den Bistümern Aachen und Mainz gearbeitet. „Mit beiden Bistümern haben wir natürlich Kontakt aufgenommen. Hier liegt nichts im Bereich von sexuellem Missbrauch vor“, sagte Baumbach. Bisher hätten sich auch noch keine Männer bei der Gemeinschaft gemeldet, die in dem Internat in Bad Neustadt waren.

Ob der Pater jemals wieder für den Orden tätig sein wird, steht noch nicht fest. Der Untersuchungsbericht werde zunächst dem Ordenoberen, dem Provinzial, vorgelegt. Dieser entscheidet nach Baumbachs Worten, ob der 71-Jährige aus dem Orden ausgeschlossen wird oder künftig mit Einschränkungen leben muss wie einem Kontaktverbot zu Minderjährigen.

Kindesmissbrauch durch Geistliche

Fälle des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche werden oft erst nach vielen Jahren bekannt. Nachfolgend einige Fälle der vergangenen Jahre aus Bayern:

18. Juli 2008: Das Erzbistum Bamberg konfrontiert einen ihrer zwölf Domkapitulare mit Missbrauchsvorwürfen und beurlaubt den 63-Jährigen. Der Mann soll sich in den 70er Jahren an Knaben eines katholischen Internats vergriffen haben. Der Beschuldigte kann sich an die ihm zur Last gelegten Taten nicht erinnern.

16. Juli 2008: Ein ehemaliger katholischer Pfarrer im oberbayerischen Weilach wird wegen sexuellen Missbrauchs an einem Kind zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Der Geistliche hatte sich zwischen 2003 und 2004 an dem minderjährigen Mädchen vergangen.

13. März 2008: Die Regensburger Jugendschutzkammer verurteilt den früheren Pfarrer von Riekofen wegen jahrelangen sexuellen Missbrauchs an einem Ministranten zu drei Jahren Haft. Zudem muss der bereits wegen Missbrauchs vorbestrafte katholische Geistliche eine Therapie machen. Der 40-Jährige hatte ein umfassendes Geständnis abgelegt.

13. Mai 2003: In Weiden i.d. Oberpfalz erhält ein 46 Jahre alter Priester eine dreijährige Haftstrafe. Der frühere Pfarrer von Georgenberg hatte innerhalb von rund zehn Jahren zwölf Buben sexuell missbraucht.

14. November 2002: Ein wegen sexuellen Missbrauchs an einem Elfjährigen zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilter Pater erhält im Berufungsverfahren eine Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Das Landgericht Regensburg ordnet zudem für den 59 Jahre alten Ex-Internatsleiter des niederbayerischen Klosters Rohr ein lebenslanges Berufsverbot an.

7. Juli 2000: Ein katholischer Pfarrer aus dem Landkreis Coburg erhält wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Der 60-Jährige hatte sich an drei Jungen im Alter zwischen neun und elf Jahren vergangen.

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