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„T2 Trainspotting“ : Alternde Männer sind keine D-Züge mehr

Unwahrscheinliche Freunde: Spud (Ewen Bremner), Renton (Ewan McGregor), Sick Boy (Jonny Lee Miller) und Begbie (Robert Carlyle, v.l.) im Film von 1996 Bild: Allstar/Channel Four Films

Der legendäre Film „Trainspotting“ wird fortgesetzt – nach 21 Jahren. Mit dabei ist die gesamte Crew von damals. Was haben uns die Antihelden heute noch zu sagen?

          Eine Freundschaft vergeht meist nicht von einem Tag auf den anderen. Man verliert sich einfach aus den Augen, es ist ein schleichender Prozess. Wann man den anderen zum letzten Mal sah, vermag man irgendwann kaum mehr zu sagen, und wenn man sich Jahre später zufällig irgendwo wiederbegegnet, ist nicht ausgemacht, dass man sich sogleich erkennt.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ganz anders im Kino. Die Figuren, die uns hier im Laufe von anderthalb, zwei Stunden ans Herz gewachsen sind, an deren Schicksal wir Anteil genommen haben wie bei guten Freunden, bleiben uns mit ihrem letzten Bild im Kopf. Mit dem Abspann nimmt man Abschied von ihnen, und wenn man sich den Film eines Tages nochmals ansieht, sind sie die alten geblieben. Natürlich gibt es Fortsetzungen, vor allem bei den sich ungebremst vermehrenden Superhelden-Blockbustern, doch in diesem Genre geht es kaum je darum, wie die Zeit vergeht. Superhelden altern nicht.

          Neue Helden für Kino und Popkultur

          Das Letzte, was wir von Mark Renton sahen, als wir uns von ihm verabschiedeten, war ein Bild des Triumphes. Hoffnungsvoll strahlend war der Ex-Junkie aus Edinburgh auf dem Weg ins Ungewisse, über der Schulter eine Tasche voller Geld: 16.000 Pfund aus einem Drogendeal, bei dem er seine drei Kumpel um ihren Anteil betrogen hatte. Wir hatten zugeschaut, wie der Choleriker Begbie in rasendem Zorn das gemeinsame Hotelzimmer verwüstete, wie Sick Boy und Spud bedeppert im Flur warteten und sich eilends aus dem Staub machten, als die Polizei eintraf.

          Das letzte Bild gehörte wieder dem gutmütigen Kauz Spud, der in einem Schließfach 4000 Pfund fand, welche Renton dort für ihn deponiert hatte. Ein zartes Happy-End in einem der wüstesten, bild- und tongewaltigsten, aufregendsten und verstörendsten Filme, die das britische Kino hervorgebracht hat. 1996 war das, „Trainspotting“ hieß der Film, er bescherte der Kinojugend einen eigenartigen Haufen neuer Helden aus Verlierern, Süchtigen, Verrätern und Schlägern, und er wirkt bis heute nach – in der Bildsprache des Kinos und in der Popkultur, in unserem Blick auf Großbritannien und auf Schottland und selbstverständlich auch in den Karrieren derer, die damals daran beteiligt waren.

          Das Phänomen „Trainspotting“

          Und nun, 21 Jahre später, sind sie alle wieder zurück. „T2 Trainspotting“ heißt das Sequel, dessen Titel ein feixender Gruß an den „Terminator“ ist, dem man das mit seinem zweiten Teil verbundene Kürzel gern abspenstig machen würde. Am Donnerstag kommt „T2“ in unsere Kinos, hat auf der Berlinale soeben seine deutsche Premiere gefeiert, und in Berlin sitzen nun auch Danny Boyle, Regisseur von „Trainspotting“ damals wie heute, und der Schauspieler Jonny Lee Miller nebeneinander im Salon eines Hotels und reden davon, was das Phänomen „Trainspotting“ für sie ausmacht.

          Weil er oft umgezogen sei, erzählt Miller, habe er seine „Trainspotting“-CD irgendwann verloren – jenen Soundtrack also, der Ende der Neunziger jede Studentenparty beschallte mit seinen drängenden Beats von Underworld, Blur und Iggy Pop. Mittlerweile habe er sich eine neue besorgt – und eine schiere Ewigkeit dafür gebraucht, die Songs von der CD auf seinen Laptop zu kriegen. Nicht immer einfach, die neuen Zeiten.

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