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Supercomputer BlueGene/L besiegt Earth Simulator

09.11.2004 ·  Zwei Jahre hat der Earth Simulator der japanischen Firma NEC die Liste der Supercomputer angeführt, nun hat mit IBMs BlueGene/L wieder ein amerikanisches Gerät die Spitze übernommen. Europas Toprechner liegt auf Platz vier.

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Nach mehr als zwei Jahren führt in der Weltrangliste der schnellsten Supercomputer wieder ein Rechner aus den Vereinigten. Der amerikanische Computerkonzern IBM hat den japanischen Konkurrenten NEC, dessen „Earth Simulator“ den Spitzenplatz mehr als zwei Jahre belegt hatte, verdrängt. Die in Pittsburgh (Pennsylvania) veröffentlichte Liste der Top 500 wird nun angeführt von IBMs „BlueGene/L“ vor „Columbia“, ein nach dem im Jahr 2003 abgestürzten Space Shuttle Columbia benannten Rechner von Silicon Graphics (SGI). Auf Rang vier, gleich hinter NECs „Earth Simulator“ landet Europas schnellster Supercomputer „MareNostrum“ aus Spanien, den IBMerst in der vergangenen Woche vorgestellte hatte.

Bei den sogenannten Supercomputern handelt es sich um die leistungsstärksten Rechner auf dem Hardware-Markt, die nicht selten aus mehreren tausend Prozessoren bestehen, die miteinander vernetzt sind. Die Hochleistungscomputer werden unter anderem für die Berechnung komplizierter Klima- und Wetterdaten verwendet, aber auch in der Biotechnologie und der Atomforschung eingesetzt. Auch die Industrie hat Interesse an den Supercomputern: Sie werden etwa von Autoherstellern benutzt, um Unfälle, Karosserieentwürfe oder Materialien zu simulieren.

Nicht nur eine Prestigefrage

Nicht nur für die Herstellerunternehmen aus der Informationstechnologie ist die Entwicklung der Supercomputer eine Prestigefrage, sondern auch für die Nationen, die in Konkurrenz um den schnellsten Ausnahmerechner stehen. In den vergangenen Jahren wurde dieser Kampf vor allem zwischen den Vereinigten Staaten und Japan ausgefochten, das die Computer-Weltrangliste seit Frühjahr 2002 mit seinem „Earth Simulator“ in Yokohama angeführt hat. Amerikanische Zeitungsberichte zeugen vom Ehrgeiz, mit dem die Amerikaner sich seitdem bemüht haben, abermals in Führung zu gelangen. In Anlehnung an das denkwürdige Datum 1957, als die Russen erstmals eine Sputnik-Raumkapsel ins All schossen, wurde der Supercomputer-Wettlauf zwischen amerikanischen und japanischen Entwicklern als "computnik race" bezeichnet.

Der "Blue Gene/L", der von IBM ursprünglich für die biochemische Forschung entwickelt wurde, soll in Zukunft von der amerikanischen Atomsicherheitsbehörde (NNSA) eingesetzt werden. Mit Hilfe des Supercomputers sollen die Sicherheit und die Verläßlichkeit der amerikanischen Atomwaffenbestände getestet werden, ohne daß auf unterirdische Atomwaffentests zurückgegriffen werden muß.

70 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde

Obwohl "Blue Gene/L" bisher erst ein Viertel des geplanten Umfangs besitzt, ist er mit 70,2 Teraflops (ein Teraflop entspricht einer Billion Rechenoperationen pro Sekunde) rund 12.000-mal schneller als ein moderner PC und schon doppelt so schnell wie sein japanischer Konkurrent „Earth Simulator“, der in Tests „nur“ auf 35,86 Teraflops kam. Der vom spanischen Wissenschaftsministerium vorgestellte Supercomputer „Mare Nostrum“ wird nun mit einer Spitzenleistung von bis zu 31,36 Teraflops die europäische Spitzenposition von seinem deutschen Konkurrenten aus dem Forschungszentrum Jülich übernehmen. Laut der offiziellen Weltrangliste, die in Pittsburgh veröffentlicht werden wird, nimmt dieser ebenfalls von IBM entwickelte Hochleistungsrechner auf der Welt den vierten Platz ein. Derzeit sind mehr als 3500 der in der Endausbaustufe vorgesehenen 4564 Prozessoren des Rechners installiert.

Der Supercomputer belegt eine Fläche von 160 Quadratmetern und wiegt 40.000 Kilogramm. Das System wurde in weniger als acht Wochen in Madrid zusammengebaut und wird in Kürze an das nationale Supercomputerzentrum an der polytechnischen Universität in Barcelona ausgeliefert. Die Installation wird voraussichtlich noch dieses Jahr abgeschlossen, so daß der Rechner vom Frühjahr 2005 an der nationalen und internationalen Forschungsgemeinschaft zur Verfügung steht. „Mare Nostrum“ soll unter anderem für die Erforschung der menschlichen Genome, meterologischer Phänomene und Naturkatastrophen eingesetzt werden.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, jul./Frankfurter Allgemeine Zeitung
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