03.05.2006 · Immer mehr Deutsche werden abhängig von legalen Drogen wie Tabak, Alkohol und Medikamenten. Die Zahl der Todesopfer harter Drogen hingegen geht weiter zurück.
Immer mehr Deutsche werden abhängig von legalen Drogen wie Tabak, Alkohol und Medikamenten, während die Zahl der Todesopfer harter Drogen weiter zurückgeht. Dies geht aus dem aktuellen Drogen- und Suchtbericht hervor, den die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, am Mittwoch in Berlin vorstellte. Bätzing bezeichnete das Ausmaß der Abhängigkeit von weichen Drogen und deren gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Schaden als „alarmierend“.
Zugleich sank die Zahl der Opfer illegaler Drogen im vergangenen Jahr um 59 Personen auf 1326; sie ist damit auf dem niedrigsten Stand seit 1989. Als Grund für die rückläufige Zahl der Drogentoten nannte Bätzing den Ausbau von Beratungsangeboten für Opiatabhängige sowie die Verbesserungen in der Ersatztherapie.
„Kein Anlaß zur Entwarnung“
Auch die Zahl der polizeilich aufgefallenen Erstkonsumenten harter Drogen sei gesunken. Die Eindämmung des Drogen- und Suchtproblems bleibe eine der wichtigsten politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen, sagte Bätzing. Trotz positiver Tendenzen bestehe „kein Anlaß zur Entwarnung“.
Die Drogenbeauftragte sprach sich dafür aus, auch zukünftig für eine zahlenmäßig begrenzte Zahl von Schwerstabhängigen unter engen Voraussetzungen Heroin auf Rezept herauszugeben. Ein Modellprojekt habe gezeigt, daß die heroingestützte Behandlung für viele gesundheitlich und sozial stark verelendete Schwerstabhängige ein „letzter Strohhalm“ sei.
Die CDU-Gesundheitsexpertin Annette Widmann-Mauz hatte diese Pläne im Deutschlandradio Kultur kritisiert. Die Union verfolge eine ausstiegsorientierte Drogenpolitik. Es sei noch zu früh, um aus dem Modellversuch zur Heroinabgabe Konsequenzen zu ziehen.