Home
http://www.faz.net/-gum-7640l
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Stuttgart Vater des Winnenden-Attentäters entschuldigt sich

Im Revisionsprozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden haben die Verteidiger Straffreiheit für den 54 Jahre alten Mann gefordert. Der Angeklagte entschuldigte sich am letzten Verhandlungstag bei den Hinterbliebenen.

© dpa Vergrößern Hätte der Amoklauf verindert werden können? Der Umriss von Tim K. vor einem Autohaus in Wendlingen.

Hätte der Amoklauf von Winnenden verhindert werden können, wenn der Vater des Amokläufers Waffen und Munition vor seinem Sohn sicher weggeschlossen hätte? Diese Frage versucht das Stuttgarter Landgericht im Strafprozesses gegen Jörg K., dem Vater des Amokläufers Tim K., seit November vergangenen Jahres zu klären. Es ist der zweite Versuch, denn es handelt sich um ein Revisionsverfahren. An diesem Montag wurde die Verhandlung mit den Plädoyers der Verteidiger und dem letzten Wort des Angeklagten abgeschlossen. Der Angeklagte war im ersten Prozess wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung sowie wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Bewährungsstrafe von 21 Monaten verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil wegen einiger Verfahrensfehler aufgehoben.

Eltern waren über die Probleme des Sohnes informiert

Rüdiger Soldt Folgen:  

Auch während des zweiten Verfahrens verweigerte der Angeklagte die Aussage, allerdings entschuldigte er sich am letzten Verhandlungstag bei den Hinterbliebenen der Opfer sowie bei seinem Sohn, der sich am 11. März 2009 in Wendlingen nach dem Amoklauf mit 15 Toten erschossen hatte. Die Plädoyers der Verteidigung und der Nebenkläger fielen erwartungsgemäß aus: Die Verteidiger forderten Straffreiheit. Jörg K. habe gegen das Waffengesetz verstoßen und die Munition sowie die spätere Tatwaffe ordnungswidrig aufbewahrt, der Angeklagte habe seinen Sohn verloren und leide bis heute physisch und psychisch unter den Folgen des Amoklaufs. Die Vertreter der Nebenklage schlossen sich der Staatsanwaltschaft an und forderten, von einer Anwältin abgesehen, den Angeklagten abermals zu einer Bewährungsstrafe von 21 Monaten zu verurteilen.

Mehr zum Thema

Nur in einer Hinsicht gelang es dem Gericht, die Erkenntnisse des ersten Verfahrens zu substantiieren: Der Richter verlas im Revisionsverfahren den ärztlichen Bericht zur Epikrise des Amokläufers sowie die Computernotizen einer psychosozialen Betreuerin der Eltern. Aus diesen Notizen geht hervor: Die Eltern des Amokläufers waren über dessen „Hass auf die Welt“ und seine psychischen Probleme informiert. Sie trafen keine Vorkehrungen, Waffen und Munition sicher aufzubewahren, sie erlaubten ihm sogar noch, im Schützenverein zu trainieren.

Am Freitag will die Strafkammer ihr Urteil verkünden. Zivilprozesse könnten folgen: Der Angeklagte klagt wegen Behandlungsfehlern gegen die psychiatrische Klinik in Weinsberg. 35 Hinterbliebene des Amoklaufs und die Stadt Winnenden stellen Schadenersatzansprüche in Höhe von elf Millionen Euro.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Prozess in Kempten Ein Drogenfahnder auf Koks

Kemptens ehemaliger Chef-Drogenfahnder steht vor Gericht, weil er im Rausch seine Frau vergewaltigt haben soll. Nach der Tat wurden 1,8 Kilogramm Kokain an seinem Arbeitsplatz entdeckt. Mehr

26.01.2015, 13:13 Uhr | Gesellschaft
Berlin Edathy entschuldigt sich

Edathy äußerte sich am Donnerstag zu der Kinderpornografie-Affäre. Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit wies er zurück. Mehr

18.12.2014, 14:55 Uhr | Politik
Kinoamokläufer vor Gericht Ein besonderer Prozess

Vor zweieinhalb Jahren tötete James Holmes in einem Kino in Aurora zwölf Menschen. Seit dieser Woche muss er sich dafür vor Gericht verantworten. Es wird vor allem um die Frage gehen, ob er schuldfähig war. Doch der Anfang ist erst einmal zäh. Mehr

21.01.2015, 10:23 Uhr | Gesellschaft
Urteil Haftstrafe für Hoeneß-Erpresser

Das Landgericht München verurteilte den Angeklagten wegen versuchter Erpressung zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis. Mehr

16.12.2014, 14:29 Uhr | Wirtschaft
Schleswig-Holstein Unterricht fällt wegen Amoklauf-Drohung aus

Ein Unbekannter droht drei Schulen in Schleswig-Holstein per E-Mail mit einem Amoklauf. Sicherheitshalber müssen rund 2000 Schüler zu Hause bleiben. Unklar ist, ob die Drohung ernst genommen werden muss. Mehr

21.01.2015, 11:11 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.01.2013, 17:02 Uhr

Miss-Wahl Paulina Vega ist Miss Universe

Die neue Miss Universe kommt aus Kolumbien, Entertainer Jay Leno wirbt für mehr Opfer-Verständnis, und Patrick Dempseys Frau reicht die Scheidung ein – der Smalltalk. Mehr 8

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden