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Stuttgart Vater des Winnenden-Attentäters entschuldigt sich

 ·  Im Revisionsprozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden haben die Verteidiger Straffreiheit für den 54 Jahre alten Mann gefordert. Der Angeklagte entschuldigte sich am letzten Verhandlungstag bei den Hinterbliebenen.

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Hätte der Amoklauf von Winnenden verhindert werden können, wenn der Vater des Amokläufers Waffen und Munition vor seinem Sohn sicher weggeschlossen hätte? Diese Frage versucht das Stuttgarter Landgericht im Strafprozesses gegen Jörg K., dem Vater des Amokläufers Tim K., seit November vergangenen Jahres zu klären. Es ist der zweite Versuch, denn es handelt sich um ein Revisionsverfahren. An diesem Montag wurde die Verhandlung mit den Plädoyers der Verteidiger und dem letzten Wort des Angeklagten abgeschlossen. Der Angeklagte war im ersten Prozess wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung sowie wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Bewährungsstrafe von 21 Monaten verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil wegen einiger Verfahrensfehler aufgehoben.

Eltern waren über die Probleme des Sohnes informiert

Auch während des zweiten Verfahrens verweigerte der Angeklagte die Aussage, allerdings entschuldigte er sich am letzten Verhandlungstag bei den Hinterbliebenen der Opfer sowie bei seinem Sohn, der sich am 11. März 2009 in Wendlingen nach dem Amoklauf mit 15 Toten erschossen hatte. Die Plädoyers der Verteidigung und der Nebenkläger fielen erwartungsgemäß aus: Die Verteidiger forderten Straffreiheit. Jörg K. habe gegen das Waffengesetz verstoßen und die Munition sowie die spätere Tatwaffe ordnungswidrig aufbewahrt, der Angeklagte habe seinen Sohn verloren und leide bis heute physisch und psychisch unter den Folgen des Amoklaufs. Die Vertreter der Nebenklage schlossen sich der Staatsanwaltschaft an und forderten, von einer Anwältin abgesehen, den Angeklagten abermals zu einer Bewährungsstrafe von 21 Monaten zu verurteilen.

Nur in einer Hinsicht gelang es dem Gericht, die Erkenntnisse des ersten Verfahrens zu substantiieren: Der Richter verlas im Revisionsverfahren den ärztlichen Bericht zur Epikrise des Amokläufers sowie die Computernotizen einer psychosozialen Betreuerin der Eltern. Aus diesen Notizen geht hervor: Die Eltern des Amokläufers waren über dessen „Hass auf die Welt“ und seine psychischen Probleme informiert. Sie trafen keine Vorkehrungen, Waffen und Munition sicher aufzubewahren, sie erlaubten ihm sogar noch, im Schützenverein zu trainieren.

Am Freitag will die Strafkammer ihr Urteil verkünden. Zivilprozesse könnten folgen: Der Angeklagte klagt wegen Behandlungsfehlern gegen die psychiatrische Klinik in Weinsberg. 35 Hinterbliebene des Amoklaufs und die Stadt Winnenden stellen Schadenersatzansprüche in Höhe von elf Millionen Euro.

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