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Tief „Axel“ : Sturmflut erreicht die Ostseeküste

  • Aktualisiert am

Der Sturm peitscht das Wasser auf, hier in der Nähe Timmendorf in Mecklenburg-Vorpommern. Bild: dpa

Auf Rügen und Usedom überspülen Wellen die Strände – Seebrücken werden gesperrt. Im Rest von Deutschland sorgt Tief „Axel“ vor allem für eisige Kälte. Wintersportler hingegen dürften sich freuen.

          Eiskaltes stürmisches Winterwetter hält die Menschen in vielen Teilen Deutschlands in Atem – und tut dies wohl auch weiterhin. Die Menschen an der Ostseeküste bereiteten sich für die Nacht zum Donnerstag auf die vielleicht schwerste Sturmflut seit zehn Jahren vor. Vor allem im Osten und Süden Deutschlands kann es auch am Donnerstag tagsüber noch bei kräftigen Schnee- und Graupelschauern zu Wintergewittern kommen, sagte ein Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Am Freitag sei in ganz Deutschland tagsüber „gemäßigter Frost“ bis minus 7 Grad zu erwarten.

          Sturmtief „Axel“ bringt Schnee und vor allem in Höhenlagen tiefe Minusgrade. Im Bergland könnten die Temperaturen über frisch gefallenem Schnee auf minus 20 Grad sinken, erwarten die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach. Zwischen Erzgebirge und Alpen sind in den Nächten zu Freitag und Samstag Tiefstwerte zwischen minus 7 und minus 15 Grad möglich.

          Passanten kämpfen am Dienstag im schleswig-holsteinischen Neumünster mit dem starken Wind und dem Regen.

          Schon in der Nacht zum Mittwoch brachte „Axel“ kräftigen Sturm nach Deutschland: Auf den Bergen sowie an der Nordsee traten vielfach orkanartige Böen oder Orkanböen auf. Auf dem Brocken im Harz wurden Spitzen-Windgeschwindigkeiten von 123 Kilometern in der Stunde erreicht, im Erzgebirge auf dem Fichtelberg Böen von 114 Stundenkilometern gemessen. Auf Spiekeroog wehte der Wind mit einer Geschwindigkeit von 112 Kilometern in der Stunde. In der Nacht zum Donnerstag sollte der Wind aber allmählich nachlassen.

          „Das ist schlimmer als erwartet“

          An weiten Teilen der Nordseeküste hatte „Axel“ bereits am Mittwoch weniger Arbeit bereitet als befürchtet. Am Vormittag entspannte sich die Lage an der Nordsee weiter. Dagegen blieb sie an der Ostsee für die Nacht zum Donnerstag angespannt – die Sturmflut führte zu Schäden.



          Es kam in Lübeck, Rostock, Warnemünde und Wismar zu Überschwemmungen auf Straßen, wie örtliche Einsatzkräfte berichteten. In Rostock entlang der Warnow waren viele Häuser gefährdet. In Lübeck wurden mindestens acht Autos aus überfluteten Flächen gezogen. Zugänge zur Altstadt waren vom Bereich der Untertrave für Fußgänger nicht mehr passierbar. Der Einsatzstab in Lübeck sei kurzfristig personell verstärkt worden wegen zunehmender Notrufe, sagte Matthias Schäfer von der Feuerwehr Lübeck.

          Auch auf der Insel Usedom verursachte die Sturmflut größere Schäden. Inzwischen wurde dort die Alarmstufe 3 ausgerufen. Zwischen Koserow und Zempin habe es Steilufer-Abbrüche gegeben. Treppenaufgänge seien weggerissen worden, auch Imbissbuden und Teile von Strandpromenaden, sagte der Sprecher des Kreises Vorpommern-Greifswald, Achim Froitzheim. „Das ist kein Kindergeburtstag. Das ist schlimmer als erwartet.“ Das Hochwasser steige noch weiter, der Scheitelpunkt werde auf Usedom erst gegen Mitternacht erwartet.

          Ursache dafür war aber nicht nur Tief „Axel“ – die Ostsee führt zurzeit auch besonders viel Wasser, weil der Westwind in den vergangenen Tagen viel Nordseewasser in das Nachbarmeer drückte. Beispielsweise auf der vor Wismar gelegenen Ostsee-Insel Poel lagen 30.000 Sandsäcke bereit. Sie würden befüllt, wenn sich Gefahren abzeichnen sollten, sagte die Bürgermeisterin am Mittwoch. Der höchste Wasserstand wurde kurz nach Mitternacht erwartet.

          Dutzende Unfälle in Süddeutschland

          Vor allem in Bayern verursachte der Wintereinbruch mit Schnee und Wind bereits am Mittwoch Dutzende Verkehrsunfälle. Etwa in Ostbayern kamen Autofahrer in der Nacht und am Mittwoch ins Rutschen, die Streufahrzeuge waren mancherorts im Dauereinsatz. Im oberbayerischen Eberfing starb eine 68 Jahre alte Frau nach einem Verkehrsunfall auf winterglatter Straße. In Baden-Württemberg verunglückte ein 31-Jähriger auf rutschiger Fahrbahn tödlich. Auch in Niedersachsen, Thüringen und Sachsen krachte es nach Schneeschauern, Glätte und Schneeverwehungen mehrfach. An der Bahnstrecke von Bremen nach Hannover fielen mehrere Bäume um.

          In Hamburg steht der Fischmarkt am Mittwoch wegen des Sturmtiefs unter Wasser.

          Eine gute Nachricht gab es vom DWD für die Wintersportorte. Vielerorts würden dort – nach langem Warten – „nennenswerte Neuschneemengen“ erwartet. Am Donnerstag werden in vielen Teilen Deutschlands Niederschläge erwartet – oft auch als Schnee. Und wegen der Kälte könne dieser vorerst auch liegenbleiben.

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