Home
http://www.faz.net/-gum-70lyp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Studie Nahezu jeder vierte Deutsche ist fettleibig

 ·  Wie gesund sind die Deutschen heute? Oft gefährlich dick, sagt eine neue bundesweite Studie. Wohlstandskrankheiten wie Fettleibigkeit und Diabetes nehmen zu, aber auch psychische Probleme.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (6)

Rund 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen in Deutschland sind übergewichtig. Damit stagniert die Zahl der Übergewichtigen seit knapp 15 Jahren auf einem hohen Niveau. Allerdings ist die Zahl der Fettleibigen (Adipösen) mit einem sogenannten Body-Mass-Index (Verhältnis zwischen Körpergewicht und Körpergröße) von mehr als 30 in dem gleichen Zeitraum vor allem bei Männern merklich gestiegen. Waren 1998 noch 18,9 Prozente der deutschen Männer adipös, sind es heute 23,3 Prozent. Bei Frauen ist der Anteil von 22,5 Prozent auf knapp 24 Prozent gestiegen. Besonders bei den jüngeren Altersgruppen ist ein kräftiger Zuwachs festzustellen. Bei den Frauen ist ein Anstieg sogar nur in den Altersgruppen bis 35 Jahre zu beobachten.

Eine Folge der wachsenden Fettleibigkeit zeigt sich in der steigenden Zahl an Diabetikern. Seit 1998 leidet ein gutes Drittel mehr Menschen an der Zuckerkrankheit. All dies geht aus der „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS) hervor, deren erste Ergebnisse das Robert-Koch-Institut am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat. Von Ende 2008 bis Anfang 2012 nahmen 8152 Erwachsene zwischen 18 und 89 Jahren an der Längsschnitterhebung teil. Sie wurden nicht nur befragt, sondern auch körperlich untersucht.

Eine solch umfangreiche Datenerhebung zur gesundheitlichen Lage der Deutschen wurde zuletzt 1998 vorgenommen. Die Einbeziehung der Studienteilnehmer des damaligen „Bundesgesundheits-Survey“ in die aktuelle Studie ermöglicht Aussagen über gesundheitliche Veränderungen im Lebensverlauf und über Zusammenhänge zwischen Gesundheitsverhalten und Gesundheitszustand.

Daten für gesundheispolitische Planung

So zeigen die aktuellen DEGS-Ergebnisse, dass 51,7Prozent der Männer und 49,5Prozent der Frauen mindestens einmal in der Woche Sport treiben. Damit ist der Anteil der sportlich Aktiven seit 1998 beträchtlich gestiegen - um 14,1 Prozentpunkte bei den Männern und um 16 Prozentpunkte bei den Frauen. Allerdings erreicht nur ein viel geringerer Prozentsatz von ihnen die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene körperliche Mindestaktivitätszeit von zweieinhalb Stunden in der Woche.

Das Robert-Koch-Institut sammelte auch Daten zur psychischen Gesundheit. Acht Prozent der Befragten berichteten von depressiven Symptomen. Auch hier stachen die jüngeren Altersgruppen hervor. Fast zehn Prozent der Achtzehn- bin Neunundzwanzigjährigen klagten demnach über eine Depression. Darüber hinaus würden Befragte mit höherem Einkommen und Bildungsstand häufiger an einem Burnout-Syndrom leiden, ergab die Studie. Ausführlichere Ergebnisse will das Robert-Koch-Institut im Mai 2013 veröffentlichen. Die Daten sollen zur gesundheitspolitischen Planung dienen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel