05.11.2006 · Millionen Menschen in Westeuropa saßen am Samstag abend im Dunkeln. Eine Panne im deutschen Stromnetz löste eine Kette von Störfällen aus, die von Deutschland bis nach Spanien und Italien reichte. Die Spur führt in den Norden Deutschlands und zum Stromkonzern Eon.
Eine Störung im deutschen Stromnetz hat in der Nacht zum Sonntag in weiten Teilen Westeuropas Stromausfälle ausgelöst.
Der Eon-Konzern teilte am Sonntag mit, möglicherweise bestehe ein Zusammenhang mit der Abschaltung einer Höchstspannungsleitung des Unternehmens in Niedersachsen. „Nach ersten Erkenntnissen waren die Versorgungsstörungen auf Überlastungen im nordwestdeutschen Netz zurückzuführen“, erklärte die Tochter Eon Netz in Bayreuth.
Glos fordert „rückhaltlose Aufklärung“
In Deutschland saßen unter anderem Menschen in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem nördlichen Saarland bis zu einer Stunde im Dunkeln. Auch in Teilen Frankreichs, Belgiens, der Niederlande, Österreichs, Italiens und Spaniens fiel der Strom bis zu eindreiviertel Stunde aus. Berichte über Schäden gab es zunächst nicht. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos forderte von Eon „eine rückhaltlose Aufklärung des Vorfalls und seiner Ursachen“. Umweltminister Sigmar Gabriel verlangte von den deutschen Konzernen einen forcierten Ausbau der Netze.
Eon teilte mit, die genaue Ursache der nach 22.10 Uhr aufgetretenen Netzstörung werde noch untersucht. Eon Netz habe eine halbe Stunde vorher planmäßig eine Leitung durch die Ems abgeschaltet, um die gefahrlose Durchfahrt eines Schiffes zu ermöglichen. „Solche Abschaltungen sind in der Vergangenheit bereits mehrfach problemlos erfolgt“, hieß es. Die Abschaltung könne nicht die alleinige Ursache für die Störung sein, da diese zeitlich verzögert eingetreten sei, sagte ein Sprecher.
Die Eon-Tochter ist für den Stromtransport des größten deutschen Energiekonzerns zuständig und besitzt in Deutschland Stromleitungen mit einer Gesamtlänge von mehr als 32.000 Kilometern. Vor einem Jahr war der Konkurrent RWE massiv in die Kritik geraten, nachdem unter Schnee- und Eislast zahlreiche Strommasten umknickten und Gebiete im Münsterland zum Teil über Tage von der Stromversorgung abgeschnitten waren. Für die Konzerne kommen Ausfälle auch deshalb höchst ungelegen, weil sie in dem Streit um hohe Strompreise Milliarden-Investitionen in ihre Netze ins Feld führen und auf eine im europäischen Vergleich hohe Versorgungssicherheit verweisen.