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Straßenverkehr Neuer Vorstoß für Autofahrer-Gesundheits-Check

In anderen Ländern gehören sie längst zur Pflicht, nun wird auch in Deutschland wieder über regelmäßige Gesundheits-Tests für Autofahrer diskutiert.

© dpa Vergrößern Fahrerlaubnis lebenslang? - dieses Paradies will der Hamburger Innensenator Michael Neumann (SPD) abschaffen

Italiener und Spanier tun es, Schweden und Finnen und sogar Engländer tun es: Sie testen die Fitness ihrer Bürger im Verkehr. Im Autofahrerland Deutschland dagegen ist es verpönt, Verkehrsteilnehmern regelmäßige Untersuchungen ihrer Gesundheit und Fahrtauglichkeit aufzuerlegen. Bislang gilt hier grundsätzlich: Die Fahrerlaubnis hält lebenslang. Diesem Paradies für Autofahrer will der Hamburger Innensenator Michael Neumann (SPD) nun ein Ende bereiten. Er fordert, dass sich Autofahrer zumindest alle 15 Jahre ärztlich auf ihre Fahrtauglichkeit untersuchen lassen. Auch die Grünen fordern eine Pflicht zu Gesundheitstests - unabhängig vom Alter.

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Neumann untermauert seinen Vorstoß mit dem Hinweis, dass von 2013 an in der Europäischen Union der Führerschein nur noch für 15 Jahre gilt. „Bei der Verlängerung von Führerscheinen darf es keinen Automatismus mehr geben. Der Bundesverkehrsminister sollte die Chance nutzen, parallel zur Einführung der Befristung des Führerscheins auch regelmäßige Gesundheitstests zur Pflicht zu machen“, sagte der Innensenator der Zeitung „Bild“. Er sieht sich bestätigt durch neue Hamburger Zahlen: Danach sind Autofahrer über 65 Jahre mit 61,6 Prozent die häufigsten Unfallverursacher in der Stadt.

Führerscheine künftig nur 15 Jahre lang gültig

Die EU-Kommission hatte im Zusammenhang mit der Einführung des einheitlichen EU-Führerscheins 2013 regelmäßige Gesundheitschecks angeregt. Die Bundesregierung entschied sich dagegen. Die neuen EU-Führerscheine sind künftig nur 15 Jahre gültig. Danach müssen die Bürger sie neu beantragen, aber keine neue Fahrprüfung absolvieren. Alte Fahrlizenzen bleiben noch bis 2033 gültig.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hebt immer wieder hervor, die schweren Unfälle würden überwiegend von jungen Fahrern verursacht. Er will deswegen eine Diskriminierung Älterer vermeiden und das Urteil über die Fahrtüchtigkeit dem Hausarzt überlassen: „Entscheidend für die Fahrtüchtigkeit ist nicht das Alter, sondern der Gesundheitszustand.“ Sinnvoll könne aber eine regelmäßige Beratung durch den Arzt sein.

ADAC gegen Tauglichkeitstests

Auch der ADAC wendet sich gegen obligatorische Tauglichkeitstests. Im Vergleich zu europäischen Ländern mit Untersuchungspflicht stehe Deutschland in der Unfallstatistik viel besser da, argumentiert der Automobilklub. Die Forderung nach solchen Tests mit der Unfallbeteiligung älterer Autofahrer zu begründen, entbehre jeder Grundlage. „Die offiziellen Unfallzahlen des Statistischen Bundesamtes geben den angeblichen Trend in Hamburg in keiner Weise wider“, sagte ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker. Autofahrer über 65 Jahre seien nur in 13 Prozent aller Fälle Verursacher von Unfällen mit Personenschaden. In Anbetracht ihres Anteils an der Bevölkerung von 20 Prozent liege die Altersgruppe also weit unter dem Schnitt. „Ältere Verkehrsteilnehmer haben lebenslange Erfahrung am Steuer. Leistungseinbußen können sie durch Besonnenheit und Ruhe wettmachen.“ Als schwächere Verkehrsteilnehmer, also als Fahrradfahrer und Fußgänger, seien Ältere sehr viel häufiger Opfer als Verursacher.

Quelle: F.A.Z.

 
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