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Veröffentlicht: 10.12.2011, 10:29 Uhr

Straßenkunst in Berlin Yogis in Sicht, Street-Art voraus

Der Street-Art-Künstler Josef Foos bastelt kleine Figuren aus Weinkorken und Schaschlikstäben – und lässt sie auf Straßenschildern Yoga-Übungen verrichten.

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© Julia Zimmermann Selbst der Künstler ist Street Art.

Berlin, im Dezember. „Einfach Freude verbreiten!“ Dieser Satz klingt nach guten Taten in der Adventszeit. Doch Josef Foos versucht das ganze Jahr hindurch, den Berlinern Freude zu schenken: Seine kleinen Korkmännchen machen auf Straßenschildern Yoga-Übungen. Lustig? Verrückt? Schön? Erfreulich? Street Art!

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„Am Anfang hatte ich wahrhaftig Bedenken, ob die Menschen mich für einen Verrückten halten“, sagt Josef Foos. „Aber nach den ausschließlich positiven Rückmeldungen und dem Lächeln vieler Leute, wenn sie die Street-Yogis entdeckt haben, habe ich den Gedanken schnell wieder verworfen.“

Der Londoner Straßenkünstler Slinkachu und seine „Little People“ haben Foos zu den kleinen sportlichen Männchen inspiriert. „Ich wollte auch so etwas machen und habe mit einem Versuch direkt vor meiner Haustür begonnen.“ Aus dem einen sind in den letzten zwei Jahren 350 Männchen geworden, die sich von Neukölln aus auch in andere Stadtteile verbreitet haben. Wie viele der 350 Figuren, die aus Weinkorken und Schaschlikstäben gebastelt werden, bis jetzt überlebt haben, weiß Foos nicht. „Aber die Hälfte ist sicherlich inzwischen verschwunden.“

Josef Foos - Der Berliner Künstler und Yoga-Lehrer schmückt Berliner Strassenschilder mit aus Kork selbst gefertigten Street-Yoga-Figuren. 350 Männchen schmücken mittlerweile die Straßen Berlins. © Julia Zimmermann Bilderstrecke 

Dabei werden die Street-Yogis nicht nur von Kindern und Souvenirjägern gezielt von den Schildern geholt. Die kleinen Kerle haben auch natürliche Feinde: „Das Wetter, der Wind oder Wahlplakate, denn beim Befestigen der Plakate kann ein Straßenschild stark zum Wackeln kommen.“ Josef Foos hat aber auch dafür eine gebastelte Lösung parat: Der erste Street-Yogi mit Bodyguards in Form von zwei Schuhspannern an der Seite ist entstanden. „Es hat geholfen“, erzählt er. „Die letzten Wahlen hat er unbeschadet überstanden.“

Spätestens bei den Schuhspannern fragt man sich, was für ein Typ hinter solchen Basteleien steckt. Es ist ein 55 Jahre alter Yogalehrer, Heilpraktiker von Beruf und Bastler aus Leidenschaft. Dazu stammt er nicht etwa aus der kreativen Szene Berlins, sondern ursprünglich vom beschaulichen Oberrhein. Der Wahlberliner führt einen eher enthaltsamen Lebensstil. Zigaretten, Alkohol und dem Fernsehen hat er schon seit mehreren Jahren abgeschworen. Auch das Handy gehört nicht zu seiner Grundausstattung. Aha, Foos bastelt also Yogis, um die vom Konsum nicht bestimmte Zeit totzuschlagen? Er grinst, aber verneint die These nicht. Viel Zeit nimmt vor allem das Anbringen der Yogis ein. „Früher hauptsächlich nachts, mittlerweile meistens tagsüber“, streift Foos dafür durch die Berliner Stadtteile. Wie er dabei an die hohen Straßenschilder kommt, verrät er nicht. Die Klettertechnik ist sozusagen Betriebsgeheimnis. Dafür plaudert er die Produktion der Yogi-Figuren gerne aus: „Am besten nimmt man wasserfesten Holzleim und Pflaster als Taps für die Ellenbogen und die Knie der Yogis. Zum Befestigen auf dem Straßenschild braucht man dann Montagekleber.“

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Über die Jahre haben sich die Street-Yogis weiterentwickelt. So sind die Füße größer geworden, damit die Figuren einen besseren Stand haben. Zuletzt haben sie auch ein Gesicht bekommen. Ein strahlendes Gesicht bekommt auch Foos, wenn er von seiner Kunst erzählt. Die Street-Yogis sind nämlich nicht alleine. Zu ihrer Familie gehören auch noch wenige Zentimeter große Aufkleber in Form von Yoga-Figuren („Kleine Schwestern und Brüder der Street-Yogis“) und die deutlich größeren auf Papier gezeichneten „Street-People“, alle auf Berliner Straßen zu sehen.

Warum er das alles macht? „Natürlich projiziere ich mich dadurch selbst. Aber vor allem fasziniert mich Street-Art, seit ich sie entdeckt habe.“ Es sei eine besondere Art, sich auszudrücken. „Auch Vorgärten, die Farbe der Hauswand oder Fenster sind Street-Art.“

Dabei ist Foos klar, dass Graffiti oder gemalte Bilder fremdes Eigentum beschädigen und zu Ärger führen können. Seine Kunst hingegen wird eher toleriert. Sie ist einfach zu beseitigen, selbst das Ordnungsamt stimmt ihm da zu. Sein neuestes Projekt ist ein Pinboard in Neukölln, eine nicht mehr genutzte hölzerne Werbefläche. Auf ihr präsentiert Foos seine Street-People und die Werke anderer Street-Art-Künstler, die ihn besonders beeindruckt haben. Zu jedem präsentierten Objekt kann der Yogalehrer eine eigene Geschichte erzählen. Beispielsweise hat er zum Schulbeginn einen Street-Yogi mit einer Rechentafel am Schulweg angebracht, um den Schulanfängern Glück zu wünschen. Damit man diese Geschichten entdeckt, heißt es in Berlin mehr den je: Augen auf und Blick nach vorne.

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