01.08.2006 · Der Sommer neigt sich seinem Ende zu und die Tage werden wieder kürzer. Doch der Augusthimmel ist der Sommersternhimmel: Hauptattraktionen sind, abseits der erhellten Großstädte, Milchstraße und Sternschnuppenschwärme.
Von Harald MarxDer Sommer ist im August auf dem Rückzug. Die Tage werden kürzer. Um insgesamt 1 Stunde 41 Minuten verkürzt sich die Länge des lichten Tages im Monatsverlauf. Auch die Mittagshöhe der Sonne nimmt im August wieder spürbar ab, von 58 Grad am Monatsersten auf 48 1/2 Grad am letzten Augusttag. Den nächtlichen Sternhimmel können wir jetzt wieder ungestört betrachten, da die Dämmerung so weit fortgeschritten ist, daß die Konturen der Sternbilder erfaßt werden können.
Der Augusthimmel ist der Sommersternhimmel. Die drei Hauptsternbilder des Sommers, Leier, Schwan und Adler, sind jetzt bis zur Südlinie vorgerückt und stehen nahezu in ihrer Höchststellung. Ihre hellen Hauptsterne Wega, Deneb und Atair bilden ein großes Sternendreieck, das unter dem Namen Sommerdreieck bekannt ist. Hauptattraktion des sommerlichen Sternhimmels ist jedoch zweifellos die Milchstraße. Allerdings kann man dieses Lichtband am aufgehellten Großstadthimmel kaum wahrnehmen.
Das schimmernde Band der Milchstraße
In Gegenden außerhalb der Lichterflut unserer Großstädte kann man in mondlosen Nächten das schimmernde Band der Milchstraße, das vom Südhorizont zwischen Schütze und Skorpion aufsteigt, durch Schlangenträger, Schild und Adler gehend im Schwan eine zenitnahe Position erreicht und durch Kepheus und Kassiopeia Richtung Nordhorizont abfällt, gut verfolgen. Dabei fällt auf, daß das Milchstraßenband in verschieden helle Sternwolken gegliedert ist, die von dunklen Regionen unterbrochen werden.
In diesen Dunkelzonen („Kohlensäcken“) wird das Licht dahinterliegender Sterne durch interstellare Staubmassen absorbiert. Diese sind auch dafür verantwortlich, daß die Milchstraße vom Schwan bis zum Schützen in zwei Streifen geteilt ist. Mit Fernglas sollte man das Sterngewimmel der Milchstraße durchmustern: Die sternreichsten und interessantesten Sternwolken sind in den Sternbildern Schütze, Schild und Schwan zu finden.
Komplex aus mehreren hundert Milliarden Sternen
Für die Bezeichnung Milchstraße ist wohl der griechische Held Herkules, der Sohn von Zeus und Alkmene, einer Sterblichen, verantwortlich. Damit sein Sohn Unsterblichkeit erlange, legte Zeus das neugeborene Knäblein seiner schlafenden Gattin Hera heimlich an die Brust. Jedoch sog Herkules so kräftig, daß Hera erwachte, das Kind erschrocken von ihrer Brust riß und ihre Milch bis an den Himmel spritzte. So erklärten die alten Griechen die Entstehung des Milchstraßenbandes.
Aber bereits der griechische Philosoph Demokrit vermutete, daß das Himmelsband in Wahrheit aus einer Vielzahl von schwachen Sternen besteht. Diese Vermutung konnte erst nach der Erfindung des Fernrohrs im 17. Jahrhundert bewiesen werden. Die wahre Natur unserer Milchstraße als eines gewaltigen spiralförmigen Komplexes aus mehreren hundert Milliarden Sternen und einer Ausdehnung von etwa 100.000 Lichtjahren wurde jedoch erst im Verlauf des letzten Jahrhunderts erkannt. Einer der mittelgroßen Sterne ist unsere Sonne
Sommersternbilder Leier und Schwan
Während der Schütze bis zum Südmeridian vorgedrungen ist, steht der vorausgehende Skorpion jetzt schon untergangsbereit im Südwesten. Westlich des Skorpions können sich die lichtschwachen Waagesterne kaum noch gegen den Horizontdunst durchsetzen. Allerdings zeigt der strahlend helle Planet Jupiter, der sich jetzt in diesem Tierkreisbild aufhält, die Position der Waage an.
Der Bärenwächter Bootes mit seinem hellen Hauptstern Arkturus steht im Westen noch in ausreichend großer Höhe, um diese Himmelsregion zu dominieren. Zwischen ihm sowie den Sommersternbildern Leier und Schwan sind mit dem Doppelsternbild Schlangenträger/Schlange, dem Herkules und der Nördlichen Krone Sternkonstellationen zu finden, die aus weniger hellen Sternen bestehen und auch teilweise recht komplizierte Umrisse besitzen.
Der Große Wagen sinkt im Nordwesten
Östlich des Schützen folgen die Tierkreisbilder Steinbock und Wassermann, die ebenfalls keine einprägsamen Formen und nur mäßig helle Sterne aufweisen. Dagegen ist das kleine drachenförmige Sternbildchen Delphin dank markanter Konturen auffällig. Im Osten haben sich die Herbststernbilder Pegasus und Andromeda deutlich vom Horizont abgehoben.
Über ihnen haben Kepheus und das Sternen-W der Kassiopeia ihre Reise in den zenitnahen Raum schon zur Hälfte zurückgelegt. Dagegen sinkt der Große Wagen im Nordwesten immer tiefer in das horizontnahe Himmelsareal ab. In der Nähe des Nordpunkts, direkt über dem Horizont, funkelt mit Capella ein Stern, der bereits an den kommenden Winter erinnert.
Der August ist Sternschnuppenmonat
Der August ist als Sternschnuppenmonat berühmt. Ursache sind die Perseiden, ein Sternschnuppenstrom, der in den Nächten zwischen dem 9. und dem 14. August aktiv ist, wobei das Maximum in den Morgenstunden des 13. zu erwarten ist. Die Perseiden sind der reichhaltigste Meteorstrom des Jahres und enthalten auch sehr helle Objekte, die sogar die Venus an Helligkeit übertreffen können, sogenannte Feuerkugeln oder Boliden. Bei den Perseidenmeteoren handelt es sich um Zerfallsprodukte des Kometen Swift-Tuttle.
Der Planet Jupiter wird im August zu einem Objekt der ersten Nachthälfte. Er geht am Monatsersten gegen Mitternacht unter, am Monatsende tritt er jedoch bereits kurz nach 22 Uhr unter die Horizontlinie. Damit verkürzt sich seine Sichtbarkeitsdauer Ende August auf nur noch etwas über eine Stunde. Jeweils in den Abendstunden der beiden ersten Augusttage sowie am 29. hält sich der Mond in Jupiternähe auf.
Jagd auf die Wandelsterne Uranus und Neptun
Die inneren Planeten Merkur und Venus sind jetzt Objekte des Morgenhimmels. Merkur kann in der zweiten und dritten Augustwoche bei guter Horizontsicht in der Morgendämmerung tief im Nordosten aufgespürt werden. Dabei kann die wenige Grad nordwestlich stehende Venus, welche erheblich heller leuchtet, Hilfestellung leisten. Deren Sichtbarkeitsdauer reduziert sich im Monatsverlauf deutlich und beträgt in den letzten Augusttagen nur noch etwa 45 Minuten.
Am Morgen des 22. August finden wir die abnehmende Mondsichel in der Nähe des Morgensterns. Mars und Saturn halten sich in Sonnennähe auf und können daher zumindest mit freiem Auge nicht aufgefunden werden. Dagegen kann man mit Fernglas oder Teleskop nahezu die gesamte Nacht über Jagd auf die fernen Wandelsterne Uranus und Neptun machen. Der im Tierkreisbild Steinbock stehende Neptun erreicht am 11. August seine Oppositionsstellung. Uranus hält sich östlich von Neptun im Wassermann auf und steht erst Anfang September in Opposition zur Sonne.