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Sternenhimmel im November Wintersternbilder lugen über den Horizont

 ·  Für die Kelten begann am 1. November die Winterzeit. Tatsächlich ist es der erste winterliche Monat, in dessen Verlauf die Länge des lichten Tages sich um eine Stunde und 21 Minuten verkürzt.

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Für die Kelten begann am 1. November die Winterzeit. Tatsächlich ist der November mit Nebel und oft trübem Wetter der erste winterliche Monat. Nur wenige Nächte sind klar, so daß jetzt für Sternfreunde eine ungünstige Jahreszeit anbricht. Da im November die Mittagshöhe der Sonne nochmals um gut sieben Grad auf etwas über 18 Grad sinkt, verringert sich die Länge des lichten Tages im Monatsverlauf um eine Stunde und 21 Minuten. Am Monatsletzten steht unser Tagesgestirn nur noch acht Stunden und 26 Minuten lang über der Horizontlinie, also nur 21 Minuten länger als am Tag der Wintersonnenwende.

Zur Monatsmitte gegen 21 Uhr ist im Vergleich zum Vormonat das Sommerdreieck Wega, Deneb und Atair weit nach Westen gerückt. Sein südlichster Eckstern Atair steht nur noch knapp über dem Horizont. Große Teile des dazugehörenden Sternbilds Adler sind schon im Horizontdunst verschwunden, und auch die ziemlich lichtschwachen Begleitsterne von Wega, die zusammen mit dieser die Konturen der Leier bilden, sind nur noch schwer auszumachen. Etwas besser sieht es mit dem Schwan aus, der sich noch in halbhoher Position befindet.

Die ausgedehnte Konstellation Walfisch

Im Südwesten schickt sich das Tierkreiszeichen Steinbock an, unter den Horizont zu sinken. Der Südliche Fisch ist nur noch durch seinen hellen Hauptstern Fomalhaut vertreten, seine restlichen Sterne hat schon der horizontnahe Dunst verschluckt. Oberhalb von Fomalhaut sind die Sterne des Wassermanns zu erkennen. Wie er hat das große Sternenviereck des Pegasus gerade seinen Meridiandurchgang hinter sich. Die Fische und die Sternenkette der Andromeda nehmen jetzt die Plätze auf der Südlinie ein, die Wassermann und Pegasus im Vormonat innehatten.

Unterhalb der Fische erstreckt sich die ausgedehnte Konstellation Walfisch, die - außerdem dem Stern Deneb Kaitos - aus recht lichtschwachen Sternen besteht. Die arabische Bezeichnung Deneb Kaitos bedeutet Schwanz des Ketos. Ketos war der Name des zum harmlosen Walfisch umgewandelten Ungeheuers der Mythologie, das die an einen Felsen geschmiedete Königstochter Andromeda zu verschlingen drohte. Deneb Kaitos ist ein knapp 100 Lichtjahre entfernter Riesenstern, der unsere Sonne um das hundertzehnfache an Leuchtkraft übertrifft.

Stier, Zwillinge und Orion am Horizont

Das Sternen-W, die Kassiopeia, befindet sich nun in seiner Höchststellung im Zenit. Der ihr vorausgehende Kepheus sinkt dagegen schon wieder in Richtung Westen. Verlängert man die Reihe der Andromedasterne nach Osten, so stößt man zuerst auf den Perseus und danach auf Capella, den hellsten Stern im Fuhrmann. Außer dem Fuhrmann sind in der östlichen Himmelsregion mit Stier, Zwillingen und Orion drei weitere Wintersternbilder über den Horizont getreten. Der Stier beherbergt mit den Plejaden und den Hyaden die zwei hellsten und auffälligsten offenen Sternhaufen der nördlichen Himmelssphäre, wobei die Plejaden die eindrucksvollere Erscheinung abgeben.

Schon auf der 3.600 Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra sind eindeutig die Plejaden abgebildet. Offene Sternhaufen sind Ansammlungen einer größeren Zahl gravitativ gebundener Sterne, die sich um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegen und ungefähr zur gleichen Zeit aus einer großen interstellaren Gas- und Staubwolke entstanden sind. Mit bloßem Auge können die Plejaden leicht in sechs Sterne aufgelöst werden. Bei besten Sichtbedingungen können sogar bis zu neun Sterne erfaßt werden.

Novemberabendhimmel bleibt planetenarm

Insgesamt enthält der Plejadenhaufen aber etwa 120 Mitgliedssterne. Der Durchmesser dieses 400 Lichtjahre entfernten Sternhaufens beträgt ungefähr 20 bis 30 Lichtjahre, so daß die Sterne hier etwa dreihundertmal dichter beisammen stehen als in der Umgebung unserer Sonne. Trotzdem sind die gegenseitigen Abstände noch so groß, daß die Gefahr von Kollisionen nicht besteht. Die Hyaden sind wesentlich lockerer aufgebaut und enthalten schwächere Sterne als die Plejaden. Der Hauptstern des Stiers, Aldebaran, steht an seinem östlichen Rand, ist aber kein Mitgliedsstern dieses Sternhaufens. Er ist mit 65 Lichtjahren Distanz nur etwa halb so weit entfernt wie die Hyaden. Unmittelbar westlich von Aldebaran stehen zwei Hyadensterne vierter Größe so dicht beieinander, daß man sie als Augenprüfer verwenden kann. Ein gutes Auge sollte in der Lage sein, dieses Sternpaar zu trennen.

Der Abendhimmel bleibt im November planetenarm. Allerdings kann bei guter Sicht der Komet C/2006 M 4 (Swan) mit Hilfe eines guten Fernglases aufgesucht werden. Die Helligkeit des Schweifsterns liegt zu Beginn des Monats zwischen der sechster und siebter Größenklasse, nimmt danach aber rasch ab. Daher ist die Bahn des Kometen in der Sternkarte nur bis zum 15. November eingezeichnet.

Jupiter in Konjunktion mit der Sonne

Der sonnennächste Planet Merkur zieht in der Nacht vom 8. auf den 9. November vor der Sonnenscheibe vorbei. Daher ist dieses seltene Ereignis in Europa und Afrika sowie in den meisten Regionen Asiens nicht zu beobachten. Bewohner Ostasiens, Australiens sowie Nord- und Südamerikas können den Merkurtransit jedoch verfolgen. Schon zehn Tage später hat sich der Planet Merkur so weit von der Sonne entfernt, daß er am Morgenhimmel aufgespürt werden kann. Merkur bleibt dann für den Rest des Monats ein Objekt des frühen Morgens, gewissermaßen als Ersatz für die Ende September als Morgenstern abgetretene Venus. Er ist in der Morgendämmerung tief am Südosthorizont zu beobachten. Unsere Nachbarplaneten Venus und Mars sowie der Riesenplanet Jupiter sind sonnennah und entziehen sich daher unseren Blicken. Am 22. November steht Jupiter in Konjunktion mit der Sonne, von der Erde aus gesehen also hinter unserem Tagesgestirn.

Die Aufgänge des Ringplaneten Saturn wechseln in den ersten Novembertagen auf die Zeit vor Mitternacht. Am Monatsende tritt er schon kurz nach 22 Uhr über die Horizontlinie. Er bewegt sich langsam ostwärts im Tierkreisbild Löwe. Am 13. November gegen zwei Uhr hält sich der abnehmende Halbmond in Saturnnähe auf. Die teleskopischen Planeten Uranus und Neptun sind im November Objekte der ersten Nachthälfte. Uranus befindet sich im Wassermann und Neptun im Steinbock. Am 28. November gegen 18 Uhr steht der zunehmende Halbmond nur 11/2 Grad südlich von Uranus und kann daher als Aufsuchhilfe dienen. Obwohl der Sternschnuppenstrom der Leoniden immer weniger Meteore liefert, kann man in den Morgenstunden des 18. und 19. November versuchen, einige der raschen Sternschnuppen zu beobachten. Der Ausstrahlungspunkt dieses Meteorstroms liegt im Sternbild Löwe.

Sonne: 1. November Sonnenaufgang 7.15 Uhr, Sonnenuntergang 17.02 Uhr, 30. November Sonnenaufgang 8.01 Uhr, Sonnenuntergang 16.27 Uhr.

Mond: 5. November, 13.58 Uhr: Vollmond; 12. November, 18.45 Uhr: Letztes Viertel; 20. November, 23.18 Uhr: Neumond; 28. November, 7.29 Uhr: Erstes Viertel.

Quelle: F.A.Z., 31.10.2006, Nr. 253 / Seite 12
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