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Veröffentlicht: 01.04.2006, 08:00 Uhr

Sternenhimmel im April Die Jungfrau und der Löwe

Im April kann man mit guten athmosphärischen Bedingungen rechnen, um Sterne zu beobachten. Das Sternpaar Mizar/Alkor kann dabei als Augenprüfer dienen. Bei guten Sichtverhältnissen sollte man die beiden Sterne auseinanderhalten können.

von Harald Marx
© dpa

Die Natur stellt sich vom Winter auf den Sommer um. Das geht nicht ohne gelegentliche Turbulenzen ab: Das ist im April oft unberechenbar. Dennoch kann man mit Beobachtungsnächten von guter Transparenz der Atmosphäre rechnen. Die Nächte sind jetzt kürzer als die Tage. Am Monatsersten hält sich unser Tagesgestirn 12 Stunden 54 Minuten über dem Horizont auf; am letzten Apriltag sind es schon 14 Stunden 39 Minuten. Auch die Mittagshöhe der Sonne nimmt deutlich zu, von 441/2 Grad zu Beginn des Monats auf knapp 55 Grad an dessen Ende. Entsprechend stark verändern sich die Auf- und Untergangszeiten unseres Tagesgestirns.

Der Sternhimmel stellt sich in dem ersten vollen Monat des Sommerhalbjahres gründlich um. Die Wintersternbilder stehen jetzt am West- und Südwesthimmel zum Untergang bereit. Stier, Orion und Großer Hund haben bereits Horizontberührung. Lediglich Fuhrmann, Zwillinge und Kleiner Hund stehen noch in so großem Horizontabstand, daß man sie ohne größere Beeinträchtigung erfassen kann. Hoch über unseren Köpfen, am Scheitelpunkt des Himmels, erkennt man die sieben hellen Sterne des Großen Wagens.

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Der Große Wagen ist jedoch gar kein offizielles Sternbild, sondern nur Teil der viel größeren Konstellation Großer Bär. Dem Großen Bären als wahrscheinlich seit über 10.000 Jahren bekanntem Sternbild wurde der Vorzug in der Liste der 88 offiziellen Sternbilder gegeben, die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts von der Internationalen Astronomischen Union erstellt wurden.

Sternpaar Mizar/Alkor als Augenprüfer

Die Babylonier haben wohl als erste vor etwa 3000 Jahren in den sieben ähnlich hellen Sternen die Figur eines Wagens, gegliedert in Wagenkasten und drei Deichselsterne, gesehen. Von allen Sternbildern ist der Himmelswagen zweifellos das bekannteste. Oft werden die drei Deichselsterne auch als Zugpferde des Wagens gesehen. Über dem mittleren Deichselstern Mizar steht in geringer Distanz ein etwas schwächerer Stern, den die Araber Alkor, das Reiterlein, genannt haben. In England war er auch unter der Bezeichnung „Jack on the Middle Horse“ bekannt. Alkor war somit der Fuhrmann des Himmelswagens.

Das Sternpaar Mizar/Alkor eignet sich hervorragend als Augenprüfer. Bei guten Sichtverhältnissen sollte es möglich sein, die beiden Sterne voneinander zu trennen. Wem das nicht gelingt, dem ist der Gang zum Augenarzt zu empfehlen. Mizar und Alkor sind aber nicht gravitativ aneinander gebunden; beide trennt eine Distanz von ungefähr drei Lichtjahren - Mizar ist 78 Lichtjahre und Alkor 81 Lichtjahre von uns entfernt. Mizar ist so etwas wie der Avantgardist unter den Doppelsternen. Er ist der erste Doppelstern, der mit Hilfe eines Teleskops im Jahre 1650 von dem italienischen Astronomen Giovanni Battista Riccioli entdeckt wurde.

Mizar kann als hübscher Doppelstern bereits in kleinsten Fernrohren beobachtet werden. Mizar war auch der erste Doppelstern, der 1857 fotografiert und vermessen wurde. Die hellere Komponente von Mizar wiederum war der erste Doppelstern, der auf Grund seines Spektrums 1889 als doppelt erkannt wurde. Zwei eng benachbarte Sonnen umkreisen sich hier mit einer Periode von 20 Tagen. Auch die schwächere Komponente von Mizar erwies sich wenige Jahre später als spektroskopischer Doppelstern mit einer Umlaufzeit von 176 Tagen. Mizar ist somit also ein Vierfachstern.

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