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Stephanie zu Guttenberg : Donnerstag Heidelberg, Freitag Greenwich

Nur zu Besuch: Stephanie zu Guttenberg am Donnerstag in Heidelberg Bild: dpa

Stephanie zu Guttenberg ist auf Blitzbesuch in ihrer alten Heimat – und gibt den Vorsitz einer Kinderschutzorganisation auf.

          Klimaanlagen auf Flachdächern, eine Tankstelle, ein Kettenhotel für Handelsvertreter - Heidelberg hat schönere Orte. Und Stephanie zu Guttenberg, geborene von Bismarck-Schönhausen, wird in ihrem Leben schon schönere Orte gesehen haben. Am Mittwoch ist sie aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland geflogen. An diesem Donnerstag ist sie in Heidelberg. An diesem Freitag fliegt sie schon wieder zurück in ihre Heimat, nach Greenwich, eine der reichsten Städte an der amerikanischen Ostküste. „Im Herzen bin ich in Deutschland, mein Lebensmittelpunkt liegt in den USA“, sagt sie. Und weil das so sei, lege sie die Präsidentschaft der Kinderschutzorganisation „Innocence in Danger“ nieder und übergebe an Marina von Achten. „Die wird das ganz großartig machen.“

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Stephanie zu Guttenberg, die Ehefrau des im März 2011 wegen der Plagiatsaffäre zurückgetretenen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, weist mit einer dezenten Geste auf ihre Nachfolgerin. „Laut und unbequem“ sei der Verein „Innocence in danger“ immer gewesen, nicht, um Aufmerksamkeit für sich zu erzeugen, sondern für das Thema. Seit 2009 war Frau zu Guttenberg Präsidentin des Vereins. Sie wurde für ihr Engagement gegen Kinderpornographie und sexuellen Missbrauch von Kindern mit mehreren Preisen ausgezeichnet und gewann die Skiläuferin Maria Riesch als Botschafterin für den Verein. Die neue Präsidentin, Marina von Achten, ist Juristin und lebt mit ihrem Mann und ihren vier Töchtern in Heidelberg.

          „Früher lauerten die Täter auf der Straße, jetzt sind Kinder in ihrem eigenen Zuhause durch das Internet bedroht und überhaupt nicht mehr sicher“, sagt Frau von Achten. In Heidelberg will der Verein ein „Smart-User-Modellprojekt“ aufbauen und Schüler so gut über die Gefahren der Online-Medien informieren, dass sie sich selbst vor einem „online-sexuellen Missbrauch“ durch Chats und Internetnetzwerke schützen können.

          Politische Forderungen stellt die Geschäftsführerin des Vereins, Julia von Weiler. Nach dem Runden Tisch der Bundesregierung zum Thema sexueller Missbrauch habe sich 15 Monate lang wenig getan, nur die Bundesregierung habe in den vereinbarten Hilfsfonds für Opfer eingezahlt. Die Landesregierungen weigerten sich, ihre 50 Millionen Euro in den Fonds einzuzahlen.

          Das Interesse an „Lady von Lord Perfect“ ist groß

          Nach Angaben des Vereins wird jedes vierte Mädchen und jeder achte Junge bis zur Volljährigkeit Opfer eines sexuellen Übergriffs. Um daran etwas zu ändern, sei es weiterhin richtig, eine „gewisse Empörungskultur“ zu pflegen. Es gehe ja um Menschen, die keine Stimme hätten, sagt Frau zu Guttenberg.

          Das Interesse an der „Lady von Lord Perfect“, wie eine Zeitschrift einmal über sie schrieb, ist groß. Immer wieder wird sie nach einer möglichen Rückkehr gefragt. Doch Konkretes gibt sie nicht preis. Vor dem Saal steht ein Mitarbeiter des früheren Verteidigungsministers. Karl-Theodor zu Guttenberg bekomme viele Anfragen, erzählt er, auch nach der Plagiatsaffäre von Ministerin Annette Schavan sei er immer wieder um Stellungnahmen gebeten worden. Er lehne aber Interviews hierzu weiter genauso ab wie öffentliche Auftritte in Deutschland.

          Ein Fotograf bittet Stephanie zu Guttenberg noch um Porträt-Fotos neben einer Trockengras-Staude. „Gehen Ihre Kinder in die Schule?“, fragt eine Reporterin. „Ja, klar.“ Und was mache ihr Mann? „Der geht nicht in die Schule, dem geht es gut.“ Sie streicht ihre Frisur zurecht. „So, nun ist genug gestrahlt.“ Das war die Aufforderung an den Fotografen, den Finger vom Auslöser zu nehmen. „Man kann mich kontaktieren, ich verschwinde nicht.“

          Korrektur: In einer früheren Fassung des Artikels hatten wir den Verein fälschlicherweise als „Innocence of Danger“ bezeichnet.

          Quelle: F.A.Z.

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