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Stammesfehde Mindestens 100 Tote bei Unruhen in Nigeria

 ·  In Lagos kämpfen Angehörige zweier Volksstämme miteinander. Die Regierung vermutet einen Putschversuch.

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Gerade erst ist in der nigerianischen Hauptstadt Lagos ein Munitionsdepot explodiert. Jetzt kämpfen in den Straßen verfeindete Volksgruppen.

Bei Ausschreitungen zwischen Angehörigen des Haussa- und des Yoruba-Volkes in einem Vorort von Lagos sind nach Angaben des Roten Kreuzes vom Dienstag mindestens hundert Menschen getötet worden. Mehr als 430 Menschen seien bei den Krawallen im Armen-Bezirk Mushin in den vergangenen vier Tagen verletzt worden, sagte der Präsident des nigerianischen Roten Kreuzes, Emmanuel Ijewere. Ein Sprecher des Bundesstaates Lagos äußerte den Verdacht, die Unruhen seien von Unbekannten angezettelt worden, um die erwartete Instabilität zum Vorwand für einen Putsch zu machen.

Seit dem Ende der Militärdiktatur 1999 hat es in dem an Erdöl reichen Land immer wieder Kämpfe zwischen verschiedenen Volksgruppen gegeben. In Nigeria, das mit 110 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas ist, leben mehr als 250 ethnische Gruppen. Am 27. Januar explodierte in Lagos ein Munitionsdepot, wobei mindestens 1.000 Menschen getötet worden waren.

Krawalle schüren Verschwörungstheorien

Soldaten gingen in Lagos hart gegen potenzielle Unruhestifter vor. Wiederholt mussten Menschen mit erhobenen Armen an den Soldaten vorbei, andere wurden unter vorgehaltener Waffe vernommen. Nach Angaben der Polizei wurden zehn Verdächtige festgenommen. Der Informationsminister für den Bundesstaat Lagos sagte, die Unruhen nach dem Explosionsunglück und einem zuvor nie dagewesenen Polizei-Streik könnten inszeniert gewesen sein, um den Militärs einen Vorwand zum Umsturz zu liefern.

Unterdessen setzte der Gouverneur von Lagos eine hohe Belohung für Hinweise auf den Verbleib hunderter Kinder aus, die nach dem Explosionsunglück verschwunden waren. Befürchtungen wurden laut, die Kinder könnten heimlich gegen ihren Willen festgehalten werden. Bei der Explosion auf einem Militärgelände wurden tausende Soldaten-Familien obdachlos.

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