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Staatsbankett Die Königin antwortet inspiriert

03.11.2004 ·  Im Innenhof des Deutschen Historischen Museums in Berlin dinierte die britische Königin beim Staatsbankett. Elisabeth II. trug im Zeughaus zur herzlichen Gelöstheit der Festversammlung bei.

Von Johannes Leithäuser, Berlin
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Es tat der strahlenden Festlichkeit des Staatsbanketts keinerlei Abbruch, daß es hinter einer Glastür mit der Aufschrift "Wechselausstellungen" stattfand. So ist das halt, wenn Abendpartys in Museen verlegt werden. Berlin bietet da viele Möglichkeiten, im Saal des Naturkundemuseums kann man sogar unter den langen Knochenhälsen vegetarischer Dinosaurier speisen.

Doch das Protokoll des Auswärtigen Amtes war gar nicht von der Idee einer möglichst originellen "location" inspiriert, als es sich auf der Suche nach einem Ort für das Diner mit der britischen Königin für den Innenhof des Deutschen Historischen Museums entschied. Vielmehr waren dafür Zufall und Zwang entscheidend: Der Zwang resultierte daraus, daß der Berliner Dienstsitz des gastgebenden Bundespräsidenten, Schloß Bellevue, gegenwärtig komplett, samt dem großen Speisesaal, renoviert und modernisiert wird; der Zufall kam ins Spiel, weil andere Berliner Festsäle zu klein, zu denkmalgeschützt oder zu wenig disponibel erschienen.

Eine inszenierte Atmosphäre

Jedenfalls sollte sich der barocke Innenhof des Historischen Museums, das vor dreihundert Jahren unter dem ersten preußischen König als Zeughaus errichtet wurde, auch in der Gegenwart als ideale Kulisse für eine königliche Festtafel erweisen. Den Haupteffekt setzte das Licht der vielen hundert Kerzen und Windlichter auf den Tischen, die dem sonst kalten weiten Saal mit seinem Granitboden eine gedämpfte Wärme gaben, genau jenes milde Licht, das Damen um ihres Make-ups willen so lieben, das aber die Königin leuchten ließ. Die Kerzen funkelten in ihrem Diadem, im Collier, in ihrem schlichten Fliederkleid; ein Strahlen, dem die beiden Tischherrn, zur Linken der Bundespräsident, zur Rechten der Außenminister, im Schwarzweiß ihrer Abendgarderobe zusätzlichen Effekt gaben.

Durch das schlichte quadratische Glasdach senkte sich der dunkle Himmel und löste die leere Höhe der Halle auf. Statt gewaltiger Blumenbuketts verzierten die Tische kleine herbstliche Gebinde orangeroter Rosen, einzelne weiße Hortensien, Büschel von Löwenmäulchen - so als sei eine Gastgeberin vor dem Eintreffen der Gäste mit der Schere durch den Garten gegangen und habe die letzten Blüten für die Abendtafel geerntet. In der Summe entstand so aus Licht und Farben die Stimmung eines kräftigsonnigen Oktobertages.

Gourmet und persönliches

Und diese Anmutung herbstlicher Vertrautheit hielt sich den gesamten Abend über. Sie steckte in der Menüfolge, deren Mittelpunkt aus "in Spätburgunder pochiertem Damhirschrücken mit Pefferkirschen, Schwarzwurzeln und Kartoffelknödeln" bestand, und schimmerte sogar in der Rede der Königin. Zweimal spielte Elisabeth II. in den wenigen Minuten ihrer Ansprache auf ihr Alter an. Als sie von der Kostbarkeit des mittlerweile so selbstverständlich empfundenen Friedens in Europa sprach, setzte sie hinzu, "jemand meiner Generation" könne dies kaum genug hervorheben. Und, ähnlich zum Schluß ihrer Rede, da nahm sie sich selbst als Beispiel für die schöne Erfahrung, "wie wir von Krieg zu Frieden, von Partnerschaft zu enger Freundschaft vorangeschritten sind".

Diese Andeutungen einer Monarchin, von sich zu erzählen, Persönliches zum Maßstab zu nehmen, trugen mehr zur herzlichen Gelöstheit der Festversammlung bei, als es jedes formelle höfliche Bedauern über Bombenschäden oder Kriegsverwüstungen hätte tun können. Die Königin gab auch in bezug auf die aufgekommenen unsinnigen Forderungen nach einer britischen Entschuldigung ein Beispiel, wie man nach dezentem Überhören doch eine Antwort findet. Sie tat es mit dem Satz: "Der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche ist für uns alle eine Inspiration." Mehr war bei dieser Gelegenheit nicht zu sagen.

Vorbild Großbritannien

Der Bundespräsident hingegen wollte auch als Tischherr der Königin nicht darauf verzichten, nebenbei die - inzwischen ja fast übliche - deutliche Ermahnung an die eigenen Landsleute zu richten, sie sollten sich freudig an der Modernisierung Deutschlands beteiligen. Er nahm Großbritannien als naheliegendes Vorbild, um dann die Bemerkung anzuschließen, auch Deutschland habe sich nun auf den Weg gemacht, mit ersten Schritten, "aber wir müssen uns noch mehr anstrengen". Womöglich waren die Minister Manfred Stolpe und Wolfgang Clement nur deswegen unter die Gäste gebeten, um diese Aufforderung des Staatsoberhaupts nochmals entgegennehmen zu können. Der Wirtschaftsminister deutete immerhin Widerspenstigkeit durch ein rotes Einstecktuch in seiner schwarzen Smokingjacke an.

Auch der DGB-Vorsitzende Michael Sommer hatte Gelegenheit, das Köhlersche Reformcredo aufzunehmen, war aber vielleicht durch den Umstand abgelenkt, daß ihn die Fügung des Protokolls zum Tischherrn der Prinzessin Caroline (einst Monaco, jetzt Haus Hannover) bestimmt hatte. Und Caroline mit ihrem Gatten Ernst-August befand sich gleichfalls in der ungewohnten Rolle, selbst nicht der Anlaß eines gesellschaftlichen Ereignisses zu sein, sondern statt dessen mit der erläuternden Bemerkung "die deutsche Verwandtschaft der Königin" wahrgenommen und eingeordnet zu werden.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent in London.

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