24.04.2008 · Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen katholischen Priester wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Der Priester soll sich an Ministranten vergriffen haben. Er wurde vom Dienst beurlaubt.
Ein katholischer Priester in Hamburg soll Kinder sexuell missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben wegen dieses Verdachts gegen den Geistlichen. Das Erzbistum Hamburg beurlaubte ihn deshalb am Donnerstag vom Dienst. „Ich bin sehr betroffen, dass ein Priester unserer Kirche unter einem solchen Verdacht steht“, erklärte der Hamburger Erzbischof Werner Thissen.
Die Vorwürfe seien der Kirche erst jetzt bekannt geworden. „Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um zur Aufklärung der Vorwürfe beizutragen“, sagte Thissen weiter. Die Staatsanwaltschaft wollte unterdessen mit Verweis auf das laufende Verfahren keine Einzelheiten nennen. Bei dem Beschuldigten handelt es sich einem Bericht des „Hamburger Abendblatts“ zufolge um einen in der Stadt „keinesfalls unbekannten und unbedeutenden Priester“. Die bereits Anfang des Monats eingereichte Strafanzeige bezieht sich demnach auf den Verdacht der sexuellen Misshandlung der ihm anvertrauten Ministranten und Jugendlichen.
Aussagen mehrere Zeugen
Ein Mitglied des Pastoralrats hatte die Strafanzeige erstattet und bestätigte den Medienbericht. Demnach beruht seine Anzeige auf Aussagen mehrerer Zeugen sowie auf mehreren bei einem weiteren Pfarrer gefundenen Briefen aus den Jahren 1999 und 2000. In einem der Schreiben habe es geheißen, die Unterzeichner hätten einen Vikar gesehen, wie er einen jüngeren Jungen geküsst und ihm zwischen die Beine gefasst habe. Weiter hätten sie die Verantwortlichen um eine diskrete, wenn auch entschiedene Reaktion gebeten.
Der Rechtsanwalt des Antragstellers, Wolfgang Vehlow, sagte dem Blatt zufolge: „Die Vorwürfe sind ungeheuerlich, die Beweise schwerwiegend.“ Der Beschuldigte habe weiterhin Kinder und Jugendliche in seiner Obhut.
Das Erzbistum Hamburg erklärte, inzwischen mit der Staatsanwaltschaft in Kontakt getreten zu sein. Die Beurlaubung sei „zum Schutz möglicher Opfer und aus Fürsorge für den Verdächtigen“ erfolgt, sagte Thissen. Dies entspreche den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz für solche Fälle. „Wenn junge Menschen zu Schaden gekommen sind, werden wir alles tun, um ihnen zu helfen“, erklärte er. Da der in Hamburg tätige Priester zu einem anderen Bistum gehöre, sei auch sein Bischof informiert worden.